3.1.2    Altlasteninformationssysteme

Die Daten zu altlastverdächtigen Flächen und Altlasten werden erhoben, um Altablagerungen und Altstandorte mit ihrer Lage und Bezeichnung sowie dem Grund (des Verdachts) für eine von ihnen ausgehende Gefahr zu erfassen und den zuständigen Umweltbehörden bekannt zu machen. Damit soll die geordnete Bearbeitung dieser Flächen gewährleistet werden sowie die Kenntnisse zu den potentiellen Auswirkungen dieser Flächen Berücksichtigung finden bei beabsichtigen Nutzungsänderungen im Umfeld oder Planungsvorhaben. Flächen mit schädlichen Bodenveränderungen werden in Mecklenburg-Vorpommern gegenwärtig noch nicht erfasst.

Die im folgenden beschriebenen Altlasteninformationssysteme dienen der DV-technischen Erfassung, Verwaltung und Auswertung der relevanten Daten von altlastverdächtigen Flächen und Altlasten.

 

Erfassung und Erstbewertung von altlastverdächtigen Flächen und Altlasten mit dem Programm ALPHA 2000

Altablagerungen und Altstandorte des Landes Mecklenburg-Vorpommern werden in einem Altlastenkataster zentral beim LUNG erfasst (siehe § 23 Abs. 2 Satz 1 und 2 AbfAlG MV). Die Basisdaten werden in den 12 Landkreisen bzw. den 6 kreisfreien Städten des Landes Mecklenburg-Vorpommern ermittelt, aktualisiert und - im Regelfall - halbjährlich dem LUNG gemeldet.

Die Erfassung erfolgt mit Hilfe des Programms ALPHA 2000, dem eine ACCESS-Datenbank zugrunde liegt und das über eine WINDOWS-Oberfläche bedient wird (Abbildung 14). Um eine möglichst fehlerfreie Dateneingabe bzw. eine eindeutige Festlegung eines Merkmals zu ermöglichen, wurden die Eingabemasken so gestaltet, dass die Eintragung von Informationen so weit als möglich über Auswahlfenster erfolgt. Damit wird die Datenauswertung über eine Datenbankabfrage vereinfacht und Fehler werden vermieden.

 

Die Datenbank beinhaltet folgende Eingabemasken (Datenblätter) mit den genannten Parametern:

1.    Identifikation: z.B. Teilflächeninformation, Identifikationsdaten

2.    Karteninfo: Topographische Karte, Hoch- und Rechtswerte

3.    Schadstoffpotenzial: z.B. Betriebsbeginn/-ende, Flächengröße bzw. Deponievolumen, Branchen bzw. Deponietyp

4.    Standortbedingungen und Nutzungen/Schutzgüter: Oberflächenbeschaffenheit, hydrogeologische Parameter, Entfernungen z.B. zum Trinkwasserschutzgebiet

5.    Betreiber/Eigentümer/Behörden

6.    Festgestellte Belastungen: unterteilt in Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden, Luft und besondere Vorkommnisse

7.    Vorhandene Kontroll- und Sicherungseinrichtungen: unterteilt in Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden, Luft

8.    Bewertungssummen: unterteilt in Grundwasser, Oberflächengewässer, Boden, Luft

 

Altablagerungen und Altstandorte werden getrennt voneinander im Altlastenkataster aufgenommen. Die Datenaufnahme von Altablagerungen und Altstandorten ist bis auf zwei Ausnahmen identisch. Beim Datenblatt zur Erfassung des Schadstoffpotenzials sind bei Altablagerungen Angaben zu den abgelagerten Abfallarten und zum Deponievolumen von Interesse; bei den Altstandorten sind Angaben zur Branche eines Betriebes und zur Flächengröße gefragt.

 

Neben der Erfassung ermöglicht das Programm ALPHA 2000 eine Erstbewertung der eingetragenen altlastverdächtigen Flächen für die Pfade Grundwasser, Boden, Oberflächenwasser und Luft (RISA Sicherheitsanalysen GmbH 2000). Für diese Erstbewertung wird eine Reihe von Mindestinformationen benötigt wie Angaben über:

·   Entfernungen z.B. zu Wohnbebauung, Wassergewinnungsanlagen und Naturschutzflächen,

·   Oberflächenbeschaffenheit,

·   Sohllage zum Grundwasser,

·   Durchlässigkeit der Deckschichten und

·   Geschütztheitsgrad des Grundwassers.

