2.4.2    Entwicklung der Flächennutzung

2.4.2.1 Landwirtschaftlich genutzte Fläche

Zwischen 1995 und 2000 hat sich der Anteil der Landwirtschaftsfläche in Mecklenburg-Vorpommern um 0,4 %-Punkte verringert. Das entspricht einer Abnahme von 81,4 km² (Statistisches Landesamt M-V 2001b).

Seit 1993 ist der Anteil dieser Hauptnutzungsart in der Bundesrepublik Deutschland um 0,6 %-Punkte zurückgegangen (Umweltbundesamt 2001). Dies setzte den Trend der Vergangenheit fort, landwirtschaftliche Anbaufläche, insbesondere im Umland von städtischen Verdichtungsräumen, in Siedlungs- oder Verkehrsfläche umzuwandeln. Die Aufforstungen trugen in geringen Maße zu dieser Abnahme bei. In der Abbildung 9 wird eine regional differenzierte Prognose für diese Entwicklung aufgezeigt. Es ist zu erkennen, dass insbesondere Gebiete mit weniger guten Voraussetzungen für eine intensive landwirtschaftliche Nutzung, eine stark überdurchschnittliche Wahrscheinlichkeit der Umwidmung der landwirtschaftlichen Flächen in Wald aufweisen. Hierbei handelt es sich um Hoch- und Mittelgebirgslagen und um Teile von Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.

 

Abbildung 9: Rückzugswahrscheinlichkeit der Landwirtschaft

Quelle: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (2001)

 

Die Tabelle 15 stellt die Zunahmen und Abnahmen der einzelnen landwirtschaftlichen Nutzungsarten dar.

Die im Gegensatz zur Tabelle 8 veränderten Flächengrößen für die einzelnen landwirtschaftlichen Nutzungen resultieren aus der Tatsache, dass die hier zugrunde gelegte Bodennutzungshaupterhebung nur landwirtschaftliche Betriebe mit einer Größe über 1 ha erfasst. Das bedeutet, dass sich die landwirtschaftlich genutzte Fläche, die nicht Betrieben über 1 ha zuzuordnen ist, erheblich verringert hat.

Die Fläche des Ackerlandes (der Betriebe über 1 ha) nahm im Jahr 2000 gegenüber dem Vorjahr um 54 km² zu und die des Grünlandes um 13 km² ab. Insgesamt konnte eine um 42 km² größere landwirtschaftlich genutzte Fläche ausgewiesen werden. Der Ackerflächenanteil betrug 79,2 % und der Anteil der Grünlandfläche 20,5 %.

Die Getreidenutzung (6.218 km²) hatte im Jahr 2000 den größten Anteil an der Ackernutzung. Den größten Anteil an der Dauergrünlandnutzung hatten die Weiden (2.012 km²).

 

Tabelle 15: Landwirtschaftlich genutzte Fläche der landwirtschaftlichen Betriebe in M-V*

Nutzungsart

2000

1999

1991

Veränderung 2000
in %

km²

% LF

km²

% LF

km²

% LF

zu 1999

zu 1991

Ackerland

10.821

79,2

10.767

79,0

10.118

77,9

+0,5

+7,0

davon    Getreide

6.218

45,5

5.803

42,6

5.059

38,9

+7,2

+22,9

             Ölfrüchte

2.047

15,0

2.240

16,4

1.346

10,4

-8,6

+52,1

             Hackfrüchte

455

3,3

474

3,5

668

5,1

-4,0

-31,9

             Hülsenfrüchte

206

1,5

269

2,0

30

0,2

-23,4

+586,7

             Futterpflanzen

890

6,5

978

7,2

1.740

13,4

-9,2

-48,9

             andere Früchte

62

0,5

65

0,5

132

1,0

-4,6

-53,0

             Brache,
             Stilllegung

944

6,9

926

6,8

1.143

8,8

+1,9

-17,4

Dauergrünland

2.810

20,5

2.823

20,7

2.808

21,6

-0,5

0,1

davon    Wiesen

750

5,5

842

6,2

963

7,4

-11,0

-22,1

             Weiden

2.012

14,7

1.936

14,2

1.743

13,4

+4,0

+15,4

             Streuwiesen,
             Hutungen

49

0,4

45

0,3

102

0,8

+9,0

-52,0

Obstanlagen

22

0,2

22

0,2

43

0,3

±0

-48,9

sonstige Flächen**

14

0,1

12

0,1

23

0,2

+17,0

-39,1

LF gesamt

13.667

100,0

13.625

100,0

12.991

100,0

+0,3

+5,2

*   Betriebe ab 1 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche

** Haus- und Nutzgärten, Baumschulen, Korbweiden-, Pappelanlagen, Weihnachtsbaumkulturen

Quelle: Statistisches Landesamt M-V (2001a)

 

Die Trends der Vorjahre wurden im Jahr 2000 nicht generell fortgesetzt. Auffällig ist die erneute Ausdehnung des Getreideanbaues auf den mit 6.218 km² höchsten Stand der letzten zehn Jahre. Im Vergleich zum Vorjahr rückläufig entwickelten sich die Flächenanteile bei Hülsenfrüchten, Ölfrüchten, Hackfrüchten und beim Feldfutter.

