2       Die Böden in Mecklenburg-Vorpommern

2.1      Geologie der Oberflächenbildungen*

Entscheidend geprägt wurde unsere Landschaft von den Gletschern der letzten beiden Eiszeiten, dem jüngeren Weichsel-Glazial (Jungmoränen), das etwa vor 115.000 Jahren begann und dem davor liegenden Saaleglazial (Altmoränen). Die Jungmoränenlandschaft nimmt ca. 90 % des Landes ein. Das Altmoränengebiet erstreckt sich nur über 10 % Fläche im Südwesten der Kreise Ludwigslust und Parchim.

Die Glaziallandschaft des Landes ist deutlich dreigeteilt (siehe Karte 1). Im nordöstlichen Abschnitt zwischen den Mündungsgebieten von Warnow und Oder dominieren wellige bis ebene Grundmoränen, aus denen nur gelegentlich höher gelegene (Stauch-)Komplexe als auffällige Hügel herausragen.

Den Mittelteil bildet der Mecklenburgische Landrücken mit der bekannten Seenplatte. Er durchzieht das Land in Südost-Nordwestrichtung zwischen der Trave im Norden und dem Quellgebiet der Havel nordwestlich Neustrelitz im Süden und wird durch morphologisch deutlich hervortretende weichselglaziale Eisrandlagen und wellig bis kuppige Grundmoränen geprägt.

Von den Eisrandlagen ausgehende breite, mit Sanden gefüllte Schmelzwassertäler zerteilen die ältere saalekaltzeitliche Hochfläche im Südwesten des Landes in „Inseln“.

Häufiger Gesteinswechsel an ihrer Oberfläche sowie beachtliche Höhen (z.B. Ruhner Berge +178 m NN, Sonnenberge +127 m NN, südlich bzw. südwestlich von Parchim) sprechen für Lagerungsstörungen, die durch den Gletscherdruck mehrerer nicht mehr zu unterscheidender Eisvorstöße verursacht wurden.

 

In der Jungmoränenlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns sind die einzelnen Eisvorstöße (Staffeln) während des Weichselglazials deutlich zu unterscheiden, wenn auch nicht immer die „glaziäre Serie“ mit der Abfolge Grundmoräne – Endmoräne (Eisrandlagen) – Sander – Urstromtäler ausgeprägt ist.

 

Abbildung 3: Glaziäre Serie mit bodenbildendem Substrat und typischer Nutzung norddeutscher Moränenlandschaften

Quelle: nach Janetzko und Schmidt (1995)

 

Das wichtigste Gliederungselement der Jungmoränenlandschaft sind die Eisrandlagen (Endmoränen).

Die südlichste und damit älteste Endmoräne, die Brandenburger Randlage (W1B), quert Südwest-Mecklenburg zwischen Zarrentin (Grenze zu Schleswig-Holstein) und dem Grenzgebiet zu Brandenburg südöstlich von Parchim. Sie ist in Form perlschnurartig angeordneter, wenig auffälliger Höhen ausgebildet, die den jüngeren Sander der nur wenige Kilometer nördlich verlaufenden Frankfurter Randlage inselartig durchragen.

Die Frankfurter Randlage (W1F) besteht östlich von Schwerin oft aus breiten, morphologisch wenig differenzierten Wällen von Geschiebemergel und verschiedenkörnigen Sanden, die sich zu einem deutlich erkennbaren Endmoränenzug mit breitem Sandergürtel anordnen. Westlich von Schwerin wird die Randlage weniger durch deutliche Endmoränen markiert als durch einzelne Sanderansätze, die z.T. rinnenartig in das Rückland hineinreichen. Beiden Eisvorstößen ist die Grundmoräne W1 zuzuordnen.

Die nördlich anschließende Mecklenburgische Seenplatte ist durch weitere Höhenrücken mit Endmoränencharakter gegliedert (Zwischenstaffeln). Lediglich der Frühpommerschen Endmoräne zwischen Schweriner und Krakower See ist ein deutlicher Sander vorgelagert. Sie markiert die Maximalausdehnung des Pommerschen Gletschervorstoßes (W2max), die östlich des Krakower Sees nur durch vereinzelte Höhenrücken im jüngeren Sander kenntlich ist. Westlich des Schweriner Sees ist ihr Verlauf noch unsicher. Eine Grundmoräne ist durchgehend entwickelt.

