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Nationales Referenzlabor für Newcastle Disease und Aviäre Influenza

Im Institut für Virusdiagnostik der Bundesforschungsanstalt für

Viruskrankheiten der Tiere

 

BFAV, Boddenblick 5a, 17493 Greifswald-Insel Riems

Dr. Ortrud Werner, Tel.: 038351-7152, Fax: 038351-7226, email: ortrud.werner@rie.bfav.de

Anja Globig, Tel.: 038351-7111, email: anja.globig@rie.bfav.de

 

 

                                                                                                                                Insel Riems, den 25.3.04

 

Probennahme bei Wildvögeln zur Untersuchung auf Aviäre Influenzaviren

Information zum aktuellen Stand

 

 

Liebe Helferinnen und Helfer!

 

Im Frühjahr des Jahres 2003 hat das Nationale Referenzlabor (NRL) für Newcastle Krankheit und Aviäre Influenza der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere (BAFV), Standort Insel Riems, im Rahmen des Forschungsprojektes  „Aviäre Influenza in Wildvögeln“ begonnen, die Entnahme von Kloaken- bzw. Rachenabstrichmaterial an Wildvögeln auf verschiedenen Wegen zu organisieren. Heute, nach einem Jahr, können wir auf ein hervorragendes Ergebnis zurückblicken!

 

Dies haben wir vor allem Ihnen, den Ehrenamtlichen zu verdanken, die als Mitarbeiter (Beringer) der deutschen Vogelwarten bzw. der Beringungszentrale Hiddensee, als Jäger oder auf andere legitime Weise wildlebende Vögel in die Hand bekommen und beprobt haben. Wir möchten uns deshalb mit dieser Mitarbeiterinformation an Sie wenden, um

 

 

Ein weiterer Dank gilt dem Leiter der Beringungszentrale Hiddensee, Herrn Dr. U. Köppen, der maßgeblich an der Organisation der Proben (Aufruf an ehrenamtliche Beringer) beteiligt war.

 

1. Probeneingang, Stand der Untersuchung und Untersuchungsergebnisse im Zeitraum März 2003 bis Februar 2004

 

Insgesamt gingen in den Monaten März 2003 bis Februar 2004 2.322 Proben ein. Der aktuelle Untersuchungstand  dieser Proben (Ende Februar 2004) und die Ergebnisse sind der Tabelle und den Grafiken zu entnehmen.

 

 

 

Monat

Probeneingang

 untersuchte Proben

davon negativ

positiv (X)

InUntersuchung

Mrz 03

6

6

6

 

 

Apr 03

2

2

2

 

 

Mai 03

422

343

343

 

 

Jun 03

487

171

171

 

 

Jul 03

263

18

18

 

 

Aug 03

217

0

 

 

 

Sep 03

189

30

7

2

 

Okt 03

200

148

102

12

 

Nov 03

253

127

109

4

 

Dez 03

119

19

7

1

9

Jan 04

148

148

134

1

10

Feb 04

16

16

7

 

9

 

2322

1028

906

20

28

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ab Juni 2003 wurden aufgrund der in Deutschland ausgebrochenen Geflügelpest im Kreis Viersen (NR-W) viele Geflügelhaltungen verstärkt durch das Nationale Referenzlabor / Insel Riems untersucht. Da diese Untersuchungen arbeitstechnisch, zeitlich und personell sehr aufwendig sind, war die Untersuchungskapazität von Wildvogelproben, die im Sommer eingingen, überschritten. Zum Großteil wird deren Untersuchung im ersten Quartal dieses Jahres nachgeholt. Daraus ergibt sich in der Grafik die große Lücke zwischen eingegangenen und untersuchten Proben in den Monaten Juni, Juli, August und September.

 

Auffallend bei der Auswertung der Ergebnisse ist das Auftreten erster Virusisolate erst ab dem Monat September, quasi mit dem Einsetzen des Herbstzuges. Zum Verständnis der Auswertung ist darauf hinzuweisen, dass es sich bei den als positiv dargestellten Proben nicht um Einzelproben handelt, sondern um Probenpools, in denen bis zu 5 Proben enthalten sind. Die tatsächlich vorhandene Menge an positiven Proben aus dem Pool muss erst noch ermittelt werden.

 

Viren wurden fast ausschließlich in Enten (Krickenten, Stockenten, Pfeifenten) gefunden. Ausnahmen betreffen einen Schwanen- und einen Möwenpool sowie eine Dohle. Bis auf zwei stammen alle positiven Entenpools von der Entenkoje der Insel Föhr / S-H. Ein Stockentenpool stammt aus Graal-Müritz / M-V, ein anderer aus Delbrück-Bohe / NR-W. Die Virusisolate der Möwen und der Dohle stammen von der Mülldeponie in Stralsund / M-V. Bei den Virusisolaten handelt es sich um aviäre Influenzaviren unterschiedlicher Subtypen und um verschiedene Paramyxoviren, die alle ungefährlich sind und keine Krankheit verursachen.

 

 

 

 

   2. Beteiligte Personen und geografische Verteilung der

       Probenahmen 

 

 

 Prof. P. Becker: 86 (Wilhelmshaven, NS), V. Blüml: 60, Dr. Bruer, Harder: 58 (Nordvorpommern, Graal-Müritz, Fuhlendorf, M-V), M. Buss: 10 (Leer, NS), A. Degen: 68, G. Ehlers: 10 (Leipzig, SN); A. Globig: 6 (Stralsund, M-V), Globig, T. Dürr: 2 (Rietzer See, BB), Globig, I.Ludwichowski: 98 (Fehmarn, S-H), Globig, Dr Martens: 157 (Hamburg, Kiel), Globig, C.Illing: 57(Niederhof, M-V), Dr. A. Goedecke: 7 (Hohlstedt, S-A), M. Gottschling: 7; Herold: 17 (Inseln Böhmke & Werder, M-V), W. Herschmann: 34 (Pirna, SN), S. Hillmert: 2 (Kalkvitz, M-V), Dr. S. Homma / O. Geiter: 209 (Würm ( BY), Wörthsee (BY), Ammersee (BY), Chiemsee (BY), Mitterlache (BY), Starnberger See (BY), München (BY), Raum Wiesbaden (HE), Alsdorf (NR-W), Marienberg (NR-W), Herzogenrath (NR-W), Neuss (NR-W), Mühlheim-Ruhr (NR-W), Essen (NR-W), Castrop-Rauxel (NR-W), Herne (NRW), Berlin), N. Kempf: >10 (Nordfriesland, S-H), U. Kirchhoff: 54 (Dresden, SN), Dr. P. Kneis: 50 (LK Riesa-Großenhain, SN), Dr. U. Köppen: 29 (Insel Beuchel, M-V); Dr. O. Krone: 35, Dr. H. Kruckenberg: 19 , M. Kuhnert: 112 ( Wulkau, S-A), U. Lau: 36 (Zingst, M-V), Lessow: 11 (Leifferde, NS), I. Ludwichowski: 22 (Preetz, Kreis Plön, S-H), W. Mädlow: 10 (Potsdam, BB), Ch. Mantel: 37 (Rieselfelder Münster, NR-W); Dr. S. Martens: 72 (Hamburg, Itzehoe, S-H), P. Meffert: 1 (Potsdam, BB), W. Nachtigall: 36 (Neschwitz, SN), R. Nessing: 118 (Insel Walfisch, M-V); C. Pfannenschmidt (Insel Böhmke, Werder, M-V ), Dr. M. Pöppel: 70 (Delbrück ), Dr. Ch. Runge: 17 (Mülldeponie Ahrenshöft ), W. Schneider: 3 (Mössingen, B-W), Scholz: 14 (Inseln Böhmke & Werder, M-V), J-J.  Seeger: 60 (Gülper See, BB), Seeger, Bellebaum: 4 (Gülper See, BB), Seeger, Lehmann: 15 (Gülper See, BB), Seemann: 4 (Gülper See, BB), H. Sönksen-Martens: 332 (Insel Föhr, S-H), T. Spretke: 29 (Insel Kirr, M-V), W. Starke: 45 (Inseln Böhmke & Werder, M-V), Stolze: 2 (Zoo Leipzig, SN);  T. Suckow: 5 ( Zoo Magdeburg, S-A); F.Tetzlaff: 134 (Greifswald, Insel Böhmke, M-V); Tischbirek: 7 (Kiel, S-H), J. Ulbricht: 11 (Neschwitz, SN), Tierpark Stralsund: 5 (Stralsund, M-V),  H. Trapp: 4 (Radebeul, SN), F. Woog/ K. Marquardt: 7 (Stuttgart, B-W).

 

 

 

Ihnen allen gilt unser herzlicher Dank!

 

 

 

3. Vogelarten und Anzahlen jeweils untersuchter Tupferproben

 

Untersuchte Vogelarten:

 


Aaskrähe: 1

Blessgans: 3

Blessralle: 16

Brandgans: 5

Dohle: 5

Eichelhäher: 1

Eiderente: 2

Elster: 1

Entenhybrid: 1

Fasan: 1

Fischadler: 5

Flussuferläufer: 1

Flussseeschwalbe: 50

Graugans: 56

Graureiher: 1

Höckerschwan: 41

Kanadagans: 8

Kiebitz: 2

Kormoran: 57

Krickente: 26

Lachmöwe: 113

Mandarinente: 1

Mäusebussard: 9

Mehlschwalbe: 14

Möwe: 17

Nebelkrähe: 2

Pfeifente: 11

Rabenkrähe: 3

Rauchschwalbe: 20

Reiherente: 2

Rohrdommel: 5

Rotmilan: 36

Rotschenkel: 2

Saatgans: 7

Saatkrähe: 36

Säbelschnäbler: 4

Schellente: 21

Schnatterente: 1

Schwäne spec.: 7

Seeadler: 16

Silbermöwe: 89

Singdrossel: 2

Singschwan: 14

Stockente: 282 ad. +  8 juv.

Streifengans: 1

Sturmmöwe: 5

Teichhuhn: 9

Uferschnepfe: 2

Waldschnepfe: 1

Wasserralle: 1

Weißstorch: 2

Zwergschwan: 2


 

Insgesamt konnten also Individuen von 50 Vogelarten bzw. -unterarten sowie ein Entenhybrid und fünf nicht bis zum Artniveau bestimmte Schwäne in die Untersuchungen einbezogen werden. Das ist eine Stichprobe, die in einem solchen Umfang und einem solchen Artenspektrum von Wildvögeln bisher noch nicht gewonnen wurde.

 

 

4. Plan der Probenahme 2004 und Aufruf zur Mitarbeit 

 

Das Forschungsthema „Aviäre Influenza in Wildvögeln in Deutschland“ ist in den vergangenen Monaten unversehens zu einem brandaktuellen Thema mit großer Wirkung in der Öffentlichkeit geworden. Bilder von zehntausenden von getöteten Hühnern in den Medien erregen die Gemüter der Menschen und lassen ungeheure ökonