4.2.4.4 Stoffausträge in Oberflächengewässer

In den Fließgewässern Mecklenburg-Vorpommerns ist in den letzten Jahren für den Nährstoffgehalt eine uneinheitliche Tendenz festzustellen. Während die Konzentrationen des gelösten anorganischen Stickstoffs (vorwiegend Nitrat), von hydrologisch und meteorologisch bedingten Schwankungen abgesehen, gleich geblieben sind, haben sich die Konzentrationen des gelösten anorganischen Phosphors verringert.

 

Abbildung 26: Entwicklung des gelösten anorganischen Stickstoffs in Fließgewässern in mg/l


Quelle: Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern (1999)

 


Abbildung 27: Entwicklung des gelösten anorganischen Phosphors in Fließgewässern in mg/l


Quelle: Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern (1999)

 


Das der Boden eine wichtige Quelle (bzw. Transportmedium für aufgebrachte Nährstoffe) für die in den Fließgewässern beobachteten Nährstoffkonzentrationen ist, kann man der landes- und bundesweiten Bilanzierung der Stickstoff- und Phosphoreinträge in den beiden folgenden Tabellen entnehmen.

 

Tabelle 115: Stickstoffeinträge in Oberflächengewässer

 

Mecklenburg-Vorpommern

1993/1994

Deutschland

1993-1997

t pro Jahr

%

t pro Jahr

%

Punktuelle Nährstoffeinträge

4.652

14,8

230.000

28

Kommunale Kläranlagen

4.262

13,6

205.000

25

Mischkanalisationsüberläufe

390

1,2

-

-

Industrielle Einleiter

-

-

25.000

3

Diffuse Nährstoffeinträge

26.700

85,2

590.000

72

Erosion

422

1,4

15.000

2

Dränageflächen / Entwässerung

12.634

40,3

120.000

15

Grundwasser

7.565

24,1

395.000

48

Oberflächenabfluss von Wirtschaftsdüngern

579

1,9

15.000

2

Oberflächenabfluss vom landwirtschaftlichen Wegenetz

152

0,5

Landwirtschaftl. Direkteinträge

1.628

5,2

Urbane Flächen

2.114

6,7

35.000

4

Atmosphärische Deposition

1.427

4,6

10.000

1

Laubstreu

179

0,6

-

-

Gesamt

31.352

100

820.000

100

Quelle: Landesamt für Umwelt und Natur M-V (1996) und Umweltbundesamt (2001)

 

85,2 % der gesamten Stickstoffeinträge stammten in Mecklenburg-Vorpommern aus diffusen Quellen, der größte Teil hiervon aus der Dränage- und der Grabenentwässerung. Im gesamten Bundesgebiet hatten die diffusen Einträge nur einen Anteil von 72 %, insbesondere die Einträge aus der Entwässerung waren prozentual geringer.

Im Einzugsgebiet der Warnow lag der Anteil der punktuellen Stickstoffeinträge zwischen 1991 und 1994 im Durchschnitt bei nur 6,3 %, die größten Anteile an den diffusen Quellen hatten hier die Stickstoffeinträge mit dem Dränwasser (61 %) und mit dem Grundwasser (24 %) (Köppen et al. 1995).

Besonders im Winterhalbjahr weist das Wasser, das den Oberflächengewässern durch die Entwässerungssysteme der landwirtschaftlichen Nutzflächen zugeführt wird, einen erhöhten Stickstoffgehalt auf. Grünlandflächen haben bei gleichen Bodenbedingungen einen höheren Nährstoffaustrag als Ackerstandorte. Der Stickstoff liegt in Mecklenburg-Vorpommern im Dränwasser gut durchlüfteter Ackerböden zu etwa 97 % und im Grabenwasser von Grünlandflächen zu 85 bis 90 % als Nitrat vor (Bockholt et al. 1993).

 

Die geschätzten Nährstoffmengen (Stickstoff und Phosphor), die durch die Erosion in die Flusssysteme Mecklenburg-Vorpommerns gelangen, sind in Tabelle 35 dargestellt. Diese Eintragsmengen wurden für einzelne Einzugsgebiete abgeschätzt. Der jährliche Stickstoffeintrag wird dort mit 402 Tonnen und der Phosphoreintrag mit 347,2 Tonnen angegeben.

 

Tabelle 116: Phosphoreinträge in Oberflächengewässer

 

Mecklenburg-Vorpommern

1993/1994

Deutschland

1993-1997

t pro Jahr

%

t pro Jahr

%

Punktuelle Nährstoffeinträge

426

21,9

12.500

34

Kommunale Kläranlagen

357

18,3

11.500

31

Mischkanalisationsüberläufe

69

3,6

-

-

Industrielle Einleiter

-

-

1.000

3

Diffuse Nährstoffeinträge

1.520

78,1

24.500

66

Erosion

393

20,2

8.000

22

Dränageflächen / Entwässerung

245

12,6

3.500

9

Grundwasser

241

12,4

5.500

15

Oberflächenabfluss von Wirtschaftsdüngern

103

5,3

3.500

9

Oberflächenabfluss vom landwirtschaftlichen Wegenetz

55

2,8

Landwirtschaftl. Direkteinträge

220

11,3

Urbane Flächen

192

9,9

4.000

11

Atmosphärische Deposition

49

2,5

<500

-

Laubstreu

22

1,1

-

-

Gesamt

1.946

100

37.000

100

Quelle: Landesamt für Umwelt und Natur M-V (1996) und Umweltbundesamt (2001)

 

78,1 % der gesamten Phosphoreinträge in die Oberflächengewässer Mecklenburg-Vorpommerns stammten somit aus diffusen Quellen, wobei die Erosion die größte Quelle darstellt. Für das Jahr 1999 geht man von einem Anteil der diffusen Quellen am Phosphoreintrag in Fließgewässer von 70,7 % aus. Bundesweit stammten zwischen 1993 und 1997 66 % der Einträge aus diffusen Quellen, auch hier war die Erosion die größte diffuse Quelle.

