Die Daten zu altlastverdächtigen Flächen und
Altlasten werden erhoben, um Altablagerungen und Altstandorte mit ihrer Lage
und Bezeichnung sowie dem Grund (des Verdachts) für eine von ihnen ausgehende Gefahr
zu erfassen und den zuständigen Umweltbehörden bekannt zu machen. Damit soll
die geordnete Bearbeitung dieser Flächen gewährleistet werden sowie die
Kenntnisse zu den potentiellen Auswirkungen dieser Flächen Berücksichtigung
finden bei beabsichtigen Nutzungsänderungen im Umfeld oder Planungsvorhaben.
Flächen mit schädlichen Bodenveränderungen werden in Mecklenburg-Vorpommern
gegenwärtig noch nicht erfasst.
Die im folgenden beschriebenen
Altlasteninformationssysteme dienen der DV-technischen Erfassung, Verwaltung
und Auswertung der relevanten Daten von altlastverdächtigen Flächen und
Altlasten.
Erfassung und Erstbewertung von altlastverdächtigen Flächen und Altlasten mit dem Programm ALPHA 2000
Altablagerungen und Altstandorte des Landes Mecklenburg-Vorpommern werden in einem Altlastenkataster zentral beim LUNG erfasst (siehe § 23 Abs. 2 Satz 1 und 2 AbfAlG MV). Die Basisdaten werden in den 12 Landkreisen bzw. den 6 kreisfreien Städten des Landes Mecklenburg-Vorpommern ermittelt, aktualisiert und - im Regelfall - halbjährlich dem LUNG gemeldet.
Die Erfassung erfolgt mit Hilfe des Programms ALPHA 2000, dem eine ACCESS-Datenbank zugrunde liegt und das über eine WINDOWS-Oberfläche bedient wird (Abbildung 14). Um eine möglichst fehlerfreie Dateneingabe bzw. eine eindeutige Festlegung eines Merkmals zu ermöglichen, wurden die Eingabemasken so gestaltet, dass die Eintragung von Informationen so weit als möglich über Auswahlfenster erfolgt. Damit wird die Datenauswertung über eine Datenbankabfrage vereinfacht und Fehler werden vermieden.
Die Datenbank beinhaltet folgende Eingabemasken (Datenblätter) mit den genannten Parametern:
1. Identifikation: z.B. Teilflächeninformation, Identifikationsdaten
2. Karteninfo: Topographische Karte, Hoch- und Rechtswerte
3. Schadstoffpotenzial: z.B. Betriebsbeginn/-ende, Flächengröße bzw. Deponievolumen, Branchen bzw. Deponietyp
4. Standortbedingungen und Nutzungen/Schutzgüter: Oberflächenbeschaffenheit, hydrogeologische Parameter, Entfernungen z.B. zum Trinkwasserschutzgebiet
5. Betreiber/Eigentümer/Behörden
6. Festgestellte Belastungen: unterteilt in Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden, Luft und besondere Vorkommnisse
7. Vorhandene Kontroll- und Sicherungseinrichtungen: unterteilt in Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden, Luft
8. Bewertungssummen: unterteilt in Grundwasser, Oberflächengewässer, Boden, Luft
Altablagerungen
und Altstandorte werden getrennt voneinander im Altlastenkataster aufgenommen.
Die Datenaufnahme von Altablagerungen und Altstandorten ist bis auf zwei
Ausnahmen identisch. Beim Datenblatt zur Erfassung des Schadstoffpotenzials
sind bei Altablagerungen Angaben zu den abgelagerten Abfallarten und zum
Deponievolumen von Interesse; bei den Altstandorten sind Angaben zur Branche
eines Betriebes und zur Flächengröße gefragt.
Neben der Erfassung ermöglicht das Programm ALPHA 2000 eine Erstbewertung der eingetragenen altlastverdächtigen Flächen für die Pfade Grundwasser, Boden, Oberflächenwasser und Luft (RISA Sicherheitsanalysen GmbH 2000). Für diese Erstbewertung wird eine Reihe von Mindestinformationen benötigt wie Angaben über:
· Entfernungen z.B. zu Wohnbebauung, Wassergewinnungsanlagen und Naturschutzflächen,
· Oberflächenbeschaffenheit,
· Sohllage zum Grundwasser,
· Durchlässigkeit der Deckschichten und
· Geschütztheitsgrad des Grundwassers.
