4.2.2.4 Pflanzenschutzmittel

Durch die Landwirtschaft werden Herbizide, Insektizide, Fungizide, Akarizide, Nematizide, usw. als Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt. Diese Mittel setzen sich meist aus Kombinationen von einem oder mehreren Wirkstoffen, Stabilisatoren, Trägerstoffen, Detergentien, usw. zusammen.

Einige Wirkstoffe sind zum Teil schwer abbaubar, besitzen eine hohe Akkumulationsfähigkeit und bilden toxische Metabolite (Abbauprodukte). Diese können sich im Boden, Grundwasser oder Nahrungspflanzen anreichern. Einige dieser Mittel wurden aufgrund ihrer Persistenz schon vor Jahren verboten (z.B. DDT, PCP). Sie lassen sich in den verschiedenen Umweltkompartimenten jedoch noch immer nachweisen.

 

Die Zahl der in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel hatte sich bis Mitte der 90er Jahre etwa halbiert. Seither steigen die Mittelzahlen wieder an. Zu den zugelassenen Pflanzenschutzmitteln zählen u.a. 352 Herbizide, 259 Insektizide und 211 Fungizide.

 

Tabelle 85: Anzahl in Deutschland zugelassener Pflanzenschutzmittel

 

1980

1985

1990

1995

1998

2000

Anzahl

1.821

1.736

1.011

978

1.115

1.130

Quelle: Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (2001b)

 

Eine vergleichbare Entwicklung zeigt die Menge der in Deutschland an den Handel abgesetzten Pflanzenschutzmittel. Zwischen 1993 und 2000 ist der Inlandsabsatz von Pflanzenschutzmitteln, insbesondere bei den Herbiziden und Fungiziden, gestiegen. Dieser Anstieg ist auf die vermehrte Anwendung breit wirksamer Mittel zurückzuführen, die in höheren Aufwandmengen je Hektar zum Einsatz kommen (Industrieverband Agrar e.V. 2001).

 

Tabelle 86: Inlandsabsatz von Pflanzenschutzmittel an den Handel in Deutschland

 

1993

1995

1998

1999

2000

in Tonnen

Herbizide

12.688

14.834

17.269

15.825

16.610

Fungizide

7.660

7.698

10.530

9.702

9.641

Insektizide, Akarizide, Synergisten

4.327

4.006

6.276

6.125

2.357

Sonstige

4.255

3.231

4.808

3.751

3.242

Gesamt

28.930

29.769

38.883

35.403

31.850

Quelle: Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (2001b)

 

Ein Großteil des Herbizidverbrauchs wird durch relativ wenige Wirkstoffe bestimmt. So haben die Wirkstoffe Isoproturon (Harnstoffderivat), Glyphosat (Aminophosphonsäure) und Metamitron (Triazinonderivat) einen Anteil von etwa 40 % am gesamten Herbizidverbrauch (Schmidt und Gutsche 2000).

Der Absatz von Pflanzenschutzwirkstoffen für den Gartenbereich lag 2000 in Deutschland mit 470 Tonnen um etwa 13 % höher als im Vorjahr. Dies wurde vor allem durch die hohe Nachfrage nach Eisen-II-Sulfat hervorgerufen (Industrieverband Agrar e.V. 2001).

 

Die Gesamtmenge der eingesetzten Pflanzenschutzmittel sagt noch nichts über die Gefährdung der Umwelt und die Auswirkungen auf die Böden aus. Hierzu ist eine detaillierte Betrachtung der Ausbringungsmengen einzelner Wirkstoffe bzw. Wirkstoffgruppen notwendig, da das Risikopotenzial dieser Wirkstoffe sehr unterschiedlich ist. Einige der wichtigsten und mengenmäßig bedeutendsten sind in der folgenden Tabelle aufgeführt.

