4.1.3    Bodenauftrag

Der § 6 des Bundes-Bodenschutzgesetzes regelt das Auf- und Einbringen von verschiedenen Materialien auf oder in den Boden. Die Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung konkretisiert diese Vorgaben an das Aufbringen und Einbringen von Materialien in § 12. Folgende Anforderungen werden hierbei berücksichtigt:

 

1.        Zur Herstellung einer durchwurzelbaren Bodenschicht dürfen in und auf Böden nur Bodenmaterialien, Baggergut und Gemische von Bodenmaterial mit solchen Abfällen, die die Qualitätsanforderungen nach Bioabfall- und Klärschlammverordnung erfüllen, auf- und eingebracht werden.

2.        Das Auf- und Einbringen von Materialien auf oder in eine durchwurzelbare Bodenschicht oder zur Herstellung dieser Bodenschicht im Rahmen von Rekultivierungsvorhaben ist zulässig, wenn

·      nach Art, Menge, Schadstoffgehalten und physikalischen Eigenschaften der Materialien sowie nach den Schadstoffgehalten der Böden die Besorgnis des Entstehens schädlicher Bodenveränderungen nicht hervorgerufen wird und

·      mindestens eine Bodenfunktion nachhaltig gesichert oder wiederhergestellt wird.

3.       Bei landwirtschaftlicher Folgenutzung sollen im Hinblick auf künftige unvermeidliche Schadstoffeinträge durch Bewirtschaftungsmaßnahmen oder atmosphärische Schadstoffeinträge die Schadstoffgehalte in der entstandenen durchwurzelbaren Bodenschicht 70 % der Vorsorgewerte nach Anhang 2 Nr. 4 nicht überschreiten.

4.       Beim Aufbringen von Bodenmaterial auf landwirtschaftlich einschließlich gartenbaulich genutzte Böden ist deren Ertragsfähigkeit nachhaltig zu sichern oder wiederherzustellen und darf nicht dauerhaft verringert werden.

5.       Die Nährstoffzufuhr durch das Auf- und Einbringen von Materialien ist nach Menge und Verfügbarkeit dem Bedarf der Folgevegetation anzupassen, um insbesondere Nährstoffeinträge in Gewässer zu vermeiden.

6.       Von dem Auf- und Einbringen von Materialien sollen Böden im Wald, in Wasserschutzgebieten und in nach Bundesnaturschutzgesetz unter Schutz gestellten Gebieten ausgeschlossen werden.

7.       Beim Auf- und Einbringen von Materialien sollen Verdichtungen, Vernässungen und sonstige nachteilige Bodenveränderungen durch geeignete technische Maßnahmen sowie durch Berücksichtigung der Menge und des Zeitpunktes des Aufbringens vermieden werden. Nach Aufbringen von Materialien mit einer Mächtigkeit von mehr als 20 cm ist auf die Sicherung oder den Aufbau eines stabilen Bodengefüges hinzuwirken.

 

Diese Anforderungen des § 12 BBodSchV sind in dem Entwurf der Vollzugshilfe zu § 12 BBodSchV (Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz 2001) und in der DIN-Vorschrift 19 731 (Verwertung von Bodenmaterial) noch weiter präzisiert worden. Für Bodenmaterial ist dies auch im Kapitel 4.1.3.4 näher erläutert.

 

Zu den weitergehenden stofflichen Anforderungen zählen z.B.:

·        Bei der Aufbringung von Bodenmaterial auf landwirtschaftlich genutzte Flächen sollen die Schadstoffgehalte, für die keine Vorsorgewerte in der BBodSchV festgelegt sind, unter dem 90 %-Perzentil der „regional vorhandenen, ggf. substrat- und nutzungsspezifischen Hintergrundgehalte landwirtschaftlich genutzter Böden“ liegen.

·        Bodenmaterial und Baggergut mit Schadstoffgehalten unter den Hintergrundwerten, steht im allgemeinen einer uneingeschränkten Verwertung zur Verfügung.

·        Bodenmaterial aus der Bodenbehandlung und Altlastensanierung sollte in der Regel nicht auf besonders sensible Flächen verwertet werden. Hierzu zählen z.B. Kinderspielplätze, Klein- und Hausgärten, landwirtschaftlich genutzte Flächen, Trinkwasserschutzgebiete.

Daneben gibt es noch andere gesetzliche und untergesetzliche Vorschriften und Regelwerke (z.B. die „Anforderungen an die stoffliche Verwertung von mineralischen Reststoffen/ Abfällen“ der LAGA (Länderarbeitsgemeinschaft Abfall 1998), die in bestimmten Fällen beim Auf- und Einbringen von Materialien auf oder in den Boden berücksichtigt werden müssen. Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über diese anzuwendenden Regelwerke.

 

Tabelle 40: Anwendungsbereiche der Regelwerke beim Auf- und Einbringen von Materialien auf oder in den Boden*

 

Materialien

Land-/ Forstwirtschaft, Gartenbau

Abgrabungen, Landschaftsbau, techn. Bauwerke

bergtechnische Besonderheiten

Durchwurzelbare Bodenschicht

Bodenmaterial/ Baggergut

Vollzugshilfe zu § 12 BBodSchV

Vollzugshilfe zu § 12 BBodSchV

Vollzugshilfe zu § 12 BBodSchV

Gemisch Bodenmaterial mit Bioabfall oder Klärschlamm

Klärschlamm und Bioabfall(gemische) als Sekundärrohstoffdünger

Vollzugshinweise zu BioAbfV, AbfKlärV, DüngemittelV, DüngeV

Vollzugshilfe zu § 12 BBodSchV, DüngemittelG, DüngemittelV

Vollzugshilfe zu § 12 BBodSchV, DüngemittelG, DüngemittelV

Verfüllungen (bodenähnliche Anwendungen)

Bodenmaterial/ Baggergut

LAGA M20

LAGA M20

Technische Regeln des LAB

technische Bauwerke

Bodenmaterial/Bagger-gut, sonstige minera-lische Materialien

keine Anwendungsfälle

LAGA M20 bzw. Merkblatt des DIBT

Technische Regeln des LAB bzw. Merkblatt des DIBT

Bauprodukte

* Die Vorschriften des KrW-/AbfG bleiben unberührt, soweit es sich um Abfälle handelt.

