3       Informationsgrundlagen

3.1      Informationssysteme

3.1.1    Bodeninformationssystem

Das Bodeninformationssystem (BIS) dient der DV-technischen Verwaltung von Datensammlungen, die alle Bereiche der Erdoberfläche und der oberen Erdkruste betreffen, in die der Mensch durch seine Tätigkeit eingreift. Der Begriff „Boden“ ist in diesem Zusammenhang weiter gefasst, als es die bodenkundliche Definition beinhaltet. Das BIS ist Teil eines umfassenden Umweltinformationssystems (UIS). Es soll Metadaten (Daten zur Organisation und Systematik) und allgemeine Sachdaten enthalten.

Beim Geologischen Dienst des Landes Mecklenburg-Vorpommern wird der Datenbereich „Geowissenschaftliche Grundlagen“ des BIS des Landes verwaltet. Dieser Datenbereich wird fachbezogen in Fachinformationssysteme (FIS) untergliedert:

FIS Geologie, FIS Hydrogeologie, FIS Bodenkunde, FIS Geochemie, FIS Ingenieurgeologie, FIS Rohstoffe.

 

3.1.1.1 Fachinformationssystem Bodenkunde (FISBO)

Die Staatlichen Geologischen Dienste (SGD) der Bundesländer und die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) richteten im Jahr 1989, zur Erarbeitung eines einheitlichen, bundesweit abgestimmten Konzeptes zum Aufbau des FISBO, eine Unterarbeitsgruppe der Ad-hoc-AG Bodenkataster (seit 1994 Ad-hoc-AG Boden) ein. Diese Unterarbeitsgruppe „Fachinformationssystem Bodenkunde“ erarbeitete den Ergebnisbericht „Vorschlag zum Aufbau des Fachinformationssystem Bodenkunde“ (Ad-hoc-AG Boden 1995). Die darin enthaltenen Grundsätze bzw. Mindestanforderungen für die Organisation und Struktur des FISBO wurden bzw. werden beim Aufbau des FISBO Mecklenburg-Vorpommern (FISBO M-V) berücksichtigt.

 

Tabelle 26: Gliederung des FISBO

Datenbereich

Methodenbereich

·       Organisation der Profildaten

·       Festlegung des Bedarfes an Be- und Auswertungsverfahren

·       Organisation der Flächendaten

·       Aufstellen einer Prioritätenliste zur Einbindung in das System

·       Organisation der Labordaten

·       Konzept zur Realisierung

Quelle: Ad-hoc-AG Boden (1995)

 

3.1.1.2 FISBO Mecklenburg-Vorpommern

Das FISBO Mecklenburg-Vorpommern wird durch den Geologischen Dienst Mecklenburg-Vorpommern geführt. Das Datenbanksystem wird gegenwärtig von dBase auf ACCESS umgestellt. Dabei wird sichergestellt, dass die Kompatibilität zum übergeordneten BIS Mecklenburg-Vorpommern gegeben ist. Das FISBO Mecklenburg-Vorpommern verfügt über eine Profil-, Horizont- und Labordatenbank. In der Profildatenbank werden die Daten aus Aufgrabungen/Schürfen, Bohrstock-/Rammkernsondierungen, Moorkammerbohrungen u.a. verwaltet, welche die lokale Einordnung (einschließlich Umweltbedingungen) und die Intensität und Qualität des Aufschlusses kennzeichnen. Die Profildatenbank ist als „Rahmen“ für die profilbeschreibende Horizontdatenbank zu verstehen. Die Aufgabe der Labordatenbank besteht in der strukturellen Zusammenführung aller Analysenergebnisse je Probe, um Auswertung und Bewertung der Daten zu gewährleisten.

Flächendatenbank und Methodenbank wurden bisher nicht aufgebaut.

