4.2.2.3 Einträge von Schwermetallen im Rahmen der landwirtschaftlichen Düngung

Schwermetalle (Dichte >5 g/cm³ in Elementform) stellen natürliche Bestandteile der Geosphäre dar und sind damit auch immer natürliche Bestandteile von Boden, Wasser, Luft und Organismen. Je nach Zusammensetzung der Ausgangsgesteine können Böden geringe bis sehr hohe geogene (lithogene) Ausgangsgehalte an Schwermetallen aufweisen und damit auch durch natürliche Vorgänge belastet sein. Einige Schwermetalle, wie z.B. Kupfer und Zink, zählen sogar zu den Mikronährstoffen. Die geogen geprägten Verteilungsmuster der Schwermetalle in der Umwelt sind jedoch gegenwärtig in beträchtlichem Maße durch anthropogene Immissionen und Depositionen überdeckt.

 

Die Umweltrelevanz möglicher Schwermetallkontaminationen in Böden ist in der Persistenz dieser Stoffe und ihrer Gesundheitsgefährdung für Lebewesen bei Überschreitung bestimmter Konzentrationen begründet. Festlegungen über langfristig unbedenkliche Bodengrenzwerte, noch zulässige Schadstofffrachten und tolerierbare Auffüllungszeiträume müssen – unserem jeweiligen Kenntnisstand entsprechend – auch künftig kritisch hinterfragt und stets fachlich begleitet werden.

Bei der ökologischen Bewertung ist bei den Schwermetallen Kupfer, Chrom, Nickel und Zink vornehmlich deren Phytotoxizität, dagegen bei Cadmium und Blei deren Human- bzw. Zootoxizität hervorzuheben.

Aus der Sicht des Vorsorgeschutzes abgeleitete Grenzwerte sollen mit hoher Sicherheit garantieren, dass

·      keine phytotoxischen Schäden und Ertragsausfälle auftreten,

·      die Nahrungskette von Tier und Mensch nicht unzulässig belastet wird (d.h. Einhaltung der Grenzwerte für Futter- und Nahrungsmittel),

·      die Bodenorganismen nicht geschädigt werden und

·      eine Schwermetallverlagerung in das Grund- und Oberflächenwasser weitgehend ausgeschlossen wird.

 

Der Schutz des Bodens vor unzulässigen Schwermetallkontaminationen erfordert daher auch bei der landwirtschaftlichen Düngung eine wirksame Kontrolle, sowohl der z.T. bemerkenswert mit Schwermetallen belasteten Mineraldünger und Wirtschaftsdünger als auch der Sekundärrohstoffdünger (Klärschlamm und Kompost). Das heißt, bei einer frachtbezogenen Bewertung der Schwermetalleinträge in landwirtschaftlich genutzte Böden sollten auch

·      die Mineraldünger (z.T. hohe Cd- und Cr-Gehalte),

·      die Wirtschaftsdünger Gülle, Stalldung, Geflügelkot (z.T. hohe Zn- und Cu-Gehalte) und

·      die Sekundärrohstoffdünger Klärschlamm und Kompost

in die Betrachtungen einbezogen werden.

 

Eine vergleichende Betrachtung der Schwermetallgehalte von ausgewählten in der Landwirtschaft eingesetzten Mineral-, Wirtschafts- und Sekundärrohstoffdüngern erlaubt Tabelle 78.

 

Tabelle 78: Schwermetallgehalte von Mineral-, Wirtschafts- und Sekundärrohstoffdüngern

 

Kalk-ammon-salpeter

Triple-Phosphat

Thomas-

kali

Rinder-gülle*1

Rinder-mist

Schweine-gülle*1

Kompost*2

Klär-schlamm*3

mg/kg TM

Pb

38

2

3

11

17

11

53

46

Cd

0,4

28

4,6

0,46

0,1

0,82

0,52

1,01

Cr

4

256

537

5

22

9,0

25

35

Cu

7

24

28

45

27

294

49

372

Ni

3

34

24

4

16

11

16

20

Hg

-

-

-

0,05

0,1

0,04

0,19

1,37

Zn

64

471

182

222

190

896

195

744

*1 Ztschr. Humuswirtschaft u. Kompost, Heft 3/1996, S. 32

*2  Schwermetallgehalte (n = 4.743) Bundesgütegemeinschaft Kompost 1998/99

*3  Schwermetallgehalte (n = 244) der landwirtschaftlich verwerteten Klärschlämme in M-V 1998/99

Quelle: Autorenkollektiv (1997, 1999), Döhler et al. (2001) und Tritt (1994)

 

Die Entwicklung der mittleren Schwermetallgehalte im Klärschlamm und Kompost zwischen 1992 und 1999 ist in Tabelle 79 dargestellt. Es ist belegbar, dass sich im Klärschlamm die Pb-, Cd-, Hg- und Zn-Gehalte von 1992 bis 1999 verringert haben.