AbfKlärV                      Klärschlammverordnung

BioAbfV                       Bioabfallverordnung

DIBT                            Deutsches Institut für Bautechnik

DüngemittelG               Düngemittelgesetz

DüngemittelV               Düngemittelverordnung

DüngeV                         Düngeverordnung

LAB                              Länderausschuss Bergbau

LAGA M20                 Länderarbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) (1998) (in Überarbeitung)

Vollzugshilfe zu § 12    Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz (LABO) (2001) (Entwurf)

Quelle: Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz (LABO) (2001)

 

Das Auf- oder Einbringen von Materialien in oder auf bestimmte Böden hat unter Umständen keinen Nutzen für die Sicherung bzw. Wiederherstellung von Bodenfunktionen. Bei folgenden Böden sollte eine Auf- und Einbringung von Materialien deshalb vermieden werden (Umweltministerium Baden-Württemberg 1994, Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz 2001):

·      Standorte ohne Möglichkeit und Erfordernis einer Bodenverbesserung (z.B. Böden mit einer Bodenwertzahl >60),

·      Böden mit besonderer Ausprägung der natürlichen Bodenfunktionen, insbesondere der Lebensraumfunktion (z.B. Böden mit geringer nutzbarer Feldkapazität (u.a. Trockenrasen-Standorte) oder Grund- und Stauwasserböden),

·      Standorte mit Böden von besonderer Bedeutung als landschaftsgeschichtliche Urkunden (z.B. Paläoböden oder seltene geomorphologische Strukturen),

·      Standorte mit einer Bodenzahl von unter 20 (besondere Lebensraumfunktion für Pflanzen, Tiere und Bodenorganismen),

·      Mächtigkeiten über 2 m haben im Regelfall keine wertgebende Wirkung, so dass die Nützlichkeitsanforderung nicht erfüllt wird.

 

 

4.1.3.1 Klärschlamm

In Mecklenburg-Vorpommern fielen 1998 aus öffentlichen Abwasserbehandlungsanlagen insgesamt 45.654 Tonnen Trockenmasse Klärschlamm an, dazu kamen noch 1.755 Tonnen aus Abwasserbehandlungsanlagen des Verarbeitenden Gewerbes und Bergbaus.

Bundesweit fielen 1997 2,2 Mio. Tonnen Trockenmasse Klärschlamm an, davon wurden 909.500 Tonnen (40,8 %) landwirtschaftlich verwertet (Umweltbundesamt 2001).

39.808 Tonnen wurden 1999 in Mecklenburg-Vorpommern landwirtschaftlich verwertet. 1998 wurden in Rekultivierungsmaßnahmen 1.431 Tonnen verwendet, also ebenfalls direkt auf den Boden aufgebracht (Statistisches Landesamt M-V 2001a).

Der in Mecklenburg-Vorpommern in öffentlichen Abwasserbehandlungsanlagen erzeugte Klärschlamm wurde 1999 zu 71,4 % landwirtschaftlich verwertet (1998: 45,6 %). Die Menge landwirtschaftlich verwerteter Klärschlämme aus anderen Bundesländern (Importe) betrug 1999 10.876 Tonnen; dies entspricht 27,3 % (1998: 36 %) aller landwirtschaftliche verwerteten Klärschlämme.

 

Tabelle 41: Aufkommen und Verbleib von Klärschlämmen in Mecklenburg-Vorpommern

 

1992

1998

1999

Tonnen TM

Aufkommen in M-V

 

Öffentliche Abwasserbehandlung

33.650

45.654

40.500

Abwasserbehandlung des Gewerbes

-

1.755

-

Verbleib in M-V

 

Landwirtschaftlich verwertet

22.217

33.698

39.808

       aus M-V

4.603

21.617

28.932

       aus anderen Bundesländern

17.614

12.081

10.876

Rekultivierungsmaßnahmen

-

1.431

-

Quelle: Statistisches Landesamt M-V (2001a), Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V (2000a) und Schaecke (2001)

 

In den Jahren 1994 bis 1996 wurden jährlich über 40 bis 50.000 Tonnen Klärschlamm in der Landwirtschaft verwendet. Zurückzuführen ist dies auf die Importe aus anderen Bundesländern, allein 1996 wurden über 38.000 Tonnen zur landwirtschaftlichen Verwertung eingeführt (Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V 2000a).

 

Klärschlämme werden aufgrund ihrer Gehalte an Nährstoffen und organischer Substanz in der Landwirtschaft verwendet. Im Sinne einer möglichst geschlossenen Kreislaufwirtschaft kann durch den Klärschlamm mineralischer Dünger substituiert werden. Eine Tonne Trockenmasse Klärschlamm kann Düngemittel im Wert von 50 bis 120 DM ersetzen. Mittelfristig wird angestrebt, praxisreife Verfahren zur Rückgewinnung dieser Nährstoffe, insbesondere des Phosphors, aus dem Klärschlamm zu Düngezwecken zu entwickeln.

Zusätzlich wird durch die Aufbringung die Humusversorgung der Böden verbessert (Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V 2000a). In der folgenden Tabelle sind die durchschnittlichen Nährstoffgehalte und der Gehalt an organischer Substanz der in Mecklenburg-Vorpommern erzeugten Klärschlämme sowie die Gesamtmenge der 1998 in landwirtschaftliche Böden eingebrachten Nährstoffe dargestellt.

