Der Boden nimmt im Rahmen der integrativen Umweltbeobachtung eine zentrale Stellung ein. Er vereinigt als Schnittstelle zwischen den Kompartimenten Gestein, Wasser, Luft und Organismen gleich mehrere Teilgebiete der Umweltbeobachtung.
Ziel der Boden-Dauerbeobachtung ist es, den aktuellen Zustand der Böden zu erfassen (Dokumentation), ihre Veränderungen langfristig zu überwachen (Monitoring) und Entwicklungstendenzen abzuleiten (Prognose).
In Mecklenburg-Vorpommern wurden Boden-Dauerbeobachtungsflächen auf landwirtschaftlich genutzten Standorten (BDF-L) und auf Waldstandorten (BDF-F) eingerichtet. Für die BDF-L ist das LUNG zuständig und die BDF-F werden vom Landesamt für Forsten und Großschutzgebiete Mecklenburg-Vorpommern unterhalten.
Wesentliche Funktionen der Boden-Dauerbeobachtung (Ad-hoc-AG Boden-Dauerbeobachtung 2000):
· Frühwarnsystem für schädliche Bodenveränderungen
· Kontrollinstrument für umweltpolitische Maßnahmen
·
Beweissicherung
·
Umfeld-Überwachung
·
Referenz für Bodenbelastungen
(Hintergrundwerte, Bodenbelastungskataster)
·
Versuchsplattform für Forschung
(z.B. zur Methodenentwicklung)
·
Referenz für die bodenkundliche Standortaufnahme
Mit der
bundesweiten Einrichtung von BDF entsteht ein repräsentatives Messnetz für
verschiedene Umweltschutzaufgaben. Der Datenbestand ausgewählter BDF wird auch
für europaweite Auswertungen herangezogen.
Die
landwirtschaftlich genutzten Boden-Dauerbeobachtungsflächen (BDF-L) in Mecklenburg-Vorpommern werden seit
1993 durch den Geologischen Dienst des Landes eingerichtet und betrieben. Für
die BDF-L werden Nutzungsverträge mit den Flächeneigentümern/-bewirtschaftern
abgeschlossen. Von insgesamt 46 geplanten BDF-L (auf Acker und Grünland) wurden bisher
26 Flächen eingerichtet (Karte 5).
Um eine hohe Repräsentanz der Standorte zu gewährleisten, erfolgt die
Auswahl über landesspezifisch gewichtete Themenkomplexe (Ad-hoc-AG Boden-Dauerbeobachtung 2000):
·
Welche Landschaften
sind charakteristisch bzw. flächenhaft vorherrschend?
· Welche Böden einer Landschaft sind nach Ausgangsmaterial, Bodenbildung, Bodenwasser- und Bodenstoffhaushalt u.a. als typisch anzusehen?
·
Welche
Nutzungsart ist vorherrschend?
·
Welche
Belastungsintensitäten sind ursächlich zu berücksichtigen?
·
Kann eine BDF
in bestehende bzw. existierende Messnetze integriert werden?
·
Ist der
langfristige Betrieb der BDF bei gleichbleibender Nutzungsart gesichert und ist
die Erfassung der Bewirtschaftungsmaßnahmen gewährleistet?
Das Verfahren der Boden-Dauerbeobachtung (Abbildung 15) beinhaltet im
Rahmen einer Grundinventur die Einrichtung einer definierten Kernfläche
von ca. 1.000 m² mit einem gleichförmigen Profilaufbau.
Abbildung 15: Verfahren der Boden-Dauerbeobachtung

Quelle: Ad-hoc-AG Boden-Dauerbeobachtung (2000)
Diese Fläche wird mittels Kartierung nach der aktuellen Bodenkundlichen Kartieranleitung (Ad-hoc-AG Boden der Geologischen Landesämter und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe 1994) ausgewiesen. Die Eckpunkte der Kernfläche werden unterirdisch vermarkt (die Bewirtschaftung der Fläche ist damit weiterhin möglich) und die Koordinaten mittels Global Positioning System (GPS) bestimmt.
Abbildung 16: Probenahmeplan Acker

Zur Bestimmung chemischer und physikalischer Parameter werden nach einem feststehenden
Schema (Abbildung 16) horizontbezogene Bodenproben
genommen.
Die Proben werden aus Schürfgrube, Rammkernsondierungen/Moorkammerbohrungen und Mischproben des Oberbodens gewonnen, um sie später im Labor nach Standardmethoden untersuchen zu lassen.
|
Untersuchungsparameter Mineralboden (Standard 1) (1) Bodenphysik a)
Feuchtrohdichte, Trockenrohdichte b)
Wassergehalt c)
Substanzvolumen, Porenvolumen d)
Gehalt an organischem Kohlenstoff e)
Korngrößenverteilung f)
gesättigte hydraulische Leitfähigkeit (kf) (2) Bodenchemie a)
pH-Wert der Bodensuspension als pH (H2O), pH (KCl), pH
(CaCl2) b)
Gesamtkohlenstoffgehalt, Gesamtstickstoffgehalt, Gesamtschwefelgehalt c)
Carbonatgehalt nach der Methode Scheibler d)
Elementgesamtgehalte mit Röntgenfluoreszenz: SiO2, Al2O3,
Fe2O3, MnO, MgO, CaO, Na2O, K2O,
P2O5, TiO2, Ba, Ce, Co, Cr, Cu, Ga, La, Nb,
Ni, Pb, Rb, Sc, Sr, Th, U, V, Y, Zn, Zr e)
Flüchtige Stoffe als Glühverluste bei 105°C, 550°C, 1.030°C f)
Nährstoffe Phosphor und Kalium im Extrakt (Lactatauszug nach VDLUFA) g)
Nährstoff Magnesium im Extrakt (CaCl2-Auszug nach VDLUFA) h)
Potentiell austauschbare Kationen mit BaCl2 bei pH-Wert
8,1: Ca, Mg, K, Na i)
Effektiv austauschbare Kationen mit BaCl2 bei dem aktuellen
pH-Wert des Bodens: j)
Eisen, Aluminium und Mangan im Oxalatextrakt (nach DIN 19684, T. 6) k)
Eisen, Aluminium und Mangan im Dithionitextrakt (nach Mehra und Jackson 1960) l)
Spurenmetalle im Totalaufschluss: As, Cd, Sb, Se, Hg m) spezifische elektrische Leitfähigkeit |
|
Untersuchungsparameter Moor (Standard 2) (1) Bodenphysik a)
Feuchtrohdichte, Trockenrohdichte b)
Wassergehalt c)
Substanzvolumen, Porenvolumen d)
Korngrößenverteilung bei weniger als 30 % Humus e)
gesättigte hydraulische Leitfähigkeit (kf) (2) Bodenchemie a)
Gehalt an organischem Kohlenstoff b)
pH-Wert der Bodensuspension als pH (CaCl2) c)
Gesamtkohlenstoffgehalt, Gesamtstickstoffgehalt, Gesamtschwefelgehalt d)
Carbonatgehalt nach der Methode Scheibler e)
Elementgesamtgehalte mit Röntgenfluoreszenz: SiO2, Al2O3,
Fe2O3, MnO, MgO, CaO, Na2O, K2O,
P2O5, TiO2, Ba, Ce, Co, Cr, Cu, Ga, La, Nb,
Ni, Pb, Rb, Sc, Sr, Th, U, V, Y, Zn, Zr f)
Flüchtige Stoffe als Glühverluste bei 105°C, 550°C, 1.030°C g)
Nährstoffe Phosphor und Kalium im Extrakt (Lactatauszug nach VDLUFA) h)
Spurenmetalle im Totalaufschluss: As, Cd, Sb, Se, Hg i)
spezifische elektrische Leitfähigkeit |
Ein Teil des Probenmaterials wird in der Bodenprobenbank des Geologischen Dienstes abgelegt.
Die Profil-, Horizont- und Labordaten werden in das FISBO M-V (siehe Kapitel 3.1.1.2) eingepflegt. Nachdem alle Daten vorliegen, ist die minimale Grundinventur einer BDF-L abgeschlossen. Neben der Beschreibung und Analytik der Bodenmatrix (Bodenfestphase) sind auch Untersuchungen von Bodenwasser, Bodenluft, Bodenbiologie und Vegetation vorgesehen.
Weiterhin wird dem Geologischen Dienst durch den bewirtschaftenden Landwirt jährlich eine Schlagkartei übergeben. Aus ihr sind z.B. Angaben zu Bearbeitung, Düngung und Pflanzenschutzmaßnahmen zu entnehmen.
