3.2      Boden-Dauerbeobachtung

3.2.1    Anliegen

Der Boden nimmt im Rahmen der integrativen Umweltbeobachtung eine zentrale Stellung ein. Er vereinigt als Schnittstelle zwischen den Kompartimenten Gestein, Wasser, Luft und Organismen gleich mehrere Teilgebiete der Umweltbeobachtung.

Ziel der Boden-Dauerbeobachtung ist es, den aktuellen Zustand der Böden zu erfassen (Dokumentation), ihre Veränderungen langfristig zu überwachen (Monitoring) und Entwicklungstendenzen abzuleiten (Prognose).

In Mecklenburg-Vorpommern wurden Boden-Dauerbeobachtungsflächen auf landwirtschaftlich genutzten Standorten (BDF-L) und auf Waldstandorten (BDF-F) eingerichtet. Für die BDF-L ist das LUNG zuständig und die BDF-F werden vom Landesamt für Forsten und Großschutzgebiete Mecklenburg-Vorpommern unterhalten.

 

Wesentliche Funktionen der Boden-Dauerbeobachtung (Ad-hoc-AG Boden-Dauerbeobachtung 2000):

·        Frühwarnsystem für schädliche Bodenveränderungen

·        Kontrollinstrument für umweltpolitische Maßnahmen

·        Beweissicherung

·        Umfeld-Überwachung

·        Referenz für Bodenbelastungen (Hintergrundwerte, Bodenbelastungskataster)

·        Versuchsplattform für Forschung (z.B. zur Methodenentwicklung)

·        Referenz für die bodenkundliche Standortaufnahme

 

Textfeld: Meilensteine und Rechtsgrundlagen auf dem Weg zu einer
bundesweiten Boden-Dauerbeobachtung

1985	Bodenschutzkonzeption der Bundesregierung: 	Die Boden-Dauerbeobachtung als Instrument des vorsorgenden Bodenschutzes erfasst Daten zur Entwicklung und Veränderung der Böden.1991	„Konzeption zur Einrichtung von Boden-Dauerbeobachtungsflächen“
(Sonderarbeitsgruppe (SAG) Informationsgrundlagen Bodenschutz)

1996	Einrichtung der Ad-hoc-AG Boden-Dauerbeobachtung der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz (LABO) Arbeitskreis 2 – Bodeninformationssysteme	(Ziel: Fortschreibung des SAG-Papiers von 1991)

1999	Bundes-Bodenschutzgesetz
	Der vorsorgende Bodenschutz und die nachhaltige Nutzung der Böden werden gesetzlich festgeschrieben. Die Daten der Boden-Dauerbeobachtung sollen in Bodeninformationssystemen verfügbar gemacht werden (§ 21 BBodSchG).

2000	Veröffentlichung: „Boden-Dauerbeobachtung, Einrichtung und Betrieb von Boden-Dauerbeobachtungsflächen“ und Auflösung der Ad-hoc-AG Boden-Dauerbeobachtung

2001	Initiierung des Projektbeirates Boden-Dauerbeobachtung durch das Umweltbundesamt
	(Ziel: bundesweite Datenerhebung und -auswertung)

 


Mit der bundesweiten Einrichtung von BDF entsteht ein repräsentatives Messnetz für verschiedene Umweltschutzaufgaben. Der Datenbestand ausgewählter BDF wird auch für europaweite Auswertungen herangezogen.

 

3.2.2    Boden-Dauerbeobachtungsprogramme in Mecklenburg-Vorpommern

3.2.2.1 Boden-Dauerbeobachtung auf landwirtschaftlich genutzten Flächen

Die landwirtschaftlich genutzten Boden-Dauerbeobachtungsflächen (BDF-L) in Mecklenburg-Vorpommern werden seit 1993 durch den Geologischen Dienst des Landes eingerichtet und betrieben. Für die BDF-L werden Nutzungsverträge mit den Flächeneigentümern/-bewirtschaftern abgeschlossen. Von insgesamt 46 geplanten BDF-L (auf Acker und Grünland) wurden bisher 26 Flächen eingerichtet (Karte 5).

 

Um eine hohe Repräsentanz der Standorte zu gewährleisten, erfolgt die Auswahl über landesspezifisch gewichtete Themenkomplexe (Ad-hoc-AG Boden-Dauerbeobachtung 2000):

 

·      Welche Landschaften sind charakteristisch bzw. flächenhaft vorherrschend?

·      Welche Böden einer Landschaft sind nach Ausgangsmaterial, Bodenbildung, Bodenwasser- und Bodenstoffhaushalt u.a. als typisch anzusehen?