 

Tabelle 42: Nährstoffgehalte der in Mecklenburg-Vorpommern erzeugten Klärschlämme

 

1992

1998

Nährstofffracht 1998

g/kg Klärschlamm TM

Tonnen

Gesamt-Stickstoff

24,6

48,1

1.690

Ammonium-Stickstoff

4,3

4,6

162

Phosphat

27,2

53,1

1.865

Kaliumoxid

2,1

5,0

176

Calciumoxid

8,2

150,0

5.269

Magnesiumoxid

3,1

7,8

274

Organische Substanz

510,0

514,0

18.056

Quelle: Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V (2000a)

 

Das Aufbringen von Klärschlamm ist verboten, wenn die Gehalte der organisch-persistenten Schadstoffe im Klärschlamm mindestens einen der folgenden Werte übersteigen:

·      Summenparameter AOX 500 mg/kg TM

·      polychlorierte Biphenyle jeweils 0,2 mg/kg TM für die PCBs 28, 52, 101, 138, 153, 180

·      polychlorierte Dibenzodioxine/Dibenzofurane (PCDD/PCDF) 100 ng TE/kg TM.

 

Die durchschnittlichen Gehalte an organischen Schadstoffen der angefallenen Klärschlämme sind in der Tabelle 43 wiedergegeben. In der letzten Spalte sind die Gesamtschadstofffrachten der Klärschlämme aufgeführt, die 1999 auf landwirtschaftlich genutzte Böden (1998 mit Rekultivierungsmaßnahmen) in Mecklenburg-Vorpommern aufgebracht wurden.

 

Tabelle 43: Mittlere Gehalte organischer Schadstoffe der in M-V erzeugten Klärschlämme

 

1992

1998

1999

Schadstofffracht 1999

mg/kg Klärschlamm TM

kg

AOX

353,0

224,0

218,0

8.678

PCB 28*

0,021

0,005

0,005

0,2

PCDD/PCDF

345,5**

32,4**

16,0**

0,0006

* PCB 28 als ein Beispiel für insgesamt 6 analysierte PCBs                     **ng TE/kg Klärschlamm TM

Quelle: Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V (2000a), Schaecke (2001)

 

Die mittleren Konzentrationen an organischen Stoffen zeigen auch bundesweit im allgemeinen eine abnehmende Tendenz. Lediglich für einige nicht aufgeführte PCBs kann eine Zunahme verzeichnet werden. Die in Tabelle 44 aufgeführten Schadstoffgehalte beziehen sich im Gegensatz zur vorherigen Tabelle nur auf landwirtschaftlich verwerteten Klärschlamm. Dennoch wurden für einige Schadstoffe höhere Konzentrationen festgestellt.

 

Tabelle 44: Mittlere Schadstoffgehalte der landwirtschaftlich verwerteten Klärschlämme in Deutschland

 

1994

1996

mg/kg Klärschlamm TM

AOX

206

196

PCB 28*

0,015

0,014

PCDD/PCDF

22**

17**

* PCB 28 als ein Beispiel für insgesamt 6 analysierte PCBs                     **ng TE/kg Klärschlamm TM

Quelle: Umweltbundesamt (2001)

 

Der Gehalt der Klärschlämme an hormonell wirksamen Substanzen stellt eine weitere, schwer abzuschätzende Gefährdung dar. Zu diesen Substanzen zählen natürliche, körpereigene Hormone, synthetisch hergestellte Hormone (z.B. 17α-Ethinylestradiol), andere Arzneimittel (z.B. Antidiabetika) sowie verschiedene Industriechemikalien (Xenohormone). Diese gesundheitsgefährdenden Xenohormone entstammen überwiegend der industriellen Produktion und werden z.B. als nichtionische Tenside oder als Weichmacher und Antioxidantien in Kunststoffen eingesetzt. Es handelt sich hierbei unter anderem um Alkylphenole (z.B. 4-Nonylphenol[1]), Nonylphenolethoxylate, Butylhydroxyanisol, Bisphenole, Phthalate und Organozinnverbindungen (z.B. TBT). Xenohormone haben eine geringere Wirkungsstärke als natürliche oder synthetische Hormone, sind jedoch in ihrer Langzeitwirkung noch nicht zu beurteilen.

Abwasser und Klärschlamm stellen im Vergleich zu Wirtschaftsdüngern den Haupteintragspfad endokriner Substanzen in die Umwelt dar. Während natürliche endokrine Substanzen weitgehend abgebaut werden können, 10-20 % der Zulauffracht verlassen die Kläranlage, wird z.B. 17α-Ethinylestradiol unter aeroben Bedingungen zu maximal 15 % abgebaut. Unter anaeroben Bedingungen ist ein noch geringerer Abbau zu erwarten (Kunst 2001). Die Konzentrationen organischer Zinnverbindungen in Klärschlämmen liegen in Deutschland zwischen 1 und 10 mg/kg TS (Kaiser, Schwarz, Frost und Pestemer 1998).

Die Beeinträchtigungen der Bodenfunktionen durch das Einbringen pathogener Keime, die bei der Abwasserbehandlung und der aeroben oder anaeroben Stabilisierung der Klärschlämme nicht inaktiviert werden konnten, lässt sich aufgrund der unzureichenden Datenlage nicht beurteilen.

 

Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) trägt in seiner Aufgabe als „Nationales Referenzlaboratorium für die Epidemiologie der Zoonosen“ Untersuchungen der Länder über das Vorhandensein von Salmonellen in verschiedenen Umweltmedien und Materialien, die auf den Boden aufgebracht werden, zusammen. Die Ergebnisse der Untersuchungen für den Bereich Abwasser und Klärschlamm sind in der folgenden Tabelle wiedergegeben.

