Ein weiterer Pfad für den Austrag von Nähr- und Schadstoffen aus dem Boden in andere Systeme ist der Entzug durch die Ernte von landwirtschaftlichen Nutzpflanzen. Das kann direkt über die Abfuhr vom Acker oder der Wiese geschehen oder über den Umweg der Nahrungsaufnahme von Weidetieren. Mit der Ernte forstwirtschaftlicher Produkte werden ebenfalls Stoffe aus dem Stoffkreislauf eines Standortes entfernt.
Die Höhe dieses Entzuges hängt stark von der angebauten Frucht und vom Ertrag an einem Standort ab. Bei den angegebenen Werten handelt es sich deswegen um Durchschnittswerte. Die Nährstoffversorgung bzw. die Schadstoffgehalte eines Standortes sind ebenfalls positiv mit der entzogenen Stoffmenge korreliert.
Es muss berücksichtigt werden, dass ein Teil der in den Pflanzen gespeicherten Nähr- und Schadstoffe bei der Ernte als Ernterückstand auf der Fläche verbleibt und wieder in das System Boden eingebracht wird.
Tabelle 119: Nährstoffentzug durch Ernte
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|
Durchschnitt |
Weizen Korn + Stroh |
Silomais |
Zuckerrübe Rübe + Blatt |
Grünland 50 dt TM/ha |
|
kg/ha |
|||||
|
Stickstoff |
119,5 |
117 |
183 |
260 |
113 |
|
Phosphor |
20,9 |
19,5 |
30 |
36 |
17 |
|
Kalium |
- |
67 |
90 |
325 |
100 |
|
Calcium |
- |
19 |
10 |
118 |
- |
|
Magnesium |
- |
9,5 |
23 |
51 |
13 |
|
Schwefel |
23 |
30 |
23,3 |
22,5 |
12 |
Quelle:
Schachtschabel et al. (1992), Jänicke (1997), Ministerium
für Landwirtschaft und Naturschutz des Landes M-V (1998), Paulsen (1999) und Umweltbundesamt (2001)
Tabelle 120: Schadstoffaufnahme durch landwirtschaftliche Nutzpflanzen
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|
Durchschnitt |
Weizen Korn + Stroh |
Kartoffeln |
Zuckerrüben |
|
kg/ha |
||||
|
Blei |
0,4 – 8,4 |
- |
0,014 |
0,004 |
|
Cadmium |
0,005 - 0,08 |
- |
0,003 |
0,001 |
|
Eisen |
- |
0,75 |
- |
- |
|
Kupfer |
- |
0,08 |
0,055 |
0,056 |
|
Mangan |
- |
0,26 |
- |
- |
|
Nickel |
- |
- |
0,015 |
0,029 |
|
Zink |
- |
0,32 |
0,06 |
0,18 |
Quelle:
Schachtschabel et al. (1992), Bannick et al. (2001) und Umweltbundesamt (2001)
Mit steigender Schwermetallbelastung der Böden nehmen in der Regel auch die Konzentrationen der Schwermetalle in der Bodenlösung zu. Dieser Anteil ist dann direkt pflanzenverfügbar. Für das relativ schwer lösliche Blei besteht eine enge Korrelation zwischen der Konzentration in der Bodenlösung und dem Gehalt in Pflanzen. Für die leichter löslichen Schwermetalle Cadmium und Zink besteht dieser Zusammenhang zwischen den extrahierbaren Gehalten und den Pflanzengehalten (Schachtschabel et al. 1992).
Einige Kulturpflanzen, wie z.B. Weizen, weisen ein spezifisches Anreicherungsvermögen für Cadmium auf (Schachtschabel et al. 1992).