 

Tabelle 87: Verbrauch ausgewählter Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffgruppen in Deutschland

Wirkstoffgruppe

1990

1995

1998

in Tonnen

Amide

642

1.114

1.097

Anilide

-

1.126

1.392

Anorganische Wirkstoffe

2.466

2.514

2.989

Antikoagulanzien

5

1

-

Benzimidazole

215

184

236

Bipyridylium

-

141

93

Carbamate, herbizide Wirkung

924

937

541

Carbamate, insektizide Wirkung

316

152

189

Chlorierte Kohlenwasserstoffe

121

26

-

Diazine, Morpholinderivate

1.047

1.043

1.035

Dinitroaniline

1.072

1.001

837

Dithiocarbamate

2.828

2.966

2.860

Harnstoffderivate

3.825

3.758

4.272

Mikroorganismen/Naturstoffe

1

174

202

Mineralöle

642

401

125

organische Phosphorverbindungen

891

381

462

organische Zinnverbindungen

-

74

60

Phenoxyessigsäurederivate

4.357

2.821

2.541

Propionsäuren

-

1.641

1.496

Pyrethroide

113

47

61

Sulfonylharnstoff-Verbindungen

-

41

74

Triazin

1.085

590

390

Triazol(derivate)

1.719

1.316

1.280

Wachstumsregler (Chlormequat + Ethephon)

-

2.419

3.634

Quelle: FAO (2001) und Schmidt und Gutsche (2000)

 

Aus den Angaben über den Inlandsabsatz und den Gesamtverbrauch kann nicht unmittelbar auf den Verbrauch je Hektar geschlossen werden, da die aufgebrachten Mengen je nach Anbauart und Fruchtfolge sowie den standörtlichen Bedingungen erheblich variieren und die Pflanzenschutzmittel häufig mehrere Jahre gelagert werden.

 

Die Anzahl der im Pflanzenschutzmittelverzeichnis der DDR zugelassenen Präparate belief sich 1989 auf 434 mit 245 Wirkstoffen. Im Bericht „Erfassung des flächenmäßigen Eintrages von Pflanzenschutzmitteln durch die Landwirtschaft von 1975-1989 in Mecklenburg-Vorpommern“ (Geologisches Landesamt M-V 1994) wurden kreisweise die Pflanzenschutzmaßnahmen erfasst. 60 % der Maßnahmen entfallen auf den Getreideanbau. Als PSM-intensive Sonderkulturen sind im Land Obstkulturen vertreten, in denen auch kupfer- und arsenhaltige PSM verwendet werden, wodurch sich diese Metalle dort verstärkt anreichern können, da sie im Boden gespeichert und nicht wie die organischen Komponenten abgebaut werden.

Die Aufwandmengen der eingesetzten Pflanzenschutzmittel in der landwirtschaftlichen Produktion in Mecklenburg-Vorpommern können der folgenden Übersicht entnommen werden (Geologisches Landesamt M-V 1994):

Die Pflanzenschutzmittelmengen, die 1993/1994 in Mecklenburg-Vorpommern im Ackerbau aufgewandt wurden, und der Wirkstoffaufwand pro Fläche sind in der folgenden Tabelle dargestellt. Bundesweit wurden 1993/1994 im Acker-, Obst- und Weinbau nach Bach et al. (2000) etwa 23.200 t Pflanzenschutzmittelwirkstoffe aufgewendet.

 

Tabelle 88: Pflanzenschutzmittelaufwandmengen im Ackerbau in M-V 1993/1994

 

Aufwandmenge

Menge pro Fläche

Tonnen

kg/ha

Herbizide

ca. 1.200

ca. 1,4

Fungizide

ca. 400

ca. 0,5

Insektizide

ca. 30

ca. 0,05

Quelle: Bach et al. (2000)

 

Der Herbizidaufwand pro Hektar Ackerfläche war 1993/1994 in Mecklenburg-Vorpommern mit ca. 1,4 kg/ha größer als in allen anderen Bundesländern. Der geringste flächenspezifische Herbizidaufwand auf Ackerflächen konnte für Brandenburg nachgewiesen werden, hier wurden etwa 0,7 kg/ha ausgebracht. Der Aufwand von Fungiziden lag in Mecklenburg-Vorpommern im Vergleich zu anderen Regionen im oberen Bereich, lediglich in den Bezirken der Landwirtschaftskammern Weser-Ems, Hannover und Rheinland wurden größere Mengen pro Flächeneinheit ausgebracht (Bach et al. 2000).