 

Tabelle 45: Nachweis von Salmonellen im Abwasser und Klärschlamm

 

Probenanzahl

Positive Proben

Anteil positiver Proben

1996

75

11

14,7 %

1997

23

1

4,4 %

1998

39

7

18,0 %

1999

25

5

20,0 %

Quelle: Hartung (1998, 1999a, 1999b, 2000)

 

Auf die Schwermetallgehalte von Klärschlämmen, anderen Sekundärrohstoffen sowie von Wirtschafts- und Mineraldüngern wird in Kapitel 4.2.2.3 eingegangen.

 

 

4.1.3.2 Komposte

In den 50 Kompostierungsanlagen Mecklenburg-Vorpommerns wurden 1998 insgesamt 209.104 Tonnen Abfall behandelt. 131.638 Tonnen hiervon stammten aus Mecklenburg-Vorpommern, der Rest aus anderen Bundesländern. 16 % des in Mecklenburg-Vorpommern anfallenden Klärschlamms wurde 1998 der Kompostierung zugeführt (Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V 2000a).

Bundesweit wurden 1999 7,5 Mio. Tonnen kompostierbare Bioabfälle (einschließlich Garten- und Parkabfälle) eingesammelt. Die Verwertung erfolgte in etwa 600 Kompostierungsanlagen, sie erzeugten im Jahr 1999 etwa 4,2 Mio. Tonnen Kompost (Umweltbundesamt 2001). Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die Verwendung des in Mecklenburg-Vorpommern erzeugten Kompostes, die Menge des Kompostes entspricht mit 147.258 Tonnen etwa 70 % des behandelten Abfalls.

 

Tabelle 46: Verwendung des 1998 in Mecklenburg-Vorpommern erzeugten Kompostes

 

Kompostierungs-anlagen allgemein

Anlagen nur für Grünschnitt

Gesamt

Anteil

in Tonnen

%

Landschaftsbau

92.258

3.777

96.035

65,2

Landwirtschaft

16.198

470

16.668

11,3

Private Haushalte

4.010

2.242

6.252

4,3

sonstiger Verbleib

26.507

1.796

28.303

19,2

Gesamt

138.973

8.285

147.258

100

Quelle: Statistisches Landesamt M-V (2001a)

 

Im Bundesdurchschnitt wurden 48 % des erzeugten Kompostes in der Landwirtschaft, im Erwerbsgartenbau und in Sonderkulturen verwertet, 21 % fanden im Landschaftsbau Verwendung und 14 % wurden an private Haushalte abgegeben (Umweltbundesamt 2001).

 

Komposte werden wegen ihres Nährstoffgehaltes und des Gehaltes an organischer Substanz zur Verbesserung landwirtschaftlicher Standorte und zur Düngung verwendet. Die folgende Tabelle gibt die Nährstoffgehalte der Komposte in Deutschland wieder. Der Gehalt an Nährstoffen hat demnach im Zeitraum von 1991 bis 1999 kontinuierlich zugenommen.

 

Tabelle 47: Mittlere Nährstoffgehalte der Komposte in Deutschland

 

1991

1994

1999

% der Trockenmasse

N gesamt

1,0

1,24

1,4

P2O5 gesamt

0,5

0,6

0,7

K2O gesamt

0,9

1,0

1,1

Mg gesamt

0,5

0,8

0,8

CaO gesamt

3,6

4,1

4,7

Quelle: Umweltbundesamt (2001)

 

Der Kompost kann ebenfalls mit pathologischen Mikroorganismen kontaminiert sein. Wie auch der Klärschlamm, wurden vom BgVV Kompostproben auf das Vorhandensein von Salmonellen untersucht.

 

Tabelle 48: Nachweis von Salmonellen im Kompost

 

Probenanzahl

Positive Proben

Anteil positiver Proben

1996

448

17

3,8 %

1997

65

0

0,0 %

1998

379

36

9,5 %

1999

964

41

4,3 %

Quelle: Hartung (1998, 1999a, 1999b, 2000)

 

Komposte können des Weiteren, je nach Herkunft des behandelten Abfalls, gewisse Mengen an Schadstoffen, insbesondere an Schwermetallen, beinhalten. In Kapitel 4.2.2.3 sind diese Schadstoffgehalte des Kompostes genauer charakterisiert.

 

 

4.1.3.3 Aquatische Sedimente

In Mecklenburg-Vorpommern fallen im Zuge der Gewässerunterhaltung und von Investitionsvorhaben jährlich mehrere 100.000 m³ Nassbaggergut an, welche auf Spülfeldern abgelagert und nach einer Reifezeit weiter verwertet werden können. Sie stammen aus den zahlreichen Häfen, Wasserstraßen, Flüssen und Seen des Landes. 1997 fielen allein bei Ausbaggerungen in der Ostsee insgesamt ca. 1,74 Mio. m³ Baggergut an, von denen 1,4 Mio. m³ aus Baggerungen für Investitionsvorhaben stammten und 341.000 m³ Unterhaltungsmaßnahmen dienten (Umweltministerium M-V 1999).

Baggergut besteht aus mineralischen Bestandteilen (z.B. Sand oder Mergel) und organischen Anteilen (Schlick, Mudde u.ä.). Dieses Material ist nach dem Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz als Abfall definiert und wird meistens auf speziell ausgewiesenen Spülfeldern (11 in Mecklenburg-Vorpommern) abgelagert oder auf See verklappt. Wenn die Beschaffenheit es zulässt, ist jedoch eine stoffliche Verwertung anzustreben. Der erreichte Grad der Verwertung ist in Mecklenburg-Vorpommern zur Zeit noch sehr gering. Dieser Anteil wird sich jedoch wegen der teilweise schon erschöpften Spülfeldkapazitäten und der aus regionalplanerischen Gründen geringen Wahrscheinlichkeit der Realisierung neuer Spülfelder weiter erhöhen (Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V 1999a).