 

Im ersten Schritt wird die potenzielle Gefährdung eines Standortes über Bewertungszahlen ermittelt. Grundlage hierfür sind die Dateneinträge. Die Bewertungszahlen werden von ALPHA 2000 einheitlich zugewiesen. Im zweiten Schritt wird eine Beziehung zwischen den ermittelten Bewertungszahlen und den Nutzungen und Schutzgütern hergestellt. Aus dem 1. und 2. Schritt ergibt sich eine pfadbezogene Maßnahmenempfehlung. Die einzelnen Empfehlungen umfassen jeweils Sofortmaßnahmen und Empfehlungen für die sich gegebenenfalls anschließenden orientierende Untersuchungen.

 

Abbildung 14: Eingabeformular im ALPHA 2000 für festgestellte Belastungen


 

 


Informationssystem für Rüstungsaltlastverdachtsstandorte (RAIS)

Im Rahmen der gezielten Nachermittlung von Rüstungsaltlastverdachtsstandorten, die von 1998 bis 1999 im Auftrag des LUNG durchgeführt wurde, entstand das Informationssystem RAIS. Es verwaltet komplexe Sachdaten, führt automatisierte Erstbewertungen durch, generiert statistische Übersichtsdarstellungen und durchsucht Datensätze nach verschiedenen Recherchevorgaben (Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V 1999c).

 

Die Datenbank beinhaltet folgende Erfassungsmasken mit den genannten Parametern:

·      Identifikation: z.B. Bezeichnung, Ortsangaben, Kartengrundlagen

·      Altlastenrelevante Nutzungen: z.B. Nutzungsart, Nutzungsbeginn/-ende, besondere Ereignisse, Betriebseinrichtungen

·      Schutzgüter: hydrogeologische Parameter, Entfernung z.B. zum Trinkwasserschutzgebiet

·      Betreiber und Eigentümer: Angaben zum Betreiber und Eigentümer, vorhandene Materialien, beteiligte Behörden, festgestellte Belastungen, sonstige Schäden

·      Kontroll- und Sicherungseinrichtungen: bzgl. Grund-, Oberflächenwasser, Boden und Luft

·      Erkenntnisstand: bzgl. Stoffinventar, Rekonstruktion der Anlage, Lokalisierung von Verdachtsflächen

·      Recherchen/Untersuchungen: Archivfundstellen, Gutachten, UBA-Altdaten und Analysenergebnisse

 

Ferner verfügt RAIS über ein vollständig integriertes geographisches Informationssystem, mit dem die Lage des Standortes automatisch auf einer großmaßstäbigen Kartengrundlage angezeigt wird. Außerdem können Text-, Tabellen- oder Grafikdokumente über Verknüpfungen eingebunden werden; Rechercheergebnisse und Metadaten zu Archivfundstellen, UBA-Altdaten, Gutachten und Analysenergebnisse lassen sich standortspezifisch in Berichten zusammenstellen.

 

 

Altlastengutachtenkatalog

Der Altlastengutachtenkatalog ermöglicht die Recherche über Eckdaten von aktuell 3.206 Gutachten (Stand: Ende 2001), die seit 1990 im Rahmen der Altlastenbearbeitung erstellt wurden und der Landesumweltverwaltung vorliegen.

 

Im Altlastengutachtenkatalog lässt sich mittels folgender Filterkriterien recherchieren:

·      Registriernummer

·      Objektbezeichnung

·      Kreis

·      Gemeinde

·      Datum

·      Beweisniveau (z.B. Erfassung, Orientierende Untersuchung, Detail-, Sanierungsuntersuchung)

 

Ferner ist im Altlastengutachtenkatalog für jedes einzelne Gutachten ein Formblatt mit Detailinformationen enthalten, z.B. über:

·      Gutachtentitel

·      Ingenieurbüro

·      Auftraggeber

·      Standortangaben

·      Branchen

·      Archivstandort

·      Art und Anzahl der Altlastverdachtsflächen

·      Art und Anzahl der Bohrungen

·      Anlagen zum Gutachten