Um signifikante Veränderungen der
Böden zu erfassen und Trends abzuleiten, sind Vergleiche der
Erstuntersuchungsergebnisse mit Wiederholungsuntersuchungen notwendig. Die Intervalle
für Wiederholungsuntersuchungen hängen von den zu erfassenden Parametern und
dem Repräsentanzspektrum der BDF ab. Für Grundparameter wird ein
Untersuchungsturnus von 5-10 Jahren empfohlen (Ad-hoc-AG Boden-Dauerbeobachtung 2000).
In Mecklenburg-Vorpommern erfolgte bisher keine Wiederholungsuntersuchung der BDF-L. Alle bisher eingerichteten BDF-L sind Basis-BDF, womit das Verfahren der Merkmalsdokumentation zur Anwendung kommt (Abbildung 15).
Karte 5: Übersicht der eingerichteten und geplanten BDF-L in M-V
|
Nr. |
Gemarkung |
Geologie/Substrat |
Bodensystematische
Einheit |
Nutzungsart |
Status |
|
1 |
Trent |
Geschiebelehm
und -mergel der Grundmoräne |
Pseudogley-Parabraunerde |
Acker |
eingerichtet |
|
2 |
Seedorf |
Geschiebelehm
und -mergel der Grundmoräne |
Parabraunerde |
Acker |
eingerichtet |
|
3 |
Lambrechtshagen |
Geschiebelehm
und -mergel der Grundmoräne |
Pseudogley |
Acker |
geplant |
|
4 |
Göldenitz |
Hochmoortorf |
Hochmoor |
NSG |
geplant |
|
5 |
Zingst |
marine,
holozäne Sande/ Meersand |
(Norm-)Gley |
Mähweide |
eingerichtet |
|
6 |
Klockenhagen |
Feinsand,
schluffig in Becken (glazilimnisch) |
Podsol-Braunerde |
Acker |
geplant |
|
7 |
Velgast |
Geschiebelehm
und -mergel der Grundmoräne |
Parabraunerde-Pseudogley |
Acker |
geplant |
|
8 |
Franzburg |
Geschiebelehm
und -mergel der Grundmoräne |
Parabraunerde |
Acker |
geplant |
|
9 |
Kalkhorst |
Grundmoräne/(Kryo-)Lehm
über tiefem Moränenlehm |
(Norm-)Pseudogley |
Acker |
eingerichtet |
|
10 |
Blowatz |
Geschiebelehm
und -mergel der Grundmoräne |
Pelosol |
Acker |
geplant |
|
11 |
Kleinfeld |
Grundmoräne/Moränenlehm |
Parabraunerde-Pseudogley |
Acker |
eingerichtet |
|
12 |
Laage |
Niedermoor
über Mudden |
Niedermoor |
Mähweide |
geplant |
|
13 |
Lüssow |
Sand
in der Grundmoräne (glazifluviatil, glazilimnisch) |
Braunerde |
Acker |
geplant |
|
14 |
Dehmen |
Flacher
Anthrosand über Torf |
Niedermoor-Erdfehn |
Wiese |
eingerichtet |
|
15 |
Tellow |
Geschiebelehm
und -mergel der Grundmoräne |
Pseudogley-Parabraunerde |
Acker |
geplant |
|
16 |
Klein
Markow |
Torf |
Niedermoor-Fehnmulm |
Wiese |
eingerichtet |
|
17 |
Rustow |
Torf |
Kalkniedermoor |
Mähweide |
eingerichtet |
|
18a |
Kittendorf
(Auftrag) |
Grundmoräne/Hangsand
über Moränenlehm |
Kolluvisol
über Gley |
Acker |
eingerichtet |
|
18b |
Kittendorf
(Abtrag) |
Grundmoräne/Moränenlehm |
Pseudogley-Pararendzina |
Acker |
eingerichtet |
|
19 |
Lubmin |
Geschiebelehm
und -mergel der Grundmoräne |
Braunerde-Gley |
Acker |
geplant |
|
20 |
Anklam |
Niedermoor
über Mudde |
Niedermoor |
Deponie |
geplant |
|
21 |
Zirchow |
Sand,
Blockpackung in Endmoränen |
Braunerde |
Acker |
geplant |
|
22 |
Lassahn |
Geschiebelehm
