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Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie

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Gewässergüte im Kontext der EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)

Der Begriff der Gewässergüte war und ist ein wasserwirtschaftlicher Fachbegriff, der über Jahrzehnte als Oberbegriff für die physikalisch-chemische Beschaffenheit von Gewässern benutzt wurde und noch wird. Allerdings ist mit dem Inkrafttreten der EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) der Zustand eines Gewässers umfassender zu bewerten. Gewässer sollen nach der WRRL einen guten ökologischen und chemischen Zustand erreichen. Daher sind nunmehr neben physikalisch-chemischen Parametern auch biologische und hydromorphologische Qualitätskomponenten zu erfassen. Die Zielerreichung nach WRRL wird in einem komplizierteren Procedere bestimmt, das im Einzelnen in der Oberflächengewässerverordnung (OGewV) und in der Grundwasserverordnung (GrwV) geregelt ist.

Daten zu physikalisch-chemischen Parametern der Gewässergüte liegen seit Anfang der 1970er Jahre im Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) vor. Die langjährigen Datenreihen zeigen seit Beginn der 1990er Jahre eine deutliche Verbesserung der stofflichen Beschaffenheit der Oberflächengewässer in Mecklenburg-Vorpommern. Insbesondere in den Fließgewässern sind Maßnahmen zur Verringerung der anthropogenen Belastung wesentlich schneller wirksam geworden als in Stand- und Küstengewässern sowie im Grundwasser. Ein nach wie vor wichtiges Thema, dem sich die Wasserwirtschaft ebenso wie die Landwirtschaft, aber auch jeder Einzelne – der Gartenfreund ebenso wie der Benutzer von phosphathaltigen Reinigungsmitteln in der Geschirrspülmaschine - stellen muss, ist die Belastung der Gewässer durch Nährstoffe. Eine erhöhte Konzentration von stickstoff- und phosphorhaltigen Nährstoffen kann die Zusammensetzung der typspezifischen Gewässerflora und -fauna so verändern, dass das Gewässer seine natürlichen Funktionen im Landschaftshaushalt nicht mehr erfüllt. Dies hat neben erheblichen Störungen der natürlichen Lebensgemeinschaften in unseren Gewässern auch volks- und betriebswirtschaftliche Nachteile und Kosten zur Folge.

Neben den Nährstoffen werden unsere Gewässer durch Schadstoffe, wie z. B. Schwermetalle, Industriechemikalien und Pflanzenschutzmittel belastet. Schadstoffuntersuchungen setzten in Mecklenburg-Vorpommern zumeist erst Anfang der 1990er Jahre ein. Aufgrund des geringen Industrialisierungsgrades ist die Belastung der Oberflächengewässer Mecklenburg-Vorpommerns mit Schwermetallen und Industriechemikalien geringer ausgeprägt als in anderen Bundesländern. Anders sieht es bei den Pflanzenschutzmitteln aus, die aufgrund der landwirtschaftlichen Nutzung auf einem Großteil der Landesfläche Anwendung finden. Zur Überschreitung der in der OGewV geregelten Umweltqualitätsnormen für Schadstoffe kommt es jedoch relativ selten. Im Grundwasser kommen Schadstoffe generell weniger häufig und in deutlich geringeren Konzentrationen vor als in den Oberflächengewässern. Aus Vorsorgegründen werden die Gewässer Mecklenburg-Vorpommerns auch auf neuartige Schadstoffe, wie Arzneimittel, perfluorierte Tenside oder neue Pflanzenschutzmittelwirkstoffe untersucht.

Zur Bewertung des ökologischen Gewässerzustandes werden biologische Qualitätskomponenten herangezogen, die regelmäßig zu überwachen und die für das Bewertungsergebnis nach WRRL ausschlaggebend sind. Diese sind Phytoplankton (im Wasser schwebende Algen und Cyanobakterien), makroskopisch sichtbare Wasserpflanzen und bodenlebende Algen (Makrophyten und Phytobenthos), die bodenlebende Wirbellosenfauna (Makrozoobenthos) und - außer in Küstengewässern - die Fischfauna. Die biologische Qualitätskomponente mit dem schlechtesten Bewertungsergebnis bestimmt nach dem „one out - all out-Prinzip“ die ökologische Zustandsklasse. Da für die meisten dieser biologischen Komponenten Bewertungsverfahren erst im Zusammenhang mit der Wasserrahmenrichtlinie entwickelt wurden, liegen Bewertungsergebnisse meist erst ab 2006 vor. Die an den Wasserkörpern erhobenen biologischen Befunde sind Grundlage der Bewirtschaftungsplanung, da sie Rückschlüsse auf Belastungen und Defizite der Gewässer geben.

Die in den Oberflächengewässern lebenden Pflanzen und Tiere benötigen arten- und gewässertypische Lebensräume. Zur Beurteilung dieser Lebensräume sind gemäß WRRL hydromorphologische Komponenten heranzuziehen: So beschreibt die Morphologie eines Fließgewässers die Laufentwicklung, Variationen von Breite und Tiefe, Strömungsgeschwindigkeiten, Substratbedingungen sowie Struktur und Bedingungen der Uferbereiche. Die Durchgängigkeit ist dann gegeben, wenn aquatische Organismen (Fische, Wirbellose) auf- und abwärts ungehindert wandern können und der Transport von Sedimenten in Längsrichtung uneingeschränkt möglich ist. Der Wasserhaushalt beschreibt Menge und Dynamik der Strömung und die sich daraus ergebende Verbindung zum Grundwasser. Auch bei Standgewässern und Küstengewässern sind hydromorphologische Qualitätskomponenten zu betrachten. Es lässt sich jedoch feststellen, dass vor allem bei Fließgewässern durch menschliche Eingriffe wie z. B. Begradigung und Eintiefung im Rahmen der Abflussregulierungund durch den Einbau von Wehren und Uferbefestigungen starke hydromorphologische Belastungen vorliegen, die die biologische wie auch die physikalisch-chemische Qualität und die Selbstreinigungskraft der Fließgewässer beeinträchtigen.

Nähere Informationen zu den Themenkomplexen Nährstoffe, Schadstoffe, biologische Qualitätskomponenten und hydromorphologische Komponenten erhalten Sie durch Anklicken dieser Schlagwörter.




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