1999 wurden in Deutschland in 4,9 % der Weizenproben, die das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin untersucht hat, Cadmiumgehalte über dem Richtwert von 0,1 mg/kg festgestellt. Der Bleigehalt lag bei einem Prozent der Proben über dem damaligen Richtwert von 0,3 mg/kg. Der neue Richtwert der EU-Verordnung Nr. 466/2001 zur Festsetzung der Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln liegt bei 0,2 mg/kg. Pflanzenschutzmittel konnten in 10,7 % der Getreideproben nachgewiesen werden. Bei Blumenkohl konnten Pflanzenschutzmittel in 9,6 % der Proben nachgewiesen werden (1,2 % über dem Richtwert). Im Blumenkohl wurden ebenfalls hohe Nitratgehalte festgestellt, der Maximalgehalt lag bei 1.012 mg/kg und der Mittelwert lag über 200 mg/kg. Im Vergleich dazu wurden in den Blumenkohlproben aus anderen EU-Ländern signifikant geringere Nitratgehalte festgestellt (Mittelwert 100 mg/kg) (Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin 2000).
Der Gesundheitsbericht 1998 (Statistisches Bundesamt 1998) stellt fest, dass aus gegenwärtigen Untersuchungen für die Allgemeinbevölkerung kein gesundheitliches Risiko durch Rückstände und Verunreinigungen in der Nahrung erkennbar ist. Diese Aussage gilt jedoch nur eingeschränkt für Risikogruppen (Säuglinge, Kranke, Immungeschwächte) und bei untypischer Kostzusammensetzung.
Eine Gefährdung des Verbrauchers durch unerwünschte Stoffe aus der Nahrung hängt von der Wirksamkeit langfristig zugeführter - auch kleinster - Mengen der unerwünschten Stoffe ab. Die Beurteilung konzentriert sich auf das Tumorgeschehen (Entstehung bzw. Wachstum), das Auftreten von Allergien, Schädigungen des Immunsystems, Veränderungen des Hormonstatus und auf die Resistenzbildung krankheitserregender Keime.
Tabelle 121 zeigt die Zufuhr der wichtigsten Rückstände bzw. Verunreinigungen mit der Nahrung und die Ausschöpfung der toxikologischen Bezugswerte, d.h. den Anteil der tatsächlichen Aufnahme an der tolerierbaren täglichen Aufnahme. Nur die PCDD/F überschreiten den Bezugswert für Risikogruppen, hier liegt die Zufuhr bei normaler Ernährung bei über dem Doppelten des Bezugswertes. Die Nitrataufnahme liegt mit 92 % nur knapp unter dem Bezugswert.
Tabelle 121: Zufuhr unerwünschter Stoffe mit der Nahrung
|
|
Zufuhr je Tag |
Ausschöpfung toxikologischer Bezugswerte |
|
|
Erwachsene |
Risikogruppen |
||
|
µg |
% |
||
|
Blei |
18 |
7 |
18 |
|
Cadmium |
13 |
20 |
50 |
|
Quecksilber |
15 |
31 |
77 |
|
Nitrat |
94.000 |
37 |
92 |
|
Nitrit |
1.400 |
10 |
25 |
|
N-Nitrosamine |
0,5 |
<10 |
<25 |
|
DDT |
<1 |
<0,1 |
<0,5 |
|
Dieldrin |
<1 |
6 |
15 |
|
Gamma-HCH |
2 |
<1 |
<1 |
|
Tierarzneimittel |
<1 |
<0,1 |
<1 |
|
PCB |
<1 |
<2 |
<5 |
|
PCDD/F |
0,0006 |
<90 |
215 |
Bei
Erwachsenen wird ein Gewicht von 70 kg zugrunde gelegt. Die Risikogruppen sind
Kinder und Kranke.
Quelle:
Statistisches
Bundesamt (1998)
Unter
Berücksichtigung der oben angeführten Austragspfade sowie der in Kapitel 4.2.2
dargestellten Nährstoffzufuhr lassen sich für die landwirtschaftlich genutzten
Flächen Bilanzrechnungen für die einzelnen Nährstoffe anstellen. Diese zeigen,
dass ein großer Teil der eingebrachten Nährstoffe als Überschuss im Boden
verbleibt und sich dort entweder anreichert oder in andere Umweltkompartimente
ausgetragen wird.