Im ersten Schritt wird die potenzielle Gefährdung eines Standortes über Bewertungszahlen ermittelt. Grundlage hierfür sind die Dateneinträge. Die Bewertungszahlen werden von ALPHA 2000 einheitlich zugewiesen. Im zweiten Schritt wird eine Beziehung zwischen den ermittelten Bewertungszahlen und den Nutzungen und Schutzgütern hergestellt. Aus dem 1. und 2. Schritt ergibt sich eine pfadbezogene Maßnahmenempfehlung. Die einzelnen Empfehlungen umfassen jeweils Sofortmaßnahmen und Empfehlungen für die sich gegebenenfalls anschließenden orientierende Untersuchungen.
Abbildung 14: Eingabeformular im ALPHA 2000 für festgestellte Belastungen

Informationssystem für Rüstungsaltlastverdachtsstandorte (RAIS)
Im Rahmen der gezielten Nachermittlung von Rüstungsaltlastverdachtsstandorten, die von 1998 bis 1999 im Auftrag des LUNG durchgeführt wurde, entstand das Informationssystem RAIS. Es verwaltet komplexe Sachdaten, führt automatisierte Erstbewertungen durch, generiert statistische Übersichtsdarstellungen und durchsucht Datensätze nach verschiedenen Recherchevorgaben (Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V 1999c).
Die Datenbank beinhaltet folgende Erfassungsmasken mit den genannten Parametern:
· Identifikation: z.B. Bezeichnung, Ortsangaben, Kartengrundlagen
· Altlastenrelevante Nutzungen: z.B. Nutzungsart, Nutzungsbeginn/-ende, besondere Ereignisse, Betriebseinrichtungen
· Schutzgüter: hydrogeologische Parameter, Entfernung z.B. zum Trinkwasserschutzgebiet
· Betreiber und Eigentümer: Angaben zum Betreiber und Eigentümer, vorhandene Materialien, beteiligte Behörden, festgestellte Belastungen, sonstige Schäden
· Kontroll- und Sicherungseinrichtungen: bzgl. Grund-, Oberflächenwasser, Boden und Luft
· Erkenntnisstand: bzgl. Stoffinventar, Rekonstruktion der Anlage, Lokalisierung von Verdachtsflächen
· Recherchen/Untersuchungen: Archivfundstellen, Gutachten, UBA-Altdaten und Analysenergebnisse
Ferner verfügt RAIS über ein vollständig integriertes geographisches Informationssystem, mit dem die Lage des Standortes automatisch auf einer großmaßstäbigen Kartengrundlage angezeigt wird. Außerdem können Text-, Tabellen- oder Grafikdokumente über Verknüpfungen eingebunden werden; Rechercheergebnisse und Metadaten zu Archivfundstellen, UBA-Altdaten, Gutachten und Analysenergebnisse lassen sich standortspezifisch in Berichten zusammenstellen.
Altlastengutachtenkatalog
Der
Altlastengutachtenkatalog ermöglicht die Recherche über Eckdaten von aktuell
3.206 Gutachten (Stand: Ende 2001), die seit 1990 im Rahmen der
Altlastenbearbeitung erstellt wurden und der Landesumweltverwaltung vorliegen.
Im Altlastengutachtenkatalog lässt sich mittels folgender Filterkriterien recherchieren:
·
Registriernummer
·
Objektbezeichnung
·
Kreis
·
Gemeinde
·
Datum
· Beweisniveau (z.B. Erfassung, Orientierende Untersuchung, Detail-, Sanierungsuntersuchung)
Ferner ist im
Altlastengutachtenkatalog für jedes einzelne Gutachten ein Formblatt mit
Detailinformationen enthalten, z.B. über:
·
Gutachtentitel
·
Ingenieurbüro
·
Auftraggeber
·
Standortangaben
·
Branchen
·
Archivstandort
·
Art und Anzahl der Altlastverdachtsflächen
·
Art und Anzahl der Bohrungen
· Anlagen zum Gutachten