und -mergel der Grundmoräne |
Parabraunerde-Pseudogley |
Acker |
geplant |
|
23 |
Zühr |
Grundmoräne/
Moränensand über tiefem Moränenlehm |
Pseudogley-Parabraunerde |
Acker |
eingerichtet |
|
24 |
Sülstorf |
Sander/Geschiebedecksand
über tiefem Fluvisand |
Acker-Braunerde-Podsol
(Rosterde) |
Acker |
eingerichtet |
|
25 |
Garlitz |
Sand
des Urstromtales/Fluvisand |
Podsol-Gley |
Acker |
eingerichtet |
|
26 |
Sternberg |
Endmoräne/Moränensand |
Braunerde |
Acker |
geplant |
|
27 |
Leezen |
Grundmoräne/(Kryo-)Lehm
über Moränenlehm |
Pseudogley-Parabraunerde |
Acker |
eingerichtet |
|
28 |
Banzkow |
Sand
des Urstromtales/Fluvisand |
Gley-Braunerde |
Acker |
eingerichtet |
|
29 |
Goldenstädt |
Torf
über tiefer Mudde |
Niedermoor-Mulm |
Weide |
eingerichtet |
|
30 |
Severin |
Sander/
über tiefem Fluvisand |
(Norm-)Parabraunerde |
Acker |
eingerichtet |
|
31 |
Greven |
Grundmoräne/Geschiebedecksand
über Moränenlehm |
(Norm-)Parabraunerde |
Acker |
eingerichtet |
|
32 |
Hohen
Wangelin |
Sand
der Sander |
Podsol-Braunerde |
Acker |
geplant |
|
33 |
Bornhof |
Sand
der Sander |
Rosterde |
Acker |
geplant |
|
34 |
Zirzow |
Geschiebelehm
und -mergel der Grundmoräne |
Fahlerde |
Acker |
geplant |
|
35 |
Krickow |
Geschiebelehm
und -mergel der Grundmoräne |
Fahlerde |
Acker |
geplant |
|
36 |
Helpt |
Beckenton
(glazilimnisch) |
Gley |
Acker |
geplant |
|
37 |
Dalmsdorf |
Sander/Fluvisand |
(Norm-)Braunerde |
Acker |
eingerichtet |
|
38 |
Eggesin |
Feinsand,
schluffig in Becken (glazilimnisch) |
Gley-Podsol |
Acker |
geplant |
|
39 |
Rieth |
Torf
über Fluvisand |
Niedermoor-Fehn |
Grünland |
eingerichtet |
|
40 |
Ochsenweide |
Torf |
Niedermoor-Erdfehn |
Mähweide |
eingerichtet |
|
41 |
Altwigshagen |
Torf |
Übergangsniedermoor |
Weide |
eingerichtet |
|
42 |
Teufelsbrücke |
Torf |
Niedermoor-Erdfehn |
Mähweide |
eingerichtet |
|
43 |
Glashütte |
glazilimnisches
Becken/Fluvisand |
Braunerde |
Ackerbrache |
eingerichtet |
|
44 |
Nadrensee |
Grundmoräne/Geschiebedecksand
über Moränenlehm |
Braunerde |
Acker |
eingerichtet |
|
45 |
Dargun |
Grundmoräne/Geschiebedecksand
über Moränenlehm |
(Norm-)Fahlerde |
Acker |
eingerichtet |
|
46 |
Poel |
Grundmoräne/Geschiebedecksand
über Moränenlehm |
Pseudogley-Parabraunerde |
Acker |
eingerichtet |
Die direkte Erfassung von
Stoffflüssen in Böden (Prozessdokumentation) erfordert die Installation
von Messeinrichtungen an bzw. in der näheren Umgebung der BDF (Intensiv-BDF).
Dieses Verfahren ist als Frühwarnsystem, für die Umfeldüberwachung und als
Versuchsplattform für die Forschung gut geeignet (Ad-hoc-AG Boden-Dauerbeobachtung 2000).
Für die forstlich genutzten Boden-Dauerbeobachtungsflächen (BDF-F) wurden auf die speziellen Standortbedingungen angepasste Dauerbeobachtungsprogramme aufgelegt. Die Zuständigkeit für die BDF-F obliegt dem Landesamt für Forsten und Großschutzgebiete Mecklenburg-Vorpommern (LFG M-V).