Im Einzugsgebiet der Warnow lag der Anteil der punktuellen Phosphoreinträge zwischen 1991 und 1994 im Durchschnitt bei nur 14 %, die größten Anteile an den diffusen Quellen hatten hier die Phosphoreinträge durch die Erosion (31 %) und mit dem Dränwasser (20 %) (Köppen et al. 1995).

 

Der eigentliche Eintrag von Nährstoffen aus dem Boden in das Grundwasser ist höher als die Menge, die mit dem Grundwasser in die Oberflächengewässer gelangt. Durch mikrobielle Denitrifikationsprozesse im Grundwasser werden die Nährstoffe teilweise abgebaut, womit der Eintrag in Oberflächengewässer geringer wird.

 

Im Jahr 1999 konnten die Zielvorgaben für Fließgewässer (Güteklasse II oder besser) nicht an allen Messstellen in Mecklenburg-Vorpommern erreicht werden. Bei Gesamt-Phosphor hat die Anzahl der Messstellen, welche die Zielvorgabe einhalten, zwischen 1994 und 1999 zugenommen, bei Nitrat-Stickstoff sind es weniger geworden.

 

Tabelle 117: Prozentualer Anteil der Messstellen mit Einhaltung der Zielvorgaben in M-V

 

Gesamt-Phosphor

Nitrat-Stickstoff

Gesamt-Stickstoff

1994

14

66

7

1999

30

14

7

Quelle: Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V (2001a)

 

Die im Rahmen des Gewässergüteberichts 1998/1999 untersuchten See-Sedimente müssen überwiegend als nährstoffreich bezeichnet werden. Sie weisen meist einen Gesamt-Phosphorgehalt von über 1,2 g/kg TM und einen Gesamt-Stickstoffgehalt von über 15 g/kg TM auf (Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V 2001a).

 

1999 konnten folgende 28 Pflanzenschutzmittel in den Fließgewässern Mecklenburg-Vorpommerns nachgewiesen werden. In mehreren Fällen wurden auch hier die Zielvorgaben nicht erreicht (Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V 2001a):

 

 Ametryn

 Atrazin

 Bentazon

 Bromoxynil

 Chloridazon

 Chlortoluron

 Desethylterbutylazin

 Diacetonketoqulons

 Dichlorphenox

 Dichlorprop

 Dichlorvos

 Dimethoat

 Diuron

 Hexazinon

 Ioxynil

 Isoproturon

 Lenacil

 MCPA

 Mecoprop

 Metazachlor

 Methabenzthiazuron

 Metribuzin

 Prometryn

 Propazin

 Simazin

 Terbutryn

 Terbutylazin

 Trifluralin

 

Die Substanzklasse der Herbizide ist vor allem durch den Eintrag infolge der Bodenerosion von Bedeutung. Herbizide werden nämlich, im Gegensatz zu Insektiziden und Fungiziden, zu Zeiten eingesetzt, zu denen der Boden nicht oder wenig mit Pflanzen bedeckt ist. Da eine geringe Bodenbedeckung die Wahrscheinlichkeit des Oberflächenabflusses erhöht, sind Herbizide durch die Abschwemmung wesentlich stärker betroffen.

In Mecklenburg-Vorpommern spielt der diffuse Eintrag durch die Anwendung der Pflanzenschutzmittel eine viel größere Rolle als im süd- oder westdeutschen Raum, wo punktuelle Einträge von Hofabläufen einen höheren Anteil haben.

Schätzungen besagen, dass bundesweit etwa 30 Tonnen Pflanzenschutzmittel in die Gewässer eingetragen werden. Der Unsicherheitsbereich beträgt zwischen 13 und 68 Tonnen pro Jahr. Insgesamt gelangen etwa 0,1 % der angewandten Menge in die Oberflächengewässer. Die größten Quellen sind die Abschwemmungen aus der Landwirtschaft und die Hofabläufe (Umweltbundesamt 2001).

 

Tabelle 118: Pflanzenschutzmittelemissionen in die Oberflächengewässer in Deutschland

 

1993 / 1994

Tonnen pro Jahr

Abschwemmung Landwirtschaft

ca. 9

Hofabläufe

ca. 10

Abdrift

ca. 3,5

Dränage

ca. 1,5

Industrielle Direkteinleiter

>4

Kommunale Kläranlagen

-

Gesamt

>29

Quelle: UMWELTBUNDESAMT (2001)

 

In den Sedimenten der Fließgewässer Mecklenburg-Vorpommerns wurden ebenfalls Pflanzenschutzmittel, insbesondere Organochlorpestizide, in teilweise hohen Konzentrationen nachgewiesen. Und auch in See-Sedimenten und in den Sedimenten der Küstengewässer konnten diese Schadstoffe nachgewiesen werden (Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V 2001a).