 

Tabelle 79: Entwicklung der mittleren Schwermetallgehalte (in mg/kg TM) von 1992-1999

 

Klärschlamm

Bioabfallkompost

Grenzwert

AbfKlärV

1992*1

1999*1

Grenzwert

BioAbfV

1992*2

1999

Blei

900

79

46

100

67

53

Cadmium

10 (5)

3,06

1,42

1

0,6

0,51

Chrom

900

45

30

70

32

26

Kupfer

800

149

422

70

40

49

Nickel

200

17

20

35

19

16

Quecksilber

8

2,62

1,82

0,7

0,2

0,17

Zink

2500 (2000)

1580

894

300

194

195

*1  aller untersuchten Klärschlämme in M-V Schaecke (2001)

*2 Ztschr. Humuswirtschaft u. Kompost Heft 3/1996, S. 8

 

Über die jährliche Zufuhr an Schwermetallen in Deutschland bzw. Mecklenburg-Vorpommern durch eine ordnungsgemäße NPK-Mineraldüngung sowie vom Gesetzgeber festgelegte oder nach Richtwerten empfohlene Mengen an Gülle, Kompost und Klärschlamm gibt Tabelle 80 Auskunft.

 

Tabelle 80: Jährliche Zufuhr an Schwermetallen

 

NPK- Dünger

Rindergülle

1,5 DE/ha

Schweinegülle

1,5 DE/ha

Hühnergülle

1,2 DE/ha

Kompost

10 t TM/ha*1

Klärschlamm

1,7 t TM/ha*2

g/ha*a

Pb

28

29

12

14

530

78

Cd

6

0,9

0,8

0,5

5,2

1,7

Cr

45

15

11

14

250

59

Cu

19

114

374

132

490

632

Ni

17

9

12

12

160

34

Hg

-

0,2

0,05

0,05

1,7

2,3

Zn

132

585

1.009

767

1.950

1.265

Dungeinheit (DE) = 80 kg N

*1  Schwermetallgehalte (n = 4.743) Bundesgütegemeinschaft Kompost 1998/99

*2  Schwermetallgehalte (n = 244) der landwirtschaftlich verwerteten Klärschlämme in M-V 1998/99

Quelle: Tritt (1994), Autorenkollektiv (1999) und Schaecke (2001)

 

Relevant für den vorsorgenden Bodenschutz ist nicht nur der Schwermetallgehalt, sondern die Schwermetallfracht, die bei bedarfsgerechter Anwendung der Dünger tatsächlich auf den Boden aufgebracht wird.

 

Wie die Ergebnisse der frachtbezogenen Bewertung der jährlichen Schwermetalleinträge (Tabelle 80) bei einer ordnungsgemäßen landwirtschaftlichen Düngung belegen, werden die höchsten Cd-Einträge über die NPK-Mineraldüngung sowie die maximalen Pb-, Cr-, Ni- und Zn-Einträge bei der Kompostverwertung realisiert und nur die höchsten Cu- und Hg-Frachten bei der landwirtschaftlichen Klärschlammdüngung eingetragen. Das heißt, auf dem Ackerland mit einer Krumenmächtigkeit von 30-35 cm (^4.500 t/ha) wäre z.B. eine Zn-Fracht von 4,5 kg/ha erforderlich, um den Zn-Gehalt um etwa 1 mg/kg Boden zu erhöhen.

Nach Oehmichen (2000) entspricht ein Cd-Eintrag über die Düngung von 3 g/ha*a etwa dem Entzug und Bodenaustrag und ist im Vergleich zum Immissionswert für den Schutz vor erheblichen Nachteilen und Belästigungen in Höhe von etwa 18 g/ha*a (5 µg/m2 und Tag, Bundesimmissionsschutzgesetz 1997) als niedrig einzustufen.