Für sandiges Material mit einem Schluffanteil von unter 20 % und einem TOC-Gehalt von unter 5 % ist vorrangig die Verklappung vorgesehen, das schlickige Material sollte einer Verwertung zugeführt werden (Müller und Nöthel 2001).

 

Bei den Angaben in der folgenden Tabelle handelt es sich um eine sehr grobe (zu geringe) Schätzung der angefallenen Mengen aquatischer Sedimente in Mecklenburg-Vorpommern.

 

Tabelle 49: Abschätzung des jährlichen Baggergutanfalls im Zeitraum 1990-1995

 

Fließgewässer I und II Ordnung

Stillgewässer

Häfen

in 1000 m³

Mecklenburg-Vorpommern

unbelastet

50

10

160

belastet

0

0

10

Bundesrepublik Deutschland

unbelastet

1.660

370

480

belastet

90

50

3.900

Quelle: Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V (1999a)

 

Die Baggergutmengen aus Unterhaltungs- (U) und Erweiterungsmaßnahmen (E) in den Hafen-, Werftgewässern und Bundeswasserstraßen Mecklenburg-Vorpommerns in den Jahren 1998 bis 2000 sowie die Planungen für den Zeitraum 2001-2005 sind in der folgenden Tabelle dargestellt.

 

Tabelle 50: Jährliche Baggergutmengen in M-V im Zeitraum 1998 bis 2005

 

 

1998

1999

2000

2001 - 2005

in 1.000 m³

Hafengewässer

U

E

Σ

137,1

664,2

801,3

168,1

415,4

583,5

115,1

1.167

1.282,1

585,2

1.571,7

2.156,9

Werftgewässer

U

E

Σ

3,7

 

3,7

 

 

15

15

104

 

104

Bundeswasserstraßen

U

E

Σ

350,5

1.469,3

1.819,8

332,4

1.743,8

2.076,2

326,5

896,8

1.223,3

1.424 - 1.474

100

1.524 - 1.574

Quelle: Baggergutkonzept M-V

 

Im Zeitraum von 1998 bis 2000 fielen in Mecklenburg-Vorpommern rund 7,8 Mio. m³ Baggergut an. Das entspricht einer durchschnittlichen Jahresmenge von 2,6 Mio. m³.

Von 2001 bis 2005 sind Baggermaßnahmen mit einem Aufkommen von rund 3,8 Mio. m³ geplant. Das entspricht einer durchschnittlichen Jahresmenge von fast 0,8 Mio. m³. Die Reduzierung der in den kommenden Jahren anfallenden Mengen liegt im wesentlichen darin begründet, dass die seewärtigen Zufahrten zu den Häfen Wismar, Rostock, Stralsund, Wolgast und Ueckermünde-Berndshof bereits in den letzten Jahren ausgebaut wurden (Baggergutkonzept M-V).

 

Gesicherte Zahlen für Baggergutmengen aus dem limnischen Bereich liegen nicht vor, da die entsprechenden Baggerungen im Rahmen von Einzelprojekten unter unterschiedlichen Maßnahmenträgern meist kurzfristig geplant und durchgeführt werden. In den letzten Jahren fiel landesweit jährlich bei ca. 30-50 Baggerungen im limnischen Bereich Baggergut mit relativ kleinen Mengen an.

Bei Baggerungen im Zierker See fallen zwischen 1999 und 2005 z.B. 300.000 m³ limnische Sedimente jährlich an und im Neustädter See sollten 1999 zwischen 25.000 und 40.000 m³ ausgebaggert werden (Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V 1999a).

 

Das gereifte Nassbaggergut aus den Spülfeldern kann aufgrund seiner physikalisch-chemischen Eigenschaften als Bodensubstrat, als Bodenverbesserungsmittel sowie zur Düngung auf land- und forstwirtschaftlichen Flächen (insbesondere Böden mit geringer Bodenkennzahl) und im Landschaftsbau verwendet werden. Der hohe Gehalt an Ton und Schluff, der hohe Corg-Gehalt und die günstige Kationenaustauschkapazität ermöglichen eine Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität. Verbessert werden durch die Überschlickung unter anderem das Sorptions- und Wasserhaltevermögen, die Bearbeitbarkeit der Standorte und die Vielseitigkeit der Anbaumöglichkeiten. Zusätzlich gibt es Einsatzmöglichkeiten in der Kuppenmelioration und bei der Erhöhung des Erosionsschutzes. Im Gegensatz zur Aufbringung von Klärschlamm oder Kompost muss bei der Verwertung von Baggergut für eine langanhaltende Wirkung die 10 bis 20-fache Menge aufgebracht werden (Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V 1999a).

Wenn Baggergut mit einer Streuhöhe von über 20 cm aufgebracht wird, sollte auf die Sicherung und den Aufbau eines stabilen Bodengefüges hingewirkt werden, da ansonsten negative Auswirkungen auf den Boden nicht auszuschließen sind (LABO 2001).

Dass in früheren Jahren auch größere Bereiche überschlickt wurden, zeigt ein Beispiel aus dem Bereich Emden: Eine 4.000 ha große Niederung wurde hier zwischen 1954 und 1990 1,5 bis 2 m hoch mit marinen Sedimenten überdeckt (Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M‑V 1999a).

Potentielle Einsatzstandorte für eine flächenhafte Ausbringung des Baggerguts sind in Mecklenburg-Vorpommern die sorptionsschwachen, grundwasserfernen Standorte (sog. D1a bis D3a-Standorte). Die Fläche dieser Standorte beträgt etwa 2.500 km², das entspricht etwa 16,8 % der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche (Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V 1999a).