·      Welche Nutzungsart ist vorherrschend?

·      Welche Belastungsintensitäten sind ursächlich zu berücksichtigen?

·      Kann eine BDF in bestehende bzw. existierende Messnetze integriert werden?

·      Ist der langfristige Betrieb der BDF bei gleichbleibender Nutzungsart gesichert und ist die Erfassung der Bewirtschaftungsmaßnahmen gewährleistet?

 

Das Verfahren der Boden-Dauerbeobachtung (Abbildung 15) beinhaltet im Rahmen einer Grundinventur die Einrichtung einer definierten Kernfläche von ca. 1.000 m² mit einem gleichförmigen Profilaufbau.

 

Abbildung 15: Verfahren der Boden-Dauerbeobachtung

Quelle: Ad-hoc-AG Boden-Dauerbeobachtung (2000)

 

Diese Fläche wird mittels Kartierung nach der aktuellen Bodenkundlichen Kartieranleitung (Ad-hoc-AG Boden der Geologischen Landesämter und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe 1994) ausgewiesen. Die Eckpunkte der Kernfläche werden unterirdisch vermarkt (die Bewirtschaftung der Fläche ist damit weiterhin möglich) und die Koordinaten mittels Global Positioning System (GPS) bestimmt.

 

Abbildung 16: Probenahmeplan Acker

 


Zur Bestimmung chemischer und physikalischer Parameter werden nach einem feststehenden Schema (Abbildung 16) horizontbezogene Bodenproben genommen.

Die Proben werden aus Schürfgrube, Rammkernsondierungen/Moorkammerbohrungen und Mischproben des Oberbodens gewonnen, um sie später im Labor nach Standardmethoden untersuchen zu lassen.

 

Untersuchungsparameter Mineralboden (Standard 1)

 

(1)  Bodenphysik

a)    Feuchtrohdichte, Trockenrohdichte

b)    Wassergehalt

c)    Substanzvolumen, Porenvolumen

d)    Gehalt an organischem Kohlenstoff

e)    Korngrößenverteilung

f)     gesättigte hydraulische Leitfähigkeit (kf)

(2)  Bodenchemie

a)    pH-Wert der Bodensuspension als pH (H2O), pH (KCl), pH (CaCl2)

b)    Gesamtkohlenstoffgehalt, Gesamtstickstoffgehalt, Gesamtschwefelgehalt

c)    Carbonatgehalt nach der Methode Scheibler

d)    Elementgesamtgehalte mit Röntgenfluoreszenz: SiO2, Al2O3, Fe2O3, MnO, MgO, CaO, Na2O, K2O, P2O5, TiO2, Ba, Ce, Co, Cr, Cu, Ga, La, Nb, Ni, Pb, Rb, Sc, Sr, Th, U, V, Y, Zn, Zr

e)    Flüchtige Stoffe als Glühverluste bei 105°C, 550°C, 1.030°C

f)     Nährstoffe Phosphor und Kalium im Extrakt (Lactatauszug nach VDLUFA)

g)    Nährstoff Magnesium im Extrakt (CaCl2-Auszug nach VDLUFA)

h)    Potentiell austauschbare Kationen mit BaCl2 bei pH-Wert 8,1: Ca, Mg, K, Na

i)      Effektiv austauschbare Kationen mit BaCl2 bei dem aktuellen pH-Wert des Bodens:
Ca, Mg, K, Na, Fe, Al, Mn, H

j)      Eisen, Aluminium und Mangan im Oxalatextrakt (nach DIN 19684, T. 6)

k)    Eisen, Aluminium und Mangan im Dithionitextrakt (nach Mehra und Jackson 1960)

l)      Spurenmetalle im Totalaufschluss: As, Cd, Sb, Se, Hg

m)  spezifische elektrische Leitfähigkeit

 

Untersuchungsparameter Moor (Standard 2)

 

(1)  Bodenphysik

a)    Feuchtrohdichte, Trockenrohdichte

b)    Wassergehalt

c)    Substanzvolumen, Porenvolumen

d)    Korngrößenverteilung bei weniger als 30 % Humus

e)    gesättigte hydraulische Leitfähigkeit (kf)