Der nördliche Abhang des Mecklenburgischen Landrückens beginnt an einem fast lückenlosen, in Loben gegliederten Endmoränenzug, der Pommerschen Haupteisrandlage (W2, „Innere Baltische Endmoräne“). Sandige Satzmoränen, reliefreiche, lithologisch stark differenzierte Stauchwälle und seltener Blockpackungen wechseln einander ab. In ihrem Rückland ist die dazugehörige Grundmoräne flächenhaft verbreitet. Die Gletscherentwässerung in das Vorland erfolgte aus zum Teil deutlich markierten Gletschertoren, aus denen zwischen Wismar und Feldberg ein zusammenhängender, nach Süden und Südwesten abgedachter Sander geschüttet wurde.

Die weiten, überwiegend reliefarmen Grundmoränenebenen im Nordosten des Landes werden durch Eisrandlagen und durch Oser, Täler und Becken gegliedert.

Auffälligste Endmoräne im Südosten des Landes ist die Rosenthaler Randlage (W3R) zwischen Jatznik und Brohm mit modellhaften Stauchwällen und einzelnen Sanderschüttungen. Eine Grundmoräne mit charakteristischer lithologischer Zusammensetzung lässt sich zuordnen. Dieser als Grundmoräne des Mecklenburger Vorstoßes (W3) bezeichnete Geschiebemergel konnte für große Teile des Landes belegt werden, eine durchgehende Endmoräne fehlt jedoch.

Weitere Randlagen in Vorpommern sind unauffällig ausgeprägt und teilweise umstritten, auch bezüglich ihrer Korrelation. Nur die Velgaster Randlage (W3V) westlich von Stralsund und die Randlage auf dem Südteil der Insel Usedom (mit Fortsetzung auf dem Festland bis Wolgast) haben Endmoränen-Charakter und gehören wahrscheinlich zu einem Gletschervorstoß.

Im Stauchgebiet auf der Halbinsel Jasmund sind Kreideschollen aufgestaucht.

 

Typisch für das Land ist die Vielzahl der Seen. Ihre Wasserspiegel weisen Höhendifferenzen von >100 m auf. Die Entstehung der Seen wird auf Gletscherschurf, das Austauen von Toteisblöcken jeder Größe im Untergrund und die erosive Wirkung glazialer Entwässerung zurückgeführt.

Im unmittelbaren Rückland der Pommerschen Haupteisrandlage ist eine 20-30 km breite, nach Norden abfallende, reliefreiche Moränenlandschaft entwickelt. Tiefe Hohlformen können mit ihrer Basis bis unter NN herabreichen (Malchiner Becken, Tollenseniederung). Die Höhen der Vollformen übertreffen die der Randlage z.T. deutlich; als prägnante Beispiele seien der Komplex des Everstorfer Forstes östlich von Grevesmühlen, die Hohe Burg westlich von Bützow, der Schmooksberg bei Güstrow, die Retzow-Gülitzer Höhen bei Malchin und der Helpter Berg bei Woldegk (höchste Erhebung des Landes mit +179 m NN) genannt. Ihre glazitektonische Entstehung (durch Gletscherbewegungen zusammengeschobene Gesteine des Untergrundes) ist teilweise nachgewiesen.

Auf ein Spaltennetz des Inlandeises lassen sich die radial und marginal verlaufenden Täler, die heute zum Teil vermoort sind, zurückführen. Im Spätglazial waren Randow- und Grenztal als Zuflüsse in Form kleiner Urstromtäler zu den Becken des „Haffstausees“ und der Rostocker Heide in Funktion. Die Füllung dieser Becken besteht aus schluffigen Feinsanden und Schluffen.

Als Folge des Meeresspiegelanstieges (Litorinatransgression) weitete sich die Ostsee im Holozän etappenweise nach Süden aus. Etwa vor 4.500 Jahren (Subboreal) erreichte der Ostseespiegel das gegenwärtige Niveau, es begann der bis heute andauernde Küstenausgleich mit z.T. beträchtlichen Anlandungsflächen (Darß bis Usedom). In den weit ins Binnenland zurückgestauten Flusstälern begann nach Sedimentation von Feinsanden eine tiefgründige Vermoorung (Mudden, Seekreiden und Niedermoortorfe). Bei günstigen Voraussetzungen setzte lokal das Wachstum von Hochmooren ein. Es entwickelte sich schnell eine geschlossene Vegetations- und Bodendecke.

 

Karte 1: Geologische Karte Oberflächenbildungen


 



* nach Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V (2000b)