 

Folgende Inhalte werden u.a. in den bestehenden Datenbanken erfasst:

 

Profildatenbank:

Titeldaten:

Nummer der topographischen Karte 1:25.000; Projektkennzeichnung; Profilnummer; Aufnahmedatum; Bearbeiter; Rechts-Wert; Hoch-Wert; Koordinaten-Findung; Geländehöhe; Höhen-Findung; Aufschlussart; Aufnahmeintensität; Bemerkungen

 

Aufnahmesituation:

Hangneigung; Exposition; Wölbung; Reliefformtyp; metrische Angaben zur Ausdehnung des Reliefformtypes; Mikrorelief; Lage im Relief; Bodenabtrag/-auftrag (Ursache); Bodenabtrag/ -auftrag (Wirkung); Nutzungsart; Vegetation, Zeigerpflanzen; Witterung; anthropogene Veränderungen; Schutzstatus; Bedingungen und verbale Bemerkungen zur Aufnahmesituation

 

Profilkennzeichnung:

Bodensystematische Einheit; Substratsystematische Einheit; Humusform; Grund/ Stauwasserspiegel; Vernässungsgrad; Erosionsgrad; Bodenschätzung; MMK; Forstlicher Standortregionaltyp; Status; Ergänzungen/Interpretationshinweise; Regionalgeologische Einheit; Naturräumliche Einheit; Bodenlandschaft; Gemeinde; Schlüsselnummer; Klimastation/ Messstelle; mittlerer Jahresniederschlag; mittlere Jahrestemperatur; Substrattyp alt; Gründigkeit; Obergrenze des geschlossenen Kapillarraumes; weitere Unterlagen

 

Horizontdatenbank:

Horizontnummer; obere/untere Horizontgrenze; Form, Schärfe, Lage der unteren Horizontgrenze; Horizontbezeichnung; Torfart und Mudden, Bodenart des Feinbodens/Grobbodens; Zusammensetzung, Herkunft und Lagen; Geogenese; Stratigraphie; Substratsymbol; Farbe nach Munsell-Skala; Humus; Carbonatgehalt; Hydromorphie oxidativ; Hydromorphie reduktiv; Konsistenz; Bodenfeuchte; Bodengefüge: Form und Größe des Gefüges; Lagerungsart/Verfestigungsgrad; Hohlräume: Risse; Poren; Röhren; Lagerungsdichte/ Zersetzungsstufe/ Substanzvolumen; Durchwurzelungsintensität; sonstige pedogene Veränderungen; Bemerkungen

 

Labordatenbank:

Die Labordatenbank beinhaltet neben der systematischen Kennzeichnung der Proben (Teile der Stammdaten), in erster Linie bodenchemische und bodenphysikalische Messergebnisse. Den Kern des Analysenspektrums bilden die Parameter der Standardprogramme 1 und 2, wie sie unter Kapitel 3.2.2.1 aufgeführt sind. Darüber hinaus sind weitere Parameter in der Datenbank enthalten und es kann weiter ergänzt werden. Weiterhin ist auch die Ablage von Analysenergebnissen möglich, welche nicht nach den aktuellen Labormethoden des Geologischen Dienstes Mecklenburg-Vorpommern untersucht worden sind. Die Labordatenbank ist strukturell geeignet, um auch bodenbiologische Parameter aufzunehmen.

 

Neben der Erstellung von Strukturen und dem Aufbau eines Datenbanksystems (dBase) bestand in den vergangenen Jahren die Hauptaufgabe in der Sammlung und Sicherung vorhandener, vorwiegend analoger, Altdatenbestände, sowie der Ablage von Daten bodenkundlicher Neuaufnahmen. D.h., dass Anfang der 90er Jahre Kontakte zu mit bodenkundlichen Fragestellungen betrauten Institutionen/Betrieben bzw. deren Rechtsnachfolgern aufgebaut wurden, um die dort vorhandenen Unterlagen für ein landesweites FISBO zu sichern. Daten aus verschiedenen Projekten, mit unterschiedlichen Strukturen wurden unter hohem zeitlichen Aufwand gesichtet und anschließend in die Datenbanken eingepflegt.

