Pressemitteilung 04/24

31.04.2024, Nr. 04/24

Asiatische Hornisse: LUNG M-V bittet um aufmerksames Beobachten und Meldung bei Sichtung

Güstrow. Das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V veröffentlicht wichtige Hinweise zur Asiatischen Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) und bittet die Öffentlichkeit um aufmerksames Beobachten und eine Meldung bei Sichtung der Tiere.

Mit der fortschreitenden Globalisierung der Märkte und der Zunahme des weltweiten Handels sowie des Fernreiseverkehrs treten Arten zunehmend auch außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes auf.

Das Auftreten invasiver gebietsfremder Arten (IAS) an neuen Standorten ist nicht immer ein Grund zur Besorgnis. Ein erheblicher Teil der invasiven Arten (Tiere, Pflanzen, Pilze, Mikroorganismen) kann jedoch nachteilige Folgen für die Biodiversität und die damit verbundenen Ökosysteme wie auch soziale und wirtschaftliche Auswirkungen haben.

Um diesem Problem entgegenzutreten, wurde im Jahr 2014 mit der Europäischen Verordnung Nr. 1143/2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten ein verbindlicher Rechtsrahmen geschaffen, welcher auch unmittelbar für Deutschland gilt.

Die Verordnung regelt vor allem die Vorbeugung, die Überwachung und die Beseitigung in der frühen Invasionsphase. Auch das Management bereits etablierter invasiver Arten ist hier geregelt. Zentrales Element ist dabei die sogenannte Unionsliste, in welcher die EU-Kommission in Absprache mit den Mitgliedsstaaten bedeutsame IAS festlegt - basierend auf ihren aktuell oder potentiell negativen Auswirkungen. Die aktuell gültige Liste ist unter www.neobiota.de zu finden.

Informationen zur Asiatischen Hornisse

Zu den invasiven Arten zählt auch die Asiatische Hornisse. Sie wurde 2004 nach Europa eingebracht, wahrscheinlich durch Bootstransporte von Gartenbauerzeugnissen aus Ostchina. In Frankreich wurde sie erstmals 2004 im Departement Lot-et-Garonne entdeckt. Von dort breitete sich die Art - trotz Verpflichtung zur sofortigen Beseitigung und intensiver Maßnahmen - in den folgenden Jahren regional sehr stark aus. Die geschätzte räumliche Ausbreitung beträgt ca. bis zu 80 km/Jahr.

In Deutschland wurde die Asiatische Hornisse erstmals 2014 gesichtet. Seitdem steigen die Funde im Südwesten Deutschlands (Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, NRW, Rheinland-Pfalz, Saarland) jährlich an. Vereinzelte Funde in Hamburg (2019 - 2023), Niedersachsen (2023 - 2024) und Bremen (2024) zeigen, dass die Art auch in nördlicheren Gebieten auftreten kann. Über Verschleppung von Königinnen (Hamburg) und die selbständige Ausbreitung hat sie sich dort angesiedelt.

Auch in Deutschland wurden seit nunmehr 10 Jahren eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse zu stoppen. Dazu zählt die Nestsuche mithilfe von Radiotelemetrie, die Nestentfernung sowie die Etablierung von Meldeportalen, Früherkennungsprogrammen und Hornissenberatern.

Zuständigkeit in Mecklenburg-Vorpommern

Für das Land Mecklenburg-Vorpommern gab es in den vergangenen zwei Jahren Hinweise auf Sichtungen, die sich bislang jedoch nicht bestätigt haben. Entsprechend ist der Kenntnisstand über die Asiatische Hornisse in M-V begrenzt.

Für Sichtungen und Meldungen von invasiven Arten ist auch das Land M-V im "Norddeutsches Monitoring der Asiatischen Hornisse - Ahlert-Nord" mit dem Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) als Ansprechpartner gelistet. Das Portal enthält umfangreiche Informationen über diese Art und bietet die Möglichkeit der Sichtmeldungen www.ahlert-nord.de.

Der hohe finanz- und personaltechnische Aufwand für die Beseitigung von Hornissennestern in den bislang betroffenen Bundesländern wird auch auf M-V zukommen. Hier ist eine funktionierende Kooperation seitens des LUNG, den Imkerverbänden (Aufklärung / Wissensvermittlung / Hornissensachverständige) und auch den behördlichen Einrichtungen der Gesundheitsvorsorge bereits im Vorfeld einer Ausbreitung erforderlich.

In erster Linie ist es aber wichtig, dass das LUNG als zuständige Behörde über mögliche Sichtungen unverzüglich informiert wird. Dafür steht das Meldeportal "Ahlert-Nord" zur Verfügung oder es erfolgt die Kontaktaufnahme direkt mit dem LUNG.

Ansprechpartnerin ist Frau Dr. Kathrin Lippert:
Tel.: 0385 588 64201
E-Mail: kathrin.lippert[at]lung.mv-regierung.de.

Wie erkennt man eine Asiatische Hornisse?

Sowohl die Königinnen als auch die Arbeiterinnen und Drohnen unterscheiden sich deutlich von der heimischen Hornisse (Vespa crabro): die Asiatischen Hornissen sind etwas kleiner, dunkelschwarz gefärbt (kein deutlich gelb-schwarz gemusterter Hinterleib wie bei der einheimischen Hornisse) und haben die namengebenden gelben Füße.

Vergleich zwischen europäischer und asiatischer Hornisse

Wie gefährlich ist die Asiatische Hornisse?

Hornissen insgesamt sind trotz ihrer imposanten Erscheinung nicht gefährlicher als kleinere Wespen. Die Asiatische Hornisse legt zudem ihre Sekundär- und Hauptnester bevorzugt hoch im Astwerk von Bäumen an (> 10 m Höhe), so dass ein Kontakt eher eingeschränkt ist.

Dagegen werden die etwa Handballen-großen Gründungsnester (Primärnest) auch schon einmal in Schuppen oder Sträuchern angetroffen. Stiche der Asiatischen Hornisse sind genauso schmerzhaft wie die der Honigbienen, der heimischen Hornisse und Wespen, wobei eine Gefahr von Insektenstichen vor allem für allergisch reagierende Menschen bestehen kann.

Welche Folgen hat eine Invasion durch die Asiatische Hornisse?

Honigbienen sind zwar für die Asiatische Hornisse oft ein wichtiger Bestandteil ihres Nahrungsspektrums, eine Zerstörung ganzer Honigbienenvölker findet jedoch nicht statt, es sei denn, es handelt sich um vorgeschwächte Völker. Als Generalist nutzt auch diese Hornissenart ein breit gefächertes Beutespektrum und benötigt etwa 11 kg Insekten-Biomasse pro Volk und Jahr. Ihr Jagdradius beträgt etwa 2 km um das Nest herum. Das Beutespektrum variiert mit dem natürlichen Angebot und der Jahreszeit. So erjagt sie ebenso Zweiflügler (Fliegen), andere Faltenwespen, wie beispielsweise die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) und die Deutsche Wespe (Vespula germanica), aber auch viele andere Insekten.

Hervorzuheben ist auch, dass Hornissen ihren Jagderfolg nicht kommunizieren können. Daher stimmt die oft geäußerte Annahme nicht, ganze Hornissenvölker würden Bienenvölker auslöschen.

Welche Maßnahmen sollten ergriffen werden?

Explizit ist es dabei die Imkerschaft, die durch ihren intensiven Kontakt zu den Honigvölkern in der Lage ist, bei Sichtung der Art eine Sofort-Meldung vorzunehmen. Auch sollten sie versuchen, an den Beuten mindestens eine Stunde lang zu beobachten. Ein positiver Fund soll idealerweise mit Foto erfolgen.

Die Imker müssen anschließend engagiert und umsichtig handeln, d. h. auf den Einsatz von gekauften oder selbst gebauten Lockfallen verzichten. Aus wissenschaftlichen Untersuchungen geht hervor, dass keine dieser Fallen selektiv wirkt und die reale Gefahr besteht, damit andere Insekten und dabei auch seltene und geschützte Arten anzulocken und zu töten.

Auch die Nester sollten nicht selbst beseitigt werden, da hier der Einsatz von professionellen Schädlingsbekämpfern oder ggf. Stechimmenberatern erforderlich ist.

Wichtiger Hinweis:

Bitte töten Sie keine Tiere ab und melden sie den Fund mit einem Foto oder Video des lebenden Tieres.

Für die Nestsuche ist ein Standort wichtig, an dem die Asiatische Hornissen wiederholt auftauchen, so dass die Tiere von dort über Flugrichtung und Flugzeit verfolgt werden können. Um eine Ausbreitung der Asiatischen Hornisse in M-V zu verhindern, ist es daher äußerst wichtig, dass eine unverzügliche Meldung nach Sichtung an das Norddeutsche Meldeportal Ahlert-Nord oder direkt an das LUNG erfolgt.

Ansprechpartnerin im LUNG ist Frau Dr. Kathrin Lippert:
Tel.: 0385 588 64201
E-Mail: kathrin.lippert[at]lung.mv-regierung.de.