 

Folgende Eigenschaften zeichnen den Schlick der Spülfelder aus Materialien aus dem Küstenbereich Mecklenburg-Vorpommerns aus.

 

Tabelle 51: Nährstoffgehalte des Schlicks von Küstensedimente in Spülfeldern in M-V

Corg-Gehalt

ca. 10 %

CaCO3-Gehalt

2 - 12 %

Gesamtstickstoffgehalt

0,5 - 0,9 %

verfügbarer Phosphorgehalt

1 - 6,3 mg/100 g

verfügbarer Kaliumgehalt

22 - 63 mg/100 g

verfügbarer Magnesiumgehalt

69 - 164 mg/100 g

Quelle: Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V (1999a)

 

Je nach Herkunft können die aquatischen Küstensedimente jedoch auch unterschiedlich stark mit verschiedenen Schadstoffen, insbesondere mit Schwermetallen, belastet sein. Die Tabelle 52 gibt die mittleren Gesamtgehalte des Feinbodens des Baggerguts aus Küstensedimenten verschiedener Spülfelder wieder.

 

Tabelle 52: Mittlere Schadstoffgehalte des Feinbodens aus Spülfeldern in M-V

 

mg/kg TM Feinboden

Arsen

0,6 - 6,8

Blei

15,9 - 38,7

Cadmium

0,3 – 1,0

Chrom

16,7 – 44,0

Kupfer

15,8 - 41,5

Nickel

15,8 - 27,7

Quecksilber

0,05 - 0,35

Zink

55 - 178,7

Quelle: Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V (1999a)

 

Abweichend von diesen Schadstoffgehalten stellten Müller und Nöthel (2001) für den Bereich der Wismarbucht höhere Konzentrationen von Schwermetallen im ausgebaggerten Sediment fest (Fraktion <20 µm): Blei bis 56 mg/kg, Kupfer bis 78 mg/kg, Quecksilber bis 0,7 mg/kg und Zink bis 232 mg/kg. Der PAK-Gehalt des Baggerguts erreichte Werte bis 0,6 mg/kg und der Gehalt an Mineralölkohlenwasserstoffen reichte bis 186 mg/kg. Die organischen Schadstoffe wurden in der Fraktion <2 mm bestimmt.

 

Nassbaggergut aus marinen und brackigen Gewässern enthält zudem noch große Mengen an Chlorid- und Sulfat-Salzen, die einer Verwertung in der Landwirtschaft entgegenstehen.

 

Nassbaggergut aus limnischen Bereichen enthält ähnliche Nährstoffmengen. Seesedimente haben einen Gesamtstickstoffgehalt von etwa 12 g/kg Trockenmasse und einen Gesamt-Phosphat-Phosphorgehalt von etwa 1,3 g/kg Trockenmasse. Baggergut aus Fließgewässern enthält durchschnittlich 13,4 g Gesamtstickstoff pro kg Trockenmasse und etwa 1,9 g Gesamt-Phosphat-Phosphor pro kg Trockenmasse (Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V 1999a).

Baggergut aus limnischen Bereichen kann sehr unterschiedliche Schadstoffmengen enthalten. Hohe Schwermetallbelastungen weisen z.B. die Elbsedimente auf, lokale Quecksilber-, Kupfer- und Chrombelastungen treten in der Elde auf und hohe Zinkwerte sind in der Uecker nachgewiesen worden. Stehende Gewässer zeigen keine oder nur sehr geringe Schwermetallkontaminationen. Es können hier jedoch gelegentlich höhere Organochlorpestizid-Konzentrationen festgestellt werden (Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V 1999a).

 

PCB, PAK, Kohlenwasserstoffe, PCDD/PCDF und Organozinnverbindungen (TBT) konnten ebenfalls in unterschiedlicher Konzentration in den aquatischen Sedimenten nachgewiesen werden.

 

 

4.1.3.4 Bodenaushub

Als Bodenaushub wird Bodenmaterial (nach DIN 4022) bezeichnet, das im terrestrischen Bereich bei Unterhaltungs-, Neu- und Ausbaumaßnahmen anfällt. Nach der neuen Verordnung über das Europäische Abfallverzeichnis fällt er ab dem 1. Januar 2002 in die Kategorie Boden (einschließlich Aushub von verunreinigten Standorten), Steine und Baggergut.

Die Bezeichnung Bodenaushub ist durch die Bezeichnung Erde und Steine ersetzt worden (Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V 2001c).

 

Bodenaushub, der bei vielen Baumaßnahmen anfällt, kann als Roh- oder Baustoff verwertet werden, so kann durch die Substitution von Steinen und Erden der Abbau an Rohstoffen reduziert werden. Die Nutzungsfunktion des Bodens als Rohstofflagerstätte wird in diesem Fall geschützt. Auf der anderen Seite soll der Mutterboden (humoses Oberbodenmaterial), der bei der Errichtung baulicher Anlagen ausgehoben wird, z.B. nach § 202 BauGB in nutzbarem Zustand erhalten und vor Vernichtung geschützt werden. Er soll also als Boden nutzbar bleiben. Das ist zum einen durch das Aufbringen auf landwirtschaftliche Nutzflächen möglich (Melioration), und zum anderen können Flächen mit zerstörtem Boden wie Kiesgruben, Steinbrüche, Deponien, aufgelassenen Straßen u.a. mit kulturfähigem Bodenaushub rekultiviert werden (Rekultivierung).