Des Weiteren konnte man bei der Nutzung Ackerland nur für die Stilllegungsflächen eine leichte Flächenzunahme verzeichnen. Diese Aussagen gelten nicht nur für Mecklenburg-Vorpommern, sondern zeigen sich auch bundesweit.

Der Anteil der Wiesen hat sich zwischen 1999 und 2000 um 0,7 %-Punkte verringert. Im Gegensatz zu den Weide-Grünländern und Streuwiesen, welche beide eine Flächenzunahme verzeichnen konnten.

 

 

2.4.2.2 Forstwirtschaftlich genutzte Fläche

Im Zeitraum von 1995 bis 2000 ist der Anteil der Waldfläche an der Gesamtfläche Mecklenburg-Vorpommerns um 0,1 %-Punkt gestiegen. Das entspricht einer Flächenzunahme von 26,6 km² (Statistisches Landesamt M-V 2001b).

Die Landesforstverwaltung weist in ihrer Waldbilanz einen höheren Waldzuwachs aus, hier wird von einer Vergrößerung der Waldfläche zwischen 1990 und 2000 um 49,01 km² ausgegangen (1995-1999: 34,8 km²) (Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Fischerei des Landes M-V 2001a).

 

Tabelle 16: Waldflächenbilanz Mecklenburg-Vorpommern

 

Neuaufforstungen
(incl. Sukzessionen)

Waldumwandlungen

Waldbilanz

ha

1990

168

-

168

1991

53

46

7

1992

160

21

139

1993

146

20

126

1994

267

23

244

1995

499

48

451

1996

798

49

749

1997

915

36

879

1998

711

41

670

1999

766

33

733

2000

816

81

735

Gesamt

5.299

398

4.901

Quelle: Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Fischerei M-V (2001a)

 

Der Anteil der Waldfläche ist in der Bundesrepublik Deutschland seit 1993 ebenfalls um 0,2 %-Punkte gestiegen, von 29,2 % auf 29,4 % (Umweltbundesamt 2001).

 

 

2.4.2.3 Fläche für Siedlungs- und Verkehrszwecke

In Mecklenburg-Vorpommern ist bei der Nutzung des Bodens für Siedlungs- und Verkehrszwecke der höchste Anstieg zu erkennen. Der Anteil an der gesamten Landesfläche stieg im Zeitraum von 1995 bis 2000 von 6,2 % auf 6,8 %, das entspricht einer Zunahme der Flächengröße von 132,2 km² (Statistisches Landesamt M-V 2001b).

Die Nutzung als Gebäudefläche mit den dazugehörigen Freiflächen hatte einen Zuwachs um 6,5 % zu verzeichnen. Die Flächen für Gewerbe und Industrie sowie für die Land- und Forstwirtschaft haben sich zwischen 1997 und 2000 verringert, wohingegen für Wohnflächen, Flächen für öffentliche Zwecke, Flächen für Handel und Dienstleistungen und andere Gebäudeflächen eine Zunahme eintrat.

Betriebsflächen haben im Zeitraum 1997 bis 2000 kontinuierlich zugenommen, wobei die Größe des Abbaulandes im Gegensatz zu den anderen Nutzungen etwa gleich geblieben ist.

Die Erholungsfläche hat in diesem Zeitraum um 35 km² zugenommen.

Bei der Verkehrsfläche stagnierte die Flächengröße für Bahngelände, die Fläche für die Nutzung Straße nahm ab und bei den Flächen für Wege, Plätze, Flugplätze, Schiffsverkehr und Verkehrsbegleitfläche konnte ein Zuwachs registriert werden.

 

Es wurden im Jahr 2000 durchschnittlich 8,3 ha pro Tag in Siedlungs- und Verkehrsfläche umgewandelt (1999: 8,6 ha pro Tag). Zwischen den Jahren 1995 und 1997 betrug dieser Flächenverbrauch 3,2 ha pro Tag. Dies ist nicht mit der Versiegelung von Flächen gleichzusetzen, da bei der Umwandlung in Siedlungs- und Verkehrsflächen auch Freiflächen geschaffen werden.

 

Seit 1993 hat sich der Anteil der Flächen für Siedlungs- und Verkehrszwecke in der Bundesrepublik Deutschland um 0,5 %-Punkte auf 12,2 % gesteigert. Der Anteil von Siedlungs- und Verkehrsflächen betrug in den alten Bundesländern 1950 lediglich 7,5 %. 1985 waren es schon 12,5 %.

