4.2.4    Stoffausträge

4.2.4.1 Emissionen klimawirksamer und ozonschädigender Gase

Die in der Luft enthaltenen Spurengase Wasserdampf (H2O), Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Distickstoffoxid (N2O) verursachen den natürlichen Treibhauseffekt. Die durch zusätzliche anthropogene Emissionen klimawirksamer Gase, auch von verschiedenen fluorierten Verbindungen (FCKW, FKW, Halone, SF6), entstandenen aktuellen Konzentrationen sind für einen zusätzlichen (anthropogenen) Treibhauseffekt und für die Erwärmung der Erde verantwortlich.

Da der Boden wesentlich am globalen Kohlenstoff- und Stickstoffhaushalt beteiligt ist, können Störungen der Bodenfunktionen zu einer zusätzlichen Freisetzung klimawirksamer Spurengase führen bzw. die CO2-Festlegung beeinträchtigen.

Unter anderem kann der Boden eine Quelle für die Gase Kohlendioxid, Methan und Distickstoffoxid sein. Die Angaben der emittierten Gasmengen sind grobe Schätzungen und sollen nur die ungefähre Größenordnung veranschaulichen.

 

Im Jahr 1989 wurden in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 25 Mio. Tonnen Kohlendioxid emittiert (Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Umwelt M-V 1997). Bundesweit wurden 1999 825 Mio. Tonnen CO2 freigesetzt (1990: 981 Mio. Tonnen) (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit 2001a).

 

Tabelle 104: Kohlendioxidemissionen aus verschiedenen Böden

Nutzung bzw.

Vegetationstyp

Literaturquelle

Emissionen in

g CO2-C/m2*a

geschätzte CO2-C- Emissionen in M-V in

Tonnen pro Jahr

Moorwald, entwässert

Landesamt für Umwelt und Natur M-V (1997a)

670

147.755

Moor, naturnah

Landesamt für Umwelt und Natur M-V (1997a)

-150

-12.053

Niedermoore

 

 

 

      extensives Grünland

Landesamt für Umwelt und Natur M-V (1997a)

300

304.761

      halbintensives Grünland

Landesamt für Umwelt und Natur M-V (1997a)

450

629.424

      intensives Grünland, Acker

Landesamt für Umwelt und Natur M-V (1997a)

600

110.586

 

Rechnerisch ergibt sich daraus für die gesamten Moore Mecklenburg-Vorpommerns eine CO2-Emission von 3,8 Mio. Tonnen (1,2 Mio. Tonnen CO2-C). Im Moorschutzkonzept für Mecklenburg-Vorpommern (Umweltministerium M-V 2000) wird eine Gesamtemission aus den Mooren von etwa 5,1 Mio. Tonnen CO2 festgestellt.

 

Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern hat 1997 ein Klimaschutzkonzept verabschiedet, welches Maßnahmevorschläge zur Verringerung treibhausrelevanter Gase, vor allem von Kohlendioxid und Methan, umfasst. Die durch die Umsetzung der Maßnahmen bis 2010 erzielbare Minderung der CO2-Emissionen auf Landesebene wird mit ca. 4,9 Mio. t pro Jahr ausgewiesen (Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Umwelt M-V 1997).

Die CO2-Emission aus Niedermooren steigt mit dem Umfang der Degradierung, d.h. naturnahe Niedermoore setzen weniger Kohlendioxid frei. Bei einem Grundwasserstand von 0,3 m werden jährlich zwischen 10,3 und 11,4 Tonnen CO2 pro ha abgegeben, bei einem Grundwasserstand von 0,9 m sind es 18,0 bis 24,6 Tonnen (Landesumweltamt Brandenburg 1999) bzw. zwischen 24,6 und 33 Tonnen pro ha und Jahr (Umweltministerium M-V 2000). Der Anteil der einzelnen Entwässerungsgrade der Moore in Mecklenburg-Vorpommern ist in Kapitel 2.4.1 dargestellt.

Werden torfbildende Feuchtgebiete trockengelegt und in Nutzflächen umgewandelt, so werden durch die einsetzende Mineralisierung der Kohlenstoffvorräte hohe CO2-Freisetzungen erzeugt. Die Verluste der Moore werden bei Kultivierung auf bis zu 19 Tonnen C pro ha und Jahr geschätzt, bei Entwässerung auf bis zu 0,32 Tonnen C pro ha und Jahr (Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen 1998).

 

Insgesamt werden laut Klimaschutzkonzept jährlich schätzungsweise 10 Mio. Tonnen CO2 aus den Mooren Mecklenburg-Vorpommerns in die Atmosphäre abgegeben. Durch die Wiedervernässung von Niedermoorstandorten könnte jährlich die Emission von 4,2 Mio. Tonnen CO2 vermieden werden (Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Umwelt M-V 1997). Holzmüller und Marschner (2001) geben für die CO2-Fixierung durch die Wiedervernässung von Feuchtgebieten Werte zwischen 0,1 und 1,0 Tonnen C je ha und Jahr an.

Für die Aufforstung von Acker- und Grünlandflächen wird hier eine CO2-Fixierung im Boden von 0,3 bis 0,5 Tonnen C pro ha und Jahr angegeben. Die CO2-Fixierung im Boden wird ebenfalls durch den Anbau mehrjähriger Feldfutterpflanzen (typisch für den organischen Landbau) und durch das Anlegen von Grünbrachen gesteigert, weil durch die längere Bodenruhe (Fehlen jeglicher Bodenbearbeitung) die Mineralisierung organischer Bodensubstanz zu CO2 reduziert wird (Haas und Köpke 1995). Die Kohlenstoff-Gehalte des Bodens sind im organischen Landbau in der Regel höher als bei intensiver konventioneller Bewirtschaftung.

 

Im Gegensatz zu Böden aus organischen Substraten zählen mineralische Waldböden vermutlich zu den CO2-Senken. Liski et al. (2000) geben Werte für die CO2-Aufnahme von mehr als 10 g pro m² und Jahr an.

 

 

Distickstoffoxid hatte 1996 mit einer weltweiten Emission zwischen 4,7 und 12,6 Mio. Tonnen einen Anteil am anthropogenen Treibhauseffekt von etwa 6 % (Umweltbundesamt 2001). Die mikrobielle Umsetzung von natürlich vorkommenden oder anthropogen eingebrachten Stickstoffverbindungen in Böden ist die wichtigste Quelle für N2O. Auch in Deutschland ist die Freisetzung aus landwirtschaftlich genutzten Böden in den letzten Jahren, nach Ausschöpfung der Reduktionspotentiale in der chemischen Industrie, die wichtigste Quelle.

Die hohe Verweildauer von N2O in der Atmosphäre (120 Jahre), führt zusätzlich dazu, dass Distickstoffoxid durch Diffusion in die Stratosphäre gelangen kann und dort zum Abbau der Ozonschicht beiträgt. In der Stratosphäre reagiert es mit photochemisch erzeugtem atomaren Sauerstoff und bildet dabei NO, das mit Ozon unter Bildung von NO2 und O2 reagiert.

 

Tabelle 105: Emissionen von Distickstoffoxid in Deutschland

Emittentengruppen

1990

1991

1992

1993

1994

1995

1996

1997

1998

1999

1.000 Tonnen

Verbrennungsprozesse

37

38

38

39

39

41

42

40

40

39

Chemische Industrie

82

83

93

84

81

82

87

74

30

13

Produktverwendung

6

6

6

6

6

6

6

6

6

6

Abfallwirtschaft

4

4

4

4

4

4

4

4

4

4

Landwirtschaftliche Böden

85

78

74

73

77

77

76

77

80

79

Gesamt

214

209

215

206

207

209

215

201

160

141

Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (2001a)

 

Nicht nur landwirtschaftlich genutzte Böden emittieren N2O, sondern es wird auch aus den meisten anderen Böden freigesetzt. Die N-Dynamik der Düngung bzw. der atmosphärischen Deposition ist in der Regel ausschlaggebend für die Höhe der N2O-Emissionen aus moorfreien Böden.

Die Versauerung bzw. die Pufferkapazität von Waldböden zeigt ebenfalls eine positive Korrelation zur N2O-Emission (Enquete-Kommission „Schutz der Erdatmosphäre“ des Deutschen Bundestages 1994). Und auch die Verdichtung von Ackerböden ist positiv mit der N2O-Freisetzung korreliert.

 

Tabelle 106: Distickstoffoxidemissionen aus verschiedenen Böden

Nutzung bzw.

Vegetationstyp

Literaturquelle

Emissionen in

g N2O/m2*a

geschätzte Emissionen in M-V in Tonnen pro Jahr

Fichtenwald

Hug, Wilpert (2001)

0,2 bis 0,3*

 

Borken (1995)

0,02 bis 0,06*

 

Buchenwald

Borken (1995)

0,01 bis 0,3*

 

Eichenwald

Hellebrand, Scholz (2000)

0,1 bis 0,25

62,0

Moorwald, Erlenbruch

 

      entwässert

Landesamt für Umwelt und Natur M-V (1997a)

1,65

363,9

      ungestört

Augustin et al. (1998)

0,08 bis 0,12*

 

Acker

Landesumweltamt Brandenburg (1999)

0,11 bis 0,5

3.316,8

      Winterweizen

Schmädeke (1998)

0,08 bis 0,09*

 

Ruser et al. (1999)

0,3 bis 0,36*

 

      Kartoffeln

Ruser et al. (1999)

0,53 bis 0,68*

 

      Raps

Hellebrand, Scholz (2000)

0,1 bis 0,25

 

      Brache

Hellebrand, Scholz (2000)

0,1 bis 0,25

 

Ruser et al. (1999)

0,03*

 

      Pappelanbau

Hellebrand, Scholz (2000)

0,02 bis 0,06

 

Grünland

Landesumweltamt Brandenburg (1999)

0,83

2.747,6

Moor, naturnah

Landesamt für Umwelt und Natur M-V (1997a)

0,004

0,3

Niedermoore

 

      entwässert

Landesumweltamt Brandenburg (1999)

0,18 bis 2,2

3.354,8

      nass, überstaut

Landesumweltamt Brandenburg (1999)

0,1

8,0

Niedermoore

 

      extensives       Grünland

Landesamt für Umwelt und Natur M-V (1997a)

0,35

355,6

      halbintensives       Grünland

Landesamt für Umwelt und Natur M-V (1997a)

0,42

587,5

      intensives       Grünland, Acker

Landesamt für Umwelt und Natur M-V (1997a)

1,15

212,0

Sölle (NO-Deutschland)

 

      schwach eutrophe       Uferzone

Merbach et al. (1998)

0,01*

 

      stark eutrophe       Uferzone

Merbach et al. (1998)

0,11*

 

Salzwiesen

Müller-Thomsen et al. (2001)

0,03**

 

*   N2O-N-Emission

** Im Winter haben Salzwiesen eine Senkenfunktion für Distickstoffoxid.

 

Die Lachgasemissionsfaktoren (N2O-Jahresemission im Verhältnis zur Jahres-N-Düngung) liegen wegen der Abhängigkeit von verschiedenen pedologischen und klimatischen Faktoren im Bereich von etwa 0,25 % bis 2,25 %. Als Mittelwert für Ackerflächen geben Kaiser et al. (1996) für deutsche Verhältnisse einen Wert von 1,4 % an, für moorfreie Böden gibt das Landesumweltamt Brandenburg (1999) einen Durchschnitt von 1,25 % an. Ruser et al. (1999) konnten statt der Korrelation der N2O-Freisetzung mit der Düngergabe einen Zusammenhang mit dem Nitratgehalt im Boden nachweiden.

 

In Mecklenburg-Vorpommern könnte durch die Wiedervernässung von Niedermooren jährlich die Emission von N2O um etwa 500.000 Tonnen verringert werden (Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Umwelt M-V 1997). Angaben über Höhe der gesamten N2O-Emissionen in Mecklenburg-Vorpommern liegen nicht vor.

 

Eine weitere Emissionsquelle für im Boden gebildetes und im Bodenwasser gelöstes N2O, ist die Freisetzung durch die Blattoberfläche der Pflanzen im Zusammenhang mit der Transpiration. Diese Emissionen können mengenmäßig in der gleichen Größenordnung liegen, wie die direkten Emissionen aus dem Boden (Zechmeister-Boltenstern 2000).

 

Abbildung 24: Vereinfachtes Wirkungsgefüge der N2O-Emissionen aus Ackerböden


Quelle: Eigene Darstellung

 

 


Weltweit wurden zwischen 1980 und 1990 jährlich 375 Mio. Tonnen Methan emittiert, das entspricht einem Anteil am anthropogenen Treibhauseffekt von etwa 20 % (Umweltbundesamt 2001).

 

Durch die Maßnahmen des Klimaschutzkonzeptes lassen sich die jährlichen Methan-Emissionen Mecklenburg-Vorpommerns bis 2010 um 11.300 Tonnen senken (Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Umwelt M-V 1997). Auch für Methan liegen keine Angaben über die Emissionen in Mecklenburg-Vorpommern vor.

 

Methan entsteht durch Abbau organischen Materials unter anaeroben Bedingungen. Feuchtgebiete sind die größte natürliche Quelle von Methan und die größte Menge anthropogen freigesetztes Methan stammt aus verschiedenen landwirtschaftlichen Prozessen. Böden können sowohl als Quelle als auch als Senke (Oxidation durch methanotrophe Bakterien) für Methan angesehen werden.

 

Die höchste Methanreduktion wurde in Wäldern mit sandigen bis steinigen Böden gemessen, die niedrigsten Raten sind typisch für landwirtschaftlich genutzte Flächen. Mit Flussraten zwischen 0,1 und 2,0 kg CH4 pro ha und Jahr liegt die Variation der verschiedenen Agrarflächen (Grünland, Ackerland, etc.) bedeutend niedriger als die der Waldökosysteme.

Die Umwandlung unkultivierter Flächen bzw. naturnaher Ökosysteme in landwirtschaftlich genutzte Flächen hat im Mittel zu einer 40 %igen Reduktion der Senkenstärke terrestrischer Böden für atmosphärisches Methan geführt (Schmädeke 1998). Umgekehrt erhöht die Flächenstillegung, die Umwandlung von Acker in Dauerbrache, die Methanaufnahme des Bodens.

Allein durch eine Bodenverdichtung auf einem Ackerboden kann es zu einer Reduktion der Methanaufnahme um 50 % kommen. Der Stickstoffeinsatz wird ebenfalls für eine Reduzierung der Senkenstärke verantwortlich gemacht, durch Ammonium bzw. Ammoniak wird die CH4-Oxidation gehemmt.

 

Tabelle 107: Emissionen von Methan in Deutschland

Emittentengruppen

1990

1991

1992

1993

1994

1995

1996

1997

1998

1999

1.000 Tonnen

Energie

1775

1639

1602

1479

1338

1306

1221

1171

1060

1008

     Kraftstoffverbrennung

214

167

139

130

119

109

106

97

87

81

     Gewinnung, Verteilung      von Brennstoffen

1561

1472

1463

1349

1219

1197

1115

1074

973

927

Landwirtschaft

1902

1679

1599

1572

1570

1559

1557

1512

1499

1469

     Gärungsprozesse

1248

1103

1043

1024

1024

1018

1016

983

970

949

     Düngerverwendung

630

552

531

523

520

515

515

503

503

494

     Böden

24

24

25

25

26

26

26

26

26

26

Abfallwirtschaft

1894

1695

1453

1216

1114

1029

792

794

794

794

Gesamt

5571

5013

4654

4267

4022

3894

3570

3477

3353

3271

Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (2001a)

 

Tabelle 108: Methanemissionen aus verschiedenen Böden

Nutzung bzw.

Vegetationstyp

Literaturquelle

Emissionen in

g CH4/m2*a

geschätzte Emissionen in M-V in Tonnen pro Jahr

Buchenwald

Borken (1995)

-0,01 bis -0,2

 

Fichtenwald

Borken (1995)

-0,02 bis -0,07

 

Moorwald, Erlenbruch

 

      entwässert

Landesamt für Umwelt und Natur M-V (1997a)

0,06*

13,2*

      ungestört

Augustin et al. (1998)

0,27*

 

Acker

 

      Triticale

Hellebrand, Scholz (2000)

-0,09 bis -0,1

 

      Nachwachsende       Rohstoffe

Hellebrand, Scholz (2000)

-0,07

 

Grünland

 

Moor, naturnah

Landesamt für Umwelt und Natur M-V (1997a)

30*

2.410,5*

Niedermoore

 

      entwässert

Landesumweltamt Brandenburg (1999)

0,47

 

      nass

Landesumweltamt Brandenburg (1999)

1,41

 

      überstaut

Landesumweltamt Brandenburg (1999)

39

 

Niedermoore

 

      extensives       Grünland

Landesamt für Umwelt und Natur M-V (1997a)

0,06*

61,0*

      halbintensives       Grünland

Landesamt für Umwelt und Natur M-V (1997a)

0,06*

83,9*

      intensives       Grünland, Acker

Landesamt für Umwelt und Natur M-V (1997a)

0,06*

13,2*

Sölle (NO-Deutschland)

 

      schwach eutrophe       Uferzone

Merbach et al. (1998)

0,03 bis 0,96*

 

      stark eutrophe       Uferzone

Merbach et al. (1998)

1,58 bis 33*

 

Salzwiesen

Müller-Thomsen et al. (2001)

0,03**

 

*   CH4-C-Emission

** Im Winter und Frühling haben Salzwiesen eine Senkenfunktion für Methan.

 

Waldböden gelten im allgemeinen als Senken für Methan, diese Funktion kann jedoch unter Einfluss von Ammonium gehemmt sein. Je nach Grad der Stickstoffsättigung ist eine Senken- oder Quellenfunktion möglich. Auch unter teilanaeroben und anaeroben Bedingungen können Waldböden eine Methanquelle sein. Der Grad der Versauerung ist ebenfalls für die Funktion der Waldböden als Methan-Senke entscheidend. Saure Böden können weniger Methan aufnehmen, da die Versauerung auf die Populationen der CH4-oxidierenden Bakterien einwirkt.

 

Durch die Wiedervernässung von Niedermooren würden in Mecklenburg-Vorpommern jährlich schätzungsweise 2,3 Mio. Tonnen CH4 zusätzlich freigesetzt. 62,5 % der Moore in Mecklenburg-Vorpommern gelten als stark entwässert, weitere 34,7 % als schwach bis mäßig entwässert (Tabelle 11). Insgesamt führt eine Wiedervernässung jedoch zu einer Verminderung der Treibhausgasemissionen von umgerechnet 2,4 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten (Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Umwelt M-V 1997).

 

 

4.2.4.2 Andere gasförmige Emissionen

Der Boden kann auch Quelle für andere umwelt- oder gesundheitsschädliche Stoffausträge sein. Die Intensität dieser Emissionen hängt unter anderem entschieden von der Nutzung bzw. Bewirtschaftung des Bodens ab.

So ist der Boden auch eine Quelle für die in der Atmosphäre nur in geringen Mengen vorkommenden Stickstoffoxide. Stickstoffoxide werden bei sauerstoffarmen Verhältnissen durch die mikrobielle Denitrifikation von Nitrat gebildet. Schätzungsweise werden weltweit zwischen 1 und 20 Mio. Tonnen NOx-N jährlich in die Atmosphäre abgegeben, die Böden haben hieran einen Anteil von 3,7 bis 29,8 %.

 

Tabelle 109: Weltweite Quellen von NOx

 

Drummond, Enhalt (1982)

Crutzen

(1983)

Stedman, Shetter (1983)

Logan

(1983)

Tg N pro Jahr

Verbrennung fossiler Energieträger

8-19

12-20

18-22

14-28

Verbrennung von Biomasse

6-16

10-40

2-15

4-24

Blitze

2-8

1-10

2-6

2-20

Eintrag aus der Stratosphäre

1

1-15

1-2

<1

Böden

1-10

k.A.

5-20

4-16

Gesamt

19-59

24-85

27-67

26-99

Quelle: Conrad (1990)

 

Böden können je nach NO-Mischungsverhältnis eine Quelle oder Senke für Stickstoffmonoxid, welches z.B. zur Bildung troposphärischen Ozons beiträgt, darstellen. Bollmann et al. (1995) geben für einen sauerstoffarmen Ackerboden NO-Freisetzungsraten von 0,2 µg NO-N pro g Trockensubstanz und Stunde an.

 

 

Ammoniakverflüchtigungen können verstärkt stattfinden, wenn der Boden eine alkalische Reaktion aufweist und mit Ammoniak, Ammonium-Salzen oder organischen N-Düngern gedüngt wird. Die Intensität der NH3-Emission ist von der Form und Ausbringung der Dünger und vom Wassergehalt des Bodens abhängig. Bei einem pH-Wert von 8 werden 10 % des NH4+-Düngers in Ammoniak umgewandelt und freigesetzt (Schachtschabel et al. 1992).

 

Die Entwicklung der anthropogen verursachten NH3-Emissionen in Deutschland ist in der folgenden Tabelle dargestellt. Die Reduktion um 140.000 Tonnen (18 %) zwischen 1990 und 1999 ist überwiegend durch den Abbau der Tierbestände in den neuen Bundesländern verursacht (Umweltbundesamt 2001). Der Anteil der von der Düngeranwendung und damit vom Boden abhängig ist, hat sich dagegen nicht verringert.

 

Tabelle 110: Anthropogene Emissionen von Ammoniak in Deutschland

Emittentengruppen

1990

1991

1992

1993

1994

1995

1996

1997

1998

1999

1.000 Tonnen

Tierhaltung

655

-

553

-

539

533

534

524

525

517

Düngeranwendung

75

-

66

-

71

71

70

72

76

76

Industrieprozesse

18

-

10

-

8

10

10

9

9

9

Sonstige Quellen*

17

-

20

-

21

21

22

22

22

22

Gesamt

765

-

649

-

639

635

636

626

632

624

* Straßenverkehr, Feuerungsanlagen, DENOX-Anlagen in Kraftwerken.

Quelle: Umweltbundesamt (2001)

 

In Mecklenburg-Vorpommern könnte durch die Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes jährlich die Emission von NH3 um insgesamt etwa 2.000 Tonnen verringert werden. Das entspricht in etwa einem Treibhauspotential von 300.000 Tonnen CO2-Äquivalenten (Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Umwelt M-V 1997). Auch für Ammoniak liegen keine konkreten Angaben über die Emissionen in Mecklenburg-Vorpommern vor.

 

Gasförmige Emissionen aus dem Boden von Altlasten, Altablagerungen und aus anderen schädlichen Bodenveränderungen sollen an dieser Stelle nicht behandelt werden. Diese Stoffausträge, die Pflanzen und möglicherweise auch die menschliche Gesundheit gefährden, sind in Kapitel 4.2.3 kurz angesprochen.