(2)  Bodenchemie

a)    Gehalt an organischem Kohlenstoff

b)    pH-Wert der Bodensuspension als pH (CaCl2)

c)    Gesamtkohlenstoffgehalt, Gesamtstickstoffgehalt, Gesamtschwefelgehalt

d)    Carbonatgehalt nach der Methode Scheibler

e)    Elementgesamtgehalte mit Röntgenfluoreszenz: SiO2, Al2O3, Fe2O3, MnO, MgO, CaO, Na2O, K2O, P2O5, TiO2, Ba, Ce, Co, Cr, Cu, Ga, La, Nb, Ni, Pb, Rb, Sc, Sr, Th, U, V, Y, Zn, Zr

f)     Flüchtige Stoffe als Glühverluste bei 105°C, 550°C, 1.030°C

g)    Nährstoffe Phosphor und Kalium im Extrakt (Lactatauszug nach VDLUFA)

h)    Spurenmetalle im Totalaufschluss: As, Cd, Sb, Se, Hg

i)      spezifische elektrische Leitfähigkeit

 

Ein Teil des Probenmaterials wird in der Bodenprobenbank des Geologischen Dienstes abgelegt.

Die Profil-, Horizont- und Labordaten werden in das FISBO M-V (siehe Kapitel 3.1.1.2) eingepflegt. Nachdem alle Daten vorliegen, ist die minimale Grundinventur einer BDF-L abgeschlossen. Neben der Beschreibung und Analytik der Bodenmatrix (Bodenfestphase) sind auch Untersuchungen von Bodenwasser, Bodenluft, Bodenbiologie und Vegetation vorgesehen.

Weiterhin wird dem Geologischen Dienst durch den bewirtschaftenden Landwirt jährlich eine Schlagkartei übergeben. Aus ihr sind z.B. Angaben zu Bearbeitung, Düngung und Pflanzenschutzmaßnahmen zu entnehmen.

 

Um signifikante Veränderungen der Böden zu erfassen und Trends abzuleiten, sind Vergleiche der Erstuntersuchungsergebnisse mit Wiederholungsuntersuchungen notwendig. Die Intervalle für Wiederholungsuntersuchungen hängen von den zu erfassenden Parametern und dem Repräsentanzspektrum der BDF ab. Für Grundparameter wird ein Untersuchungsturnus von 5-10 Jahren empfohlen (Ad-hoc-AG Boden-Dauerbeobachtung 2000).

In Mecklenburg-Vorpommern erfolgte bisher keine Wiederholungsuntersuchung der BDF-L. Alle bisher eingerichteten BDF-L sind Basis-BDF, womit das Verfahren der Merkmalsdokumentation zur Anwendung kommt (Abbildung 15).

 

 

Karte 5: Übersicht der eingerichteten und geplanten BDF-L in M-V


 


Tabelle 29: Übersicht eingerichteter und geplanter BDF-L in Mecklenburg-Vorpommern

Nr.

Gemarkung

Geologie/Substrat

Bodensystematische Einheit

Nutzungsart

Status

1

Trent

Geschiebelehm und -mergel der Grundmoräne

Pseudogley-Parabraunerde

Acker

eingerichtet

2

Seedorf

Geschiebelehm und -mergel der Grundmoräne

Parabraunerde

Acker

eingerichtet

3

Lambrechtshagen

Geschiebelehm und -mergel der Grundmoräne

Pseudogley

Acker

geplant

4

Göldenitz

Hochmoortorf

Hochmoor

NSG

geplant

5

Zingst

marine, holozäne Sande/ Meersand

(Norm-)Gley

Mähweide

eingerichtet

6

Klockenhagen

Feinsand, schluffig in Becken (glazilimnisch)

Podsol-Braunerde

Acker

geplant

7

Velgast

Geschiebelehm und -mergel der Grundmoräne

Parabraunerde-Pseudogley

Acker

geplant

8

Franzburg

Geschiebelehm und -mergel der Grundmoräne

Parabraunerde

Acker

geplant

9

Kalkhorst

Grundmoräne/(Kryo-)Lehm über tiefem Moränenlehm

(Norm-)Pseudogley

Acker

eingerichtet

10

Blowatz

Geschiebelehm und -mergel der Grundmoräne

Pelosol

Acker

geplant

11

Kleinfeld

Grundmoräne/Moränenlehm

Parabraunerde-Pseudogley

Acker

eingerichtet

12

Laage

Niedermoor über Mudden

Niedermoor

Mähweide

geplant

13

Lüssow

Sand in der Grundmoräne (glazifluviatil, glazilimnisch)

Braunerde

Acker

geplant

14

Dehmen

Flacher Anthrosand über Torf

Niedermoor-Erdfehn

Wiese

eingerichtet

15

Tellow

Geschiebelehm und -mergel der Grundmoräne

Pseudogley-Parabraunerde

Acker

geplant

16

Klein Markow

Torf

Niedermoor-Fehnmulm

Wiese

eingerichtet

17

Rustow

Torf

Kalkniedermoor

Mähweide

eingerichtet

18a

Kittendorf (Auftrag)