 

Tabelle 17: Entwicklung der Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland in km²

 

1993

1997

1998

1999

2000

Siedlungs- und Verkehrsfläche

40.305

42.052

42.503

42.976

43.447

Quelle: Statistisches Bundesamt (2001b)

 

Der tägliche Verbrauch von Freiflächen für Siedlungszwecke steigerte sich in den alten Bundesländern zwischen 1985 und 1993 von 94 ha auf ca. 120 ha. Im Durchschnitt der Jahre 1993 bis 1997 betrug der Flächenverbrauch in den alten und neuen Bundesländern zusammen ebenfalls 120 ha pro Tag. Bis 1999 ist dieser Wert auf 130 ha pro Tag angestiegen. 2000 lag er bei 129 ha pro Tag (Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung 2001).

 

Mecklenburg-Vorpommern hatte 1999 mit dem festgestellten Flächenverbrauch von 8,6 ha pro Tag einen Anteil von 6,7 % am gesamten Flächenverbrauch in Deutschland. Dieser Anteil ist geringfügig höher als der Flächenanteil Mecklenburg-Vorpommerns an der gesamten Bundesfläche (6,5 %).

 

 

Im Bundesmittel ist die Siedlungs- und Verkehrsfläche je Einwohner zwischen 1997 und 2000 von 513 m² auf 529 m² angestiegen. Die neuen Bundesländer (mit Berlin) hatten 1999 mit 567 m² (1997: 535 m²) eine größere Siedlungs- und Verkehrsfläche je Einwohner zu verzeichnen als die alten Bundesländer (519 m²; 1997: 507 m²). Auf der einen Seite ist dies eine Folge des Bevölkerungsrückgangs in den neuen Bundesländern, auf der anderen Seite lag aber auch die Neuinanspruchnahme je Einwohner 1999 um fast 50 % höher als in den alten Bundesländern (Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung 2001).

In Mecklenburg-Vorpommern lag die Siedlungs- und Verkehrsfläche je Einwohner 1999 bei 865,5 m², 1995 waren es nur 793,6 m². Diese hohen Werte lassen sich durch die Besonderheiten eines dünnbesiedelten Flächenlandes erklären. Ein direkter Vergleich der Siedlungs- und Verkehrsfläche je Einwohner mit anderen Bundesländern ist somit nicht möglich.

 

Die Siedlungs- und Verkehrsfläche je Einwohner ist jedoch nicht gleichmäßig über alle Regionstypen verteilt. Kernstädte und andere verdichtete Räume haben generell eine geringere Fläche je Einwohner aufzuweisen als das ländliche Umland oder gering verdichtete Regionen. Das heißt, bei abnehmender Siedlungsdichte steigt die Flächeninanspruchnahme pro Kopf. Die folgende Abbildung zeigt für Deutschland die unterschiedliche Flächeninanspruchnahme in den verschiedenen Regionstypen.

 

Abbildung 10: Siedlungs- und Verkehrsfläche je Einwohner 2000


Quelle: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (2001)

 


Die Neuinanspruchnahme an Siedlungs- und Verkehrsfläche je Einwohner lag in Mecklenburg-Vorpommern in den Jahren 1995 bis 1997 bei durchschnittlich 6,4 m² pro Jahr. 1999 betrug sie 17,6 m². Auch hier ist wieder anzumerken, dass es sich hierbei nicht um die versiegelte Fläche handelt. In Gesamtdeutschland betrug diese Neuinanspruchnahme je Einwohner im Jahr 1999 etwa 5,7 m² pro Jahr.

Auch die Neuinanspruchnahme an Siedlungs- und Verkehrsfläche je Einwohner lässt sich regional differenzieren. Kernstädte haben mit ca. 1 m² pro Einwohner eine geringere Siedlungsflächenzunahme pro Jahr als ländliche Räume (ca. 10 m²) (Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung 2001).

 

Für den Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche wird bundesweit bis zum Jahr 2010 eine abgeschwächte, aber kontinuierliche Steigerung auf 13,4 % prognostiziert (Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung 2001). Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit im Rahmen der Erarbeitung des Umweltbarometers die Zielvorgabe formuliert, die Flächeninanspruchnahme auf 30 ha pro Tag bis 2020 zu reduzieren.

Für das Land Mecklenburg-Vorpommern würde dies eine Abnahme der Umwidmung in Siedlungs- und Verkehrsflächen auf etwa 2 ha pro Tag bedeuten. Das entspräche einer Fläche von 7,3 km² pro Jahr, etwa einem Viertel der jetzigen 30,3 km² pro Jahr.

 

 

Tabelle 18: Zunahmen und Abnahmen der einzelnen Flächennutzungen in M-V

Nutzungsart

Veränderung 1995-1999

km²

%

Gebäude- und Freifläche

49,5

6,5

Betriebsfläche

14,2

30,3

Erholungsfläche

35,4

70,1

Verkehrsfläche

33,2

5,7

Straße, Weg, Platz

20,7

4,0

Landwirtschaftsfläche

-81,4

-0,5

Waldfläche

26,6

0,5

Wasserfläche

6,3

0,5

Flächen anderer Nutzung

-81,3

-14,8

Unland

12,8

6,7

Bodenfläche insgesamt

2,2

<0,1

darunter

 

Siedlungs- und Verkehrsfläche

132,2

9,1

Quelle: Statistisches Landesamt M-V (1996, 2000, 2001b)