Da die Menge der in Deutschland abgesetzten Pflanzenschutzmittel seit Anfang der 90er Jahre wieder gestiegen ist, ist auch für Mecklenburg-Vorpommern ein Anstieg der Aufwandmenge seit 1993/1994 wahrscheinlich.

 

 

Zur Schadensbegrenzung gegen biotische Waldschädlinge mussten 1999 in Mecklenburg-Vorpommern allein in den Hauptschadgebieten des Kiefernspanners auf 12.500 ha das Pflanzenschutzmittel Dimilin 80 WG (Wirkstoff: Diflubenzuron)[1] aviochemisch eingesetzt werden (Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Fischerei des Landes M-V 2000, 2001a).

Für den Staatswald (Bundes- und Landeswald) gibt es sowohl für das gesamte Bundesgebiet als auch für Mecklenburg-Vorpommern eine Statistik, auf wie viel Fläche Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. In Mecklenburg-Vorpommern waren Ende 2000 etwa 53,7 % der Waldfläche Staatswald (Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Fischerei des Landes M-V 2001a).

 

Tabelle 89: Pflanzenschutzmittel-Einsatz im Staatswald

 

1996

1997

% der Staatswaldfläche

Mecklenburg-Vorpommern

2,2

3,1

Deutschland

1,4

1,1

Quelle: Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (2001)

 

 

Das Risikopotential der angewendeten Pflanzenschutzmittel für die Umwelt hat sich, u.a. durch die Verbote besonders umweltgefährdender Wirkstoffe, im Zeitraum 1987 bis 1998 in den meisten Wirkungsbereichen (Herbizide, Fungizide bzw. Insektizide) reduziert.

Eine Ausnahme stellt z.B. die Langzeitkonzentration der Fungizide im Boden dar, sie erreichte 1998 den höchsten Wert. D.h., die 1998 verwendeten Fungizide zeigen eine höhere Langzeitkonzentration im Boden als die in früheren Jahren verwendeten Fungizide. Und auch das chronische biologische Risiko für Regenwürmer durch die angewendeten Fungizide stieg, nach einer Abnahme zwischen 1987 und 1994, zwischen 1994 und 1998 wieder an (Schmidt und Gutsche 2000).

 

Durch die Kombination des Risikopotenzials eines Wirkstoffes für die verschiedenen Umweltkompartimente mit der ausgebrachten Menge bzw. behandelten Fläche lassen sich die Wirkstoffe mit der höchsten Umweltrelevanz identifizieren. Die folgende Tabelle gibt die von Schmidt und Gutsche durch ein Schätzverfahren für Deutschland ermittelten „Top Ten“-Wirkstoffe für das Jahr 1998 wieder.

 

Tabelle 90: Pflanzenschutzmittel mit der höchsten Umweltrelevanz („Top Ten“-Wirkstoffe)

Herbizide

Fungizide

Insektizide

Diflufenican

Epoxiconazol

α-Cypermethrin

Isoproturon

Kresoxim-methyl

Esfenvalerat

Amidosulfuron

Tebuconazol

λ-Cyhalothrin

Ioxynil

Carbendazim

Parathion

Fluroxypyr

Azoxystrobin

Dimethoat

Glyphosat

Fenpropidin

Cypermethrin

Metazachlor

Mancozeb

Deltamethrin

Mecoprop-P

Fenpropimorph

Oxydemeton-methyl

MCPA

Flusilazol

β-Cyfluthrin

Rimsulfuron

Prochloraz

Primicarb

Quelle: Schmidt und Gutsche (2000)

 

 



[1] Dimilin ist nicht mehr zugelassen. Sein Abbauprodukt Chloranilin gilt als krebserregend.