Grundmoräne/Hangsand über Moränenlehm

Kolluvisol über Gley

Acker

eingerichtet

18b

Kittendorf (Abtrag)

Grundmoräne/Moränenlehm

Pseudogley-Pararendzina

Acker

eingerichtet

19

Lubmin

Geschiebelehm und -mergel der Grundmoräne

Braunerde-Gley

Acker

geplant

20

Anklam

Niedermoor über Mudde

Niedermoor

Deponie

geplant

21

Zirchow

Sand, Blockpackung in Endmoränen

Braunerde

Acker

geplant

22

Lassahn

Geschiebelehm und -mergel der Grundmoräne

Parabraunerde-Pseudogley

Acker

geplant

23

Zühr

Grundmoräne/ Moränensand über tiefem Moränenlehm

Pseudogley-Parabraunerde

Acker

eingerichtet

24

Sülstorf

Sander/Geschiebedecksand über tiefem Fluvisand

Acker-Braunerde-Podsol (Rosterde)

Acker

eingerichtet

25

Garlitz

Sand des Urstromtales/Fluvisand

Podsol-Gley

Acker

eingerichtet

26

Sternberg

Endmoräne/Moränensand

Braunerde

Acker

geplant

27

Leezen

Grundmoräne/(Kryo-)Lehm über Moränenlehm

Pseudogley-Parabraunerde

Acker

eingerichtet

28

Banzkow

Sand des Urstromtales/Fluvisand

Gley-Braunerde

Acker

eingerichtet

29

Goldenstädt

Torf über tiefer Mudde

Niedermoor-Mulm

Weide

eingerichtet

30

Severin

Sander/ über tiefem Fluvisand

(Norm-)Parabraunerde

Acker

eingerichtet

31

Greven

Grundmoräne/Geschiebedecksand über Moränenlehm

(Norm-)Parabraunerde

Acker

eingerichtet

32

Hohen Wangelin

Sand der Sander

Podsol-Braunerde

Acker

geplant

33

Bornhof

Sand der Sander

Rosterde

Acker

geplant

34

Zirzow

Geschiebelehm und -mergel der Grundmoräne

Fahlerde

Acker

geplant

35

Krickow

Geschiebelehm und -mergel der Grundmoräne

Fahlerde

Acker

geplant

36

Helpt

Beckenton (glazilimnisch)

Gley

Acker

geplant

37

Dalmsdorf

Sander/Fluvisand

(Norm-)Braunerde

Acker

eingerichtet

38

Eggesin

Feinsand, schluffig in Becken (glazilimnisch)

Gley-Podsol

Acker

geplant

39

Rieth

Torf über Fluvisand

Niedermoor-Fehn

Grünland

eingerichtet

40

Ochsenweide

Torf

Niedermoor-Erdfehn

Mähweide

eingerichtet

41

Altwigshagen

Torf

Übergangsniedermoor

Weide

eingerichtet

42

Teufelsbrücke

Torf

Niedermoor-Erdfehn

Mähweide

eingerichtet

43

Glashütte

glazilimnisches Becken/Fluvisand

Braunerde

Ackerbrache

eingerichtet

44

Nadrensee

Grundmoräne/Geschiebedecksand über Moränenlehm

Braunerde

Acker

eingerichtet

45

Dargun

Grundmoräne/Geschiebedecksand über Moränenlehm

(Norm-)Fahlerde

Acker

eingerichtet

46

Poel

Grundmoräne/Geschiebedecksand über Moränenlehm

Pseudogley-Parabraunerde

Acker

eingerichtet

 

Die direkte Erfassung von Stoffflüssen in Böden (Prozessdokumentation) erfordert die Installation von Messeinrichtungen an bzw. in der näheren Umgebung der BDF (Intensiv-BDF). Dieses Verfahren ist als Frühwarnsystem, für die Umfeldüberwachung und als Versuchsplattform für die Forschung gut geeignet (Ad-hoc-AG Boden-Dauerbeobachtung 2000).

 

Für die forstlich genutzten Boden-Dauerbeobachtungsflächen (BDF-F) wurden auf die speziellen Standortbedingungen angepasste Dauerbeobachtungsprogramme aufgelegt. Die Zuständigkeit für die BDF-F obliegt dem Landesamt für Forsten und Großschutzgebiete Mecklenburg-Vorpommern (LFG M-V).