Die Cadmium-Immission durch den Staubniederschlag und durch die nasse Deposition betrug 1998 in Mecklenburg-Vorpommern zwischen 0,7 und 2,9 g/ha*a (vgl. Kapitel 4.2.2.6).

Bei den Mineraldüngern hängt die Höhe des Schwermetalleintrages vor allem vom Düngungsniveau und vom Düngemitteltyp ab. So dürfte in den letzten Jahren der Rückgang sowohl des Mineraldüngerverbrauches als auch der eingesetzten Wirtschaftsdünger (Tabelle 82) zu einer beachtlichen Verringerung der Schwermetalleinträge geführt haben.

Bei den mineralischen P-Düngemitteln wird der Gehalt an unerwünschten Begleitstoffen (z.B. Cd, Cr usw.) maßgeblich von der Zusammensetzung der verarbeiteten Rohphosphate (z.B. Cd-Gehalt von unter 13 g/t P2O5 bei der Verwendung von Cd-armem Kola-Apatit) bestimmt (Oosterhuis, Brouwer und Wijnants 2000).

Inwieweit sich darüber hinaus die Schwermetalleinträge durch die Bevorzugung SM-ärmerer Mineraldünger verringert haben, könnte ansatzweise nur aus dem Verbrauch der einzelnen Düngemittelsorten abgeschätzt werden.

 

Ursache für den hohen Cu- und Zn-Gehalt in der Schweinegülle ist der Zusatz dieser Spurenelemente zum Futter (z.B. Futtermittelzusatz für Mastschweine: <16 Wochen bis 175 mg Cu, >16 Wochen bis 35 mg Cu/kg und 250 mg Zn/kg Alleinfutter mit 88 % TM, nach Futtermittelverordnung 2000). Kupferzusätze beeinflussen besonders bei Ferkeln die Zuwachsleistung und Futterverwertung günstig. Nach Döhler et al. (2001) wäre allein durch eine Annäherung der Zn- und Cu-Fütterung an den physiologischen Bedarf der Schweine eine erhebliche Reduzierung der Güllebelastung realisierbar.

Da die Schwermetalle Kupfer und Zink zu den essentiellen Mikronährstoffen gehören, und diese Elemente erst bei erheblichen Anreicherungen phytotoxisch wirken und humantoxikologisch weitgehend unbedenklich sind, erscheint bei diesen Nährelementen gegenüber den Schwermetallen Pb, Cd, Ni, Cr und Hg eine abweichende Bewertung vertretbar. Kupfer und Zink gefährden auch das Grundwasser nicht in dem Maße wie andere Schwermetalle (vgl. Kapitel 4.2.4.3).

 

Der zu veranschlagende Mikronährstoffbedarf bei einer landwirtschaftlichen Nutzung (Fruchtfolge mit Getreide, Raps und Hackfrüchten) beträgt etwa 70-150 g Cu und 250-600 g Zn pro ha und Jahr.

Da besonders auf den leichten und mittleren diluvialen Böden Mecklenburg-Vorpommerns mit einem ausgeprägten Cu- und Zn-Mangel (Fiedler und Rösler 1993) zu rechnen ist, tragen beispielsweise sowohl die Schweinegülle (294 mg Cu und 896 mg Zn/kg TM) als auch die Klärschlammdüngung zu einer Verbesserung des Mikronährstoffversorgungsstatus dieser Böden bei. Immerhin werden bei einem Schwermetallgehalt im Klärschlamm von 744 mg Zn und 372 mg Cu/kg TM (Tabelle 78) mit einer Klärschlammgabe von 5 t TM/ha in drei Jahren etwa 3,7 kg Zn und 1,9 kg Cu pro ha – was einer angemessenen Vorratsdüngung entspricht – verabreicht.

 

Eine grobe Orientierungshilfe bietet auch die von der Bund-/Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz erarbeitete Frachtbetrachtung für das Schwermetall Cadmium (Tabelle 81).