Tabelle 122: Nährstoffflächenbilanz für die Landwirtschaftsfläche
Deutschlands
|
|
Stickstoff |
Phosphor |
|
|
1995 |
1999 |
1995 |
|
|
kg/ha*a |
|||
|
Mineraldünger |
103,4 |
113,1 |
14,4 |
|
Organischer Dünger |
67,4 |
54,0 |
13,6 |
|
Stickstofffixierung |
15,1 |
11,5 |
- |
|
Deposition |
20,3 |
22,8 |
- |
|
Summe der Einträge |
206,2 |
205,5 |
27,9 |
|
Pflanzenentzug |
-119,5 |
-122,0 |
-20,9 |
|
Überschuss |
86,6 |
83,5 |
7,0 |
Quelle: Regierung der
Bundesrepublik Deutschland (2000) und Umweltbundesamt (2001)
Nicht
berücksichtigt ist in dieser Übersicht die Deposition von Phosphor. In
Mecklenburg-Vorpommern betrug die nasse Phosphat-Deposition 1999 zwischen 0,5
und 1,6 kg P2O5 pro Hektar und Jahr. Ein weiterer
Eintragspfad ist die Deposition von erodiertem Material mit dem daran
gebundenen Phosphat. Die Erosion selbst kann einen Teil des als Überschuss
ausgewiesenen Phosphates austragen.
Tabelle 123:
Stickstoff-Flächenbilanzüberschüsse in Deutschland nach Bundesländern
|
|
Überschuss der N-Flächenbilanz
in kg/ha LF*a |
|||||||
|
1950 |
1960 |
1970 |
1980 |
1985 |
1990 |
1995 |
1999* |
|
|
Baden-Württemberg |
38,7 |
53,8 |
86,5 |
118,0 |
105,8 |
104,9 |
87,8 |
80,2 |
|
Bayern |
36,6 |
51,0 |
91,3 |
130,5 |
124,5 |
123,2 |
100,1 |
93,8 |
|
Hessen |
37,4 |
49,1 |
83,7 |
111,4 |
100,2 |
93,9 |
76,6 |
72,7 |
|
Niedersachsen |
36,6 |
50,3 |
90,4 |
130,7 |
125,4 |
127,3 |
110,1 |
102,1 |
|
Nordrhein-Westfalen |
37,9 |
50,8 |
94,8 |
137,7 |
131,5 |
132,7 |
110,8 |
100,0 |
|
Rheinland-Pfalz |
34,2 |
44,8 |
68,5 |
88,9 |
81,0 |
76,7 |
66,1 |
60,9 |
|
Saarland |
31,4 |
38,0 |
62,7 |
89,3 |
86,7 |
84,7 |
72,0 |
64,9 |
|
Schleswig-Holstein |
40,5 |
52,8 |
94,4 |
134,1 |
125,4 |
125,5 |
106,3 |
98,1 |
|
Brandenburg |
14,2 |
39,0 |
85,3 |
144,3 |
123,9 |
17,5 |
48,2 |
56,6 |
|
Mecklenburg-Vorpommern |
6,6 |
39,9 |
90,7 |
129,6 |
116,5 |
22,9 |
51,7 |
61,1 |
|
Sachsen |
23,2 |
45,4 |
85,1 |
142,5 |
126,5 |
20,9 |
62,2 |
72,9 |
|
Sachsen-Anhalt |
10,6 |
27,2 |
77,3 |
126,2 |
111,3 |
22,7 |
51,8 |
57,8 |
|
Thüringen |
8,3 |
39,3 |
71,0 |
129,1 |
113,9 |
22,8 |
59,5 |
68,1 |
|
Deutschland |
28,9 |
46,4 |
86,8 |
128,4 |
118,1 |
88,2 |
84,0 |
83,5 |
* vorläufige
Werte
Quelle: Regierung der
Bundesrepublik Deutschland (2000)
Die Tabelle 123 lässt erkennen, dass die höchsten N-Überschüsse in den 80er-Jahren zu verzeichnen waren, seitdem konnten sie in allen Bundesländern reduziert werden. In Mecklenburg-Vorpommern lag der N-Überschuss in den 70er- und 80er-Jahren noch über dem Bundesdurchschnitt, seitdem konnte er überdurchschnittlich gesenkt werden. 1999 betrug der Überschuss nur noch 75 % des Bundesdurchschnittes.