 

Im Jahre 2000 betrug das Bauabfallaufkommen (Bauschutt, Straßenaufbruch, Baustellenabfälle und (teilweise unbelasteter) Bodenaushub zusammen) in Mecklenburg-Vorpommern 3 Mio. Tonnen (Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V 2001c). 1994 fielen lediglich 2,6 Mio. Tonnen Bauabfall an. Eine genaue Mengenermittlung des Bodenaushubs (Erde und Steine) ist nicht möglich, da unbelasteter Bodenaushub in der Regel am Ort der Entnahme wieder eingebaut oder aufgebracht wird und nicht in die Statistik mit eingeht (Umweltministerium M-V 1999).

Bundesweit fielen 1997 222,2 Mio. Tonnen Bauabfälle an. Das Aufkommen an Bodenaushub wird auf knapp über 140 Mio. Tonnen geschätzt (Umweltbundesamt 2001).

 

Tabelle 53: Bauabfallaufkommen in Mecklenburg-Vorpommern 2000

 

Verwertung

Deponierung

Deponiebetrieb/ ‑rekultivierung

Gesamt

in Tonnen

Bauschutt / Straßenaufbruch

2.249.309

257

31.362

2.280.928

Erde und Steine

447.443

1.416

28.200

477.059

Baustellenabfälle

201.264

36.384

-

238.107

Rückstände aus Aufbereitungsanlagen

-

8.411

-

8.411

Gesamt

2.898.446

46.927

59.562

3.004.505

Quelle: Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V (2001c)

 

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die Verwendung ausgewählter Bauabfälle in Mecklenburg-Vorpommern im Jahre 1999, insgesamt wurden etwa 2,1 Mio. Tonnen in Bau- oder Rekultivierungsmaßnahmen eingesetzt.

 

Tabelle 54: Eingesetzter Bodenaushub, Bauschutt und Straßenaufbruch nach Art der Maßnahme der öffentlichen Hand 1999

Maßnahme

Bodenaushub

Bauschutt

Straßenaufbruch

in Tonnen

Straßen- und Wegebau

749.011

11.039

52.701

Landschaftsbau

501.756

0

594

Freizeit- und Sportanlagen

130.631

10.660

0

Lärmschutzwälle

108.626

0

0

Deichbau

82.223

0

0

Flächenrekultivierung

14.800

0

0

Öffentliche Deponien

350.285

250

7.711

sonstige Maßnahmen

47.625

15

0

Gesamt

1.984.957

21.964

61.006

Quelle: Statistisches Landesamt M-V (2001a)

 

Die fachgerechte Aufbringung von Bodenaushub z.B. auf landwirtschaftlich genutzte Böden könnte die Böden (bzw. den Funktionserfüllungsgrad) verbessern. Nicht fachgerechte, ungeregelte Ablagerungen von Bodenaushub können dagegen zu Bodenbelastungen führen. Diese äußern sich bodenphysikalisch vor allem in einer Verringerung des Porenvolumens, einer Änderung der Porengrößenverteilung und einer Verdichtung (geringeres Infiltrationsvermögen, höhere Erodierbarkeit). Eine starke Verdichtung des Unterbodens führt zu Luftmangel und Wasserstau. Umgelagerte Böden können sich daher zu Pseudogleyen entwickeln, deren Eigenschaften für die landwirtschaftliche Nutzung nachteilig sind.

Bodenaushub und Böden am Aufbringungsort müssen daher stoffliche und physikalische Mindestanforderungen erfüllen. Der flächenhafte Auftrag von Bodenaushub auf Böden setzt voraus, dass die Maßnahmen eine Bodenmelioration darstellen (Bodenverbesserung und/oder Bewirtschaftungserleichterung).

 

Technische Regeln für die Berücksichtigung der stofflichen Charakteristik, also der Kontamination mit Schadstoffen, legte die Länderarbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) 1998 vor. Es ist lediglich die Verwendung des Bodenaushubs bzw. der mineralischen Reststoffe als Rohstoffersatz z.B. im Straßenbau oder anderen Baumaßnahmen sowie bei der Herstellung von Bauprodukten berücksichtigt. Es werden Zuordnungswerte (Z 0 uneingeschränkter Einbau bis Z 5 Sonderabfalldeponie) festgelegt, die besagen, wie der Bodenaushub schadlos verwertet werden kann.

Diese Regeln beziehen sich jedoch nicht auf das flächenhafte Ein- und Ausbringen in/auf den landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzten Boden. Sie werden jedoch gegenwärtig überarbeitet und an die aktuellen gesetzlichen Vorgaben angepasst.

 

Entscheidungshilfen, ob der abgetragene Bodenaushub flächenhaft z.B. in der Landwirtschaft wiederverwendet werden kann, legte z.B. das Umweltministerium Baden-Württemberg (1994) vor. Diese Beurteilungen lassen sich in ähnlicher Weise auch für Mecklenburg-Vorpommern anwenden. Die LABO hat diese Anhaltspunkte für die Notwendigkeit von Untersuchungen in den Entwurf der Vollzugshilfe zu § 12 BBodSchV (Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz 2001) übernommen.

 

Untersuchungsbedarf ist insbesondere bei Böden folgender Herkünfte gegeben:

·      Oberboden (bis 30 cm Tiefe) von Flächen, auf die größere Mengen Komposte, Klärschlamm oder Reststoffe aus Gewerbe und Industrie aufgebracht wurden,

·      Oberboden (bis 30 cm Tiefe bzw. bis Bearbeitungstiefe) von Flächen, die als Klein- und Hausgärten oder für Sonderkulturen, wie Weinbau, Hopfenanbau, etc. genutzt wurden,

·      Oberboden und organische Auflagen von Waldstandorten,

·      Oberboden (bei aufgeschütteten Böden auch tiefere Schichten) im Kernbereich urbaner und industriell geprägter Gebiete,

·      Oberboden neben Straßen mit einem täglichen Verkehrsaufkommen von mehr als 10.000 Fahrzeugen (mindestens 10 m Abstand vom befestigten Fahrbahnrand),