 

Tabelle 81: Abschätzung der Cadmium-Einträge in t pro Jahr für die Bundesrepublik Deutschland

Cd-Einträge über

t/a

Anmerkungen

Luft

69

·         Landwirtschaftliche Nutzfläche (LN)

·         Freiland

Mineraldünger

16

·         nur landwirtschaftliche Nutzfläche (davon 14 t Cd über P‑Dünger und 2 t Cd pro Jahr über N-Düngemittel)

Wirtschaftsdünger

13

·         dito, durch Berücksichtigung weiterer Wirtschaftsdünger wahrscheinlich 2-4 t höher

·         Unsicherheiten bestehen bzgl. Geflügeltrockenkot

Klärschlamm

3

·         nur Ackerfläche

·         Unterschätzung durch tlw. höhere Schadstoffgehalte des Klärschlamms

Kompost

1

·         bei Annahme, dass 50 % der erzeugten Komposte landwirtschaftlich verwendet werden

·         Böden unter Gartenbau etc. werden nicht berücksichtigt

Summe

102

 

Quelle: Autorenkollektiv (1999)

 

Vor allem infolge des in den letzten Jahren gesunkenen P-Düngungsniveaus (24,5 kg P2O5/ha, vgl. Tabelle 82) und einem N-Einsatz von etwa 117,4 kg N/ha (1999/2000) hat sich die Cadmiumfracht mit der Mineraldüngung in Deutschland von ca. 22 t auf etwa 16 t Cd pro Jahr verringert. Davon wurden 14 t Cd mit den P‑Düngern und 2 t Cd pro Jahr mit den N-Düngemitteln ausgebracht (Tabelle 81).

 

Die deutsche Düngemittelindustrie hat sich 1984 in einer Vereinbarung mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium selbst verpflichtet, den Cd-Gehalt in Phosphatdüngemitteln auf 90 mg/kg P2O5 zu begrenzen. 89 % der Phosphatdünger sollen einen Cd-Gehalt von unter 70 mg/kg P2O5 aufweisen und 63 % einen Gehalt von unter 40 mg/kg P2O5 (Oosterhuis, Brouwer und Wijnants 2000). In der EU wird der Cadmiumgehalt von Phosphordüngemitteln lediglich in Schweden durch die Festlegung von Grenzwerten reguliert.

 

In der Abbildung 19 werden am Beispiel der Cd-Einträge mit verschiedenen Düngemitteln und unterschiedlichen Bewirtschaftungssystemen auf einem Sand- und Lehmstandort diese Zusammenhänge ergänzend graphisch dargestellt. Danach wurden die höchsten Cd-Einträge für das System „ohne Viehhaltung“ mit einer kombinierten Mineral-/Kompostdüngung (6-10 g Cd/ha*Jahr) ermittelt und die niedrigsten mit einer kombinierten Mineral-/Klärschlammdüngung (nur 2-4 g Cd/ha*Jahr). Das Betriebssystem „mit Viehhaltung“ weist die niedrigsten Cadmiumeinträge die kombinierte Schweinegülle-/Mineraldüngung (2‑4 g Cd/ha*Jahr) und die höchsten Cd-Einträge die kombinierte Rindergülle-/Mineraldüngung (4-7 g Cd/ha*Jahr) auf.

 

Abbildung 19: Cadmium-Einträge mit Düngemitteln

Textfeld:
Quelle: Autorenkollektiv (1999)

 


Auch wird deutlich, dass in der Nährstoffversorgungsstufe A mit einem hohen Düngebedarf z.T. doppelt soviel Cadmium zugeführt wird wie auf Böden mit der Gehaltsklasse C (optimaler Nährstoffgehalt). Der Vergleich zeigt, dass mit der reinen Mineraldüngung dem Boden fast genauso viel Cd zugeführt wird wie mit einer kombinierten Mineral-/ Kompostdüngung.

 

Die in der Tabelle 82 für Mecklenburg-Vorpommern ausgewiesenen Mineraldüngeraufwandmengen auf dem produktiven Ackerland erreichen ein geschätztes Düngungsniveau von 160 kg N, 35 kg P2O5 und 43 kg K2O/ha. Das Düngungsniveau für die gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche Mecklenburg-Vorpommerns kann nicht angegeben werden, ein Vergleich mit den anderen Angaben zum Düngemittelverbrauch ist somit nicht direkt möglich.

Hinzu kommen noch die aus der Tierproduktion stammenden Wirtschaftsdünger (Gülle, Stalldung, Geflügelkot).

 

Tabelle 82: N-, P-, K-Mineraldünger- und Wirtschaftsdüngerverbrauch

Jahr

Mineraldüngerverbrauch in kg/ha LN

N

P2O5

K2O

1950 ehemalige DDR

27,8

14,2

51,1

1960 ehemalige DDR

38,0

32,7

82,3

1970 ehemalige DDR

78,7

65,3

101,8

1980 ehemalige DDR

126,4

64,8

84,4

1988 ehemalige DDR

133,9

50,4

91,3

1988/89 alte Bundesländer

129,2

54,0

74,5

1999/2000 Deutschland

117,4

24,5

34,9

2000 M-V produktives Ackerland*

160,0

35,0

43,0

Hinzu kommen noch die von 0,43 bzw. 0,85 GV/ha LF stammenden organischen Düngemittel

1999 M-V

20-35

15-20

35-50

1999 Deutschland

40-70

30-40

70-100

1 GV für Pflanzen nutzbar

45-80

34-46

78-120

Viehbesatz:

1989

1999

GV/ha LF

DDR:   1,03

M-V:   0,43

BRD:   1,26

BRD:   0,85

* Düngungsniveau des produktiven Ackerlandes (Quelle: LMS-Arbeitskreisbericht 2000: Marktfruchtbau in Mecklenburg-Vorpommern in Abstimmung mit der LUFA Rostock (Prof. Schweder) der LMS

Quelle: Statistisches Jahrbuch DDR (1989), Statistisches Jahrbuch BRD (1992), Statistisches Jahrbuch BRD (2001) und Statistisches Landesamt M-V (2001b)

 

Die mit den Mineral- und Wirtschaftsdüngern in Mecklenburg-Vorpommern verabreichten NPK-Nährstoffmengen/ha erreichen damit ein Düngungsniveau, das etwa der Normdüngung für Makronährstoffe nach guter fachlicher Praxis entspricht.

 

Ergänzend dazu können die in den letzten Jahren in der Landwirtschaft von Mecklenburg-Vorpommern eingesetzten Sekundärrohstoffdünger mit 35.000-40.000 t Klärschlamm TM und 15.000-20.000 t Kompost (10-15 % der erzeugten Kompostmenge) beziffert werden (Schaecke 2001 und Statistisches Landesamt M-V 2001b, vgl. Kapitel 4.1.3).

 

So wurden 1999 in Mecklenburg-Vorpommern 39.808 t Klärschlamm TM auf einer Ackerfläche von 12.690 ha aufgebracht. Dies entspricht einer mittleren Aufbringungsmenge von 3,14 t Schlamm TM/ha und Jahr. Dadurch, dass diese Menge nur einmal in drei Jahren ausgebracht wird, ergibt sich für diesen Zeitraum eine mittlere Aufbringungsmenge von 1,05 t TM pro ha und Jahr. Folglich liegen die mit nur 1,05 t Schlamm TM/ha*Jahr verabreichten Schwermetall-Frachten mit 48 g Pb, 1,06 g Cd, 37 g Cr, 391 g Cu, 21 g Ni, 1,44 g Hg und 781 g Zn pro ha und Jahr unter den in der Tabelle 80 ausgewiesenen Schwermetallfrachten bei Ausschöpfung der maximal möglichen Aufbringungsmenge von 1,7 t Schlamm TM/ha und Jahr.

 

Bezüglich einer einheitlichen Bewertung der Schwermetallgehalte in den unterschiedlichsten Düngemitteln ist der Vorschlag zu nennen, die Schwermetallgehalte in Beziehung zum Nährstoffgehalt zu setzen. Aufgrund der besonderen Relevanz der P-haltigen Düngemittel für die Schwermetalleinträge wurde vorgeschlagen, für eine einheitliche Bewertung das Schwermetall-Phosphat-Verhältnis (SM-P2O5-Verhältnis) heranzuziehen. In der Tabelle 83 sind die für verschiedene Mineral-, Wirtschafts- und Sekundärrohstoffdünger berechneten Schwermetall-Phosphatverhältnisse aufgeführt.

 

Tabelle 83: Schwermetall-Phosphatverhältnis (mg SM/kg P2O5) verschiedener Düngemittel

 

Klär-schlamm

Kompost

Rinder-Gülle

Schweine-Gülle

Super-Phosphat

Triple-Phosphat

NPK
12/12/17/2

Pb

1.609

9.066

506

297

<6

<1

10

Cd

35

93

25

22

33

68

48

Cr

1.239

4.049

289

300

1.006

667

467

Cu

5.261

6.443

2.956

11.563

125

51

113

Hg

30

33

3

1

-

-

-

Ni

624

2.623

318

750

81

69

92

Zn

19.283

29.508

14.125

30.031

767

996

617

Erläuterung: Eine hohe Zahl entspricht einem ungünstigen Verhältnis.

Quelle: Autorenkollektiv (1999)

 

Bei der vergleichenden Bewertung entspricht eine hohe Zahl einem ungünstigen Schwermetall-Phosphat-Verhältnis. Dabei werden Düngemittel, die wie beispielsweise Biokomposte einen verhältnismäßig niedrigen P-Gehalt aufweisen, durch das SM-P2O5-Verhältnis besonders ungünstig beurteilt. Die einseitige Betrachtungsweise einzelner Wertmerkmale (z.B. Phosphat) kann folglich den Anspruch einer Nützlichkeitsdefinition nach dem Bodenschutzgesetz nur bedingt erfüllen.

 

Besonders bei den Sekundärrohstoffdüngern Klärschlamm und Kompost ergeben sich Anwendungsbeschränkungen sowohl beim Erreichen der Nährstoff-Bedarfsdeckungsschwelle als auch aus vorsorgelimitierten Befrachtungen des Bodens mit Schadstoffen (Grenzwerte). Die qualitative Gesamtbewertung der Sekundärrohstoffdünger ergibt sich daher aus der Relation von wertgebenden Inhaltsstoffen (z.B. Nährstoffe und organische Substanz) und limitierenden Vorsorge-Merkmalen (z.B. Schwermetalle und organische Schadstoffe). Die Einführung einer solchen wirkungsortbezogenen Vorsorge-Nutzen-Bewertung von Sekundärrohstoffdüngern ist eine wesentliche Voraussetzung für eine künftige bodenschutzorientierte Düngungspraxis in der Landwirtschaft. Durch Gegenüberstellung und Vergleich der mit den verschiedenen Düngern verabreichten Schwermetallfrachten hat der Landwirt die Möglichkeit - unter Beachtung der praktischen Realisierbarkeit - den Schwermetalleintrag in den Boden gezielt zu reduzieren. Obwohl es aufgrund der Krumenmasse je ha (4.000 bis 4.500 t/ha) und einer Schwermetallzuführung pro ha im Gramm-Bereich nur langsam zu einer messbaren Schwermetallanreicherung im Boden kommt, ist eine bedenkliche Schwermetallakkumulation langfristig zu verhindern. Dies ist aber nur mittels einer umfassenden Bilanzierung der Schwermetall-Ein- und -Austräge möglich.

 

 

Schwefel fällt als Nebenprodukt bei verschiedenen industriellen Prozessen an. In Rauchgasentschwefelungsanlagen entstehen so zum Beispiel Rauchgasentschwefelungsgips (REA-Gips) sowie sulfathaltige Produkte aus dem Sprühabsorptionsverfahren der Rauchgasentschwefelung (SAV-Produkte). Mit Hilfe dieser Technik konnten die Schwefelemissionen durch die Industrie in den letzten Jahren erheblich reduziert werden.

Paulsen (1999) konnte in mehreren Feldversuchen (u.a. in Dreetz, Mecklenburg-Vorpommern) bei Raps eine gute Schwefeldüngewirkung dieser Produkte nachweisen. Bei Getreide konnte eine Qualitätsverbesserung, jedoch keine Ertragssteigerung ermittelt werden. Aufgrund ihrer Herkunft und Entstehungsweise enthalten diese Schwefelprodukte unterschiedliche Mengen an Schadstoffen die in höherer Konzentration schädliche Wirkungen zeigen können.

 

Tabelle 84: Schadstofffrachten bei Verwendung industrieller Nebenprodukte

 

SAV-Produkte

REA-Gips

Fracht in g/ha*a bei 180 kg/ha S-Düngung

Arsen

8-80

-

Blei

33-470

23

Chrom

16-345

13

Kobalt

5-167

-

Kupfer

0-380

-

Mangan

120-760

-

Nickel

10-410

-

Selen

13-28

5

Zink

9-580

-

Quelle: Paulsen (1999)

 

Beim Einsatz dieser schwefelhaltigen Nebenprodukte auf Grünlandstandorten kann eine direkte Kontamination der Pflanzenoberfläche und dadurch eine direkte Aufnahme unerwünschter Elemente durch die Tiere stattfinden. Die Verwendung von SAV-Produkten führt hierbei zu einer Überschreitung der Grenzwerte der Futtermittelverordnung (Paulsen 1999).