 

Tabelle 27: Übersicht vorhandener Aufschlüsse und Proben im FISBO M-V

Projekt

Anzahl der Aufschlüsse (Profil-/ Horizontdatensätze)

Anteil der Projekte an Gesamtsumme der Aufschlüsse [%]

Anzahl der Proben

Landesaufnahme

(davon Spezialkartierung Schönberg)

1.803

17,4

739

(1.323)

(12,8)

(301)

Musterstücke der Bodenschätzung (Oberfinanzdirektion Rostock)

263

2,5

1.723

Boden-Dauerbeobachtungsprogramm

24

0,2

1.026

Moorstandortkatalog (56 Projekte)

(davon Friedländer Große Wiese)

8.246

79,8

3.564

(6.148)

(59,5)

(613)

Gesamt

10.337

100,0

7.052

 

Tabelle 27 fasst die derzeitige Datenlage im FISBO M-V zusammen. Die Gesamtsumme von 10.337 Aufschlüssen basiert in erster Linie auf der Inventarisierung von Altunterlagen. Diese, auf den ersten Blick groß erscheinende, Aufschlusszahl relativiert sich mit der prozentualen Aufschlüsselung der einzelnen Projekte und Herstellung eines Flächenbezuges (Verteilung innerhalb der Landesfläche). Die Anzahl der Proben beinhaltet Beutel- als auch Stechzylinderproben. Um eine Vorstellung vom Umfang der Labordatenbank zu erhalten, muss man sich vergegenwärtigen, dass je ausgewiesener Probe ein breites, je nach Aufgabenstellung unterschiedliches, Analytikprogramm gefahren wurde/wird.

 

Das Projekt Friedländer Große Wiese (FGW), die repräsentativen Altbohrungen und die Neubohrungen der erarbeiteten Moorstandortkataloge stellen insgesamt ca. 80 % aller Aufschlüsse. Dabei muss das Projekt FGW mit seiner überdurchschnittlichen Aufschlussdichte und einem Anteil von ca. 60 % am Gesamtbestand herausgestellt werden. Die verbleibenden 20 % des Moorstandortkataloges verteilen sich auf 56 Untersuchungsgebiete im Land. Auch hier wird einschränkend erwähnt, dass mit aktuellem Stand erst ca. 55 % der Niedermoore in Mecklenburg-Vorpommern erfasst wurden.

Der 17,4%ige Gesamtanteil der Landesaufnahme basiert auf der Spezialkartierung Schönberg (Raumbezug: TK25, Blatt Schönberg). Weitere Aufschlüsse in der Landesaufnahme haben lediglich einen Anteil von 4,6 %. Die Projekte Musterstücke (2,5 %) und Boden-Dauerbeobachtungsflächen (0,2 %) haben die geringste Anzahl an Aufschlüssen.

 

Zusammenfassend wird festgestellt, dass trotz einer insgesamt hohen Anzahl an Aufschlüssen derzeit nur eine begrenzte Datenbasis für landesweite Aufgabenstellungen zur Verfügung steht. Ein erhebliches Manko besteht insbesondere bei der Aufschlussdichte mineralischer Standorte. Die vorliegenden Ergebnisse des Moorstandortkataloges liefern eine ausreichende Aufschlussdichte. Forstliche Aufschlüsse sind bisher nicht Bestandteil der Datenbank, werden aber bereits im Rahmen der Erarbeitung der Bodenübersichtskarte 1:200.000 (BÜK200) als Leitprofil zu den entsprechenden Kartiereinheiten in einer Flächendatenbank erfasst, und in die aktuelle Nomenklatur der Bodenkundlichen Kartieranleitung (Ad-hoc-AG Boden 1994) übersetzt. Die Verbindung von Aufschlusspunkt und dargestellter Kartiereinheit (Fläche) erfordert eine qualitative Absicherung ausgewiesener Flächeneinheiten mittels neuer (ergänzender) Aufschlussdaten.

Die Projekte der Boden-Dauerbeobachtungsflächen und Musterstücke der Bodenschätzung haben trotz ihres geringen Anteils an Aufschlüssen (zusammen <3 %) eine herausgehobene Bedeutung. Durch die hohe Aufnahmeintensität dieser Aufschlüsse (alles Schürfgruben) und die damit verbundene hohe Qualität der Datensätze, bilden Sie ein Netz von „Stützstellen“ innerhalb des FISBO M-V.

 

Für bodenschutzrelevante Aufgabenstellungen steht mit dem FISBO M-V eine Datenbasis zur Verfügung, welche gezielt verdichtet und sukzessiv ausgebaut werden muss.