·      Bankettschälgut entlang von Straßen[2],

·      Boden in Gewerbe- und Industriegebieten,

·      Oberboden neben Bauten mit korrosionsgeschützten Anstrichen (z.B. Strommasten),

·      altlastverdächtige Flächen, Altlasten und deren Umfeld sowie Boden- und Grundwasserschadensfälle und deren Umfeld,

·      Oberboden im Umfeld bekannter Emittenten (z.B. Schrotschießplätze, Sportanlagen mit Kieselrot, Zementwerke, Krematorien, Metallschmelzen),

·      Überschwemmungsflächen von Gewässern sowie Sedimente im Gewässerbett, wenn das Einzugsgebiet des Gewässers eine Kontamination des Sediments vermuten lässt,

·      Gebiete, deren Böden geogen erhöhte Hintergrund-Gesamtgehalte erwarten lassen,

·      Abraummaterial des (historischen) Bergbaus und dessen Umfeld,

·      Flächen, auf denen Abwasser verrieselt wurde.

 

Grundsätzlich sollte nur Bodenaushub und meliorationsfähiger Boden mit ähnlichen stofflichen und physikalischen Eigenschaften kombiniert werden.

In einer Studie der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (2000) wurden die Auswirkungen der Aufbringung von Bodenaushub eingehend untersucht. Der Vergleich der Auftragsböden mit Referenzböden ergab, dass nur in 4 von 13 untersuchten Fällen die angestrebte nachhaltige Sicherung und Verbesserung erreicht wurde. Nur bei diesen Geländeauffüllungen sind keine schädlichen Bodenveränderungen entstanden. In allen anderen Fällen trat mit der Aufbringung eine Bodenverschlechterung ein, die zur Beeinträchtigung mindestens einer Bodenfunktion führte. Folgende Faktoren waren hierfür verantwortlich:

·      mangelnde Materialeignung,

·      Bodenverdichtungen und dadurch verursachte negative Auswirkungen auf den Bodenluft- und Bodenwasserhaushalt,

·      Gefügeschäden,

·      geringe Humusgehalte und damit verbunden geringe Gefügestabilität und Tragfähigkeit.

 

 

4.1.3.5 Zusammenfassung

In der folgenden Tabelle sind die mittleren Schadstoffgehalte der Materialien, die in Mecklenburg-Vorpommern anfallen und auf den Boden aufgebracht werden, synoptisch aus den Tabellen 43, 52 und 79 zusammengefasst.

 

Tabelle 55: Mittlere Schadstoffgehalte verschiedener Materialien

 

Klärschlamm

Baggergut

Kompost

mg/kg (Trockenmasse)

Arsen

-

0,6-6,8

-

Blei

46,0

15,9-38,7

52,7

Cadmium

1,4

0,3-1,0

0,5

Chrom

30,0

16,7-44,0

25,6

Kupfer

422,0

15,8-41,5

49,6

Nickel

20,0

15,8-27,7

15,9

Quecksilber

1,8

0,05-0,35

0,2

Zink

894,0

55-178,7

195,0

AOX

218,0

-

-

PAK

-

bis 0,6

-

PCB 28*

0,005

-

-

PCDD/PCDF**

16,0

-

-

* PCB 28 als ein Beispiel für insgesamt 6 analysierte PCBs                 **ng TE/kg Trockenmasse

Quelle: siehe Tabellen 43, 52 und 79

 

 

4.1.3.6 Akkumulation erodierten Materials

Neben den oben behandelten direkt vom Menschen aufgetragenen Materialien, gibt es auch Bodenaufträge, die eher indirekt vom Menschen ausgelöst sind. Hierzu zählt dann z.B. die Akkumulation erodierten Materials nach seinem Transport an anderer Stelle (offsite-Wirkung). Insbesondere die physikalischen Eigenschaften dieser Böden werden nach der Akkumulation des Materials verändert. Aber auch stoffliche Veränderungen, durch Einschwemmung von Nähr- und Schadstoffen (z.B. Pflanzenschutzmittel), können als flächenexterne Schäden relevant sein.

Generell lässt sich z.B. feststellen, dass Bodenmaterial, für dessen Verlagerung nur geringe Schleppkräfte notwendig sind (Ton), selten direkt abgelagert, sondern in Oberflächengewässer weiterverfrachtet wird. Diese Fraktion ist im akkumulierten Material somit unterrepräsentiert. In abflusslosen Senken sammelt sich dagegen auch dieses Material an. Es können mächtige Kolluvien mit schichtartigem Aufbau (Kolluvisole) entstehen, Wasserstau und schlechte Durchlüftung können die Folge sein. In Mecklenburg-Vorpommern treten diese Kolluvisole in der Regel im Bereich der Pommerschen Vereisung auf, gehäuft vor der Pommerschen Hauptrandlage und auf der Insel Rügen (Geologisches Landesamt M-V 1995).

Der Auftrag von erodiertem Material kann also die Leistungsfähigkeit von Böden bezüglich ihrer verschiedenen Funktionen beeinträchtigen.

 

 



[1]  Nonylphenol gelangt nicht nur durch den Klärschlamm in Böden, ein weiterer direkter Eintragspfad ist die Verwendung als Formulierungshilfsstoff in Pflanzenschutzmitteln und es gelangt als Mittel zur Euterpflege in Wirtschaftsdünger. Die geschätzten Gesamteinträge in Böden in Deutschland liegen bei 80 t/a durch Klärschlamm, 100 t/a durch Pflanzenschutzmittel und bei etwa 7 t/a durch Gülle (Kaiser, Schwarz, Frost und Pestemer 1998).

[2]  Bankettschälgut zählt nach LAGA (1998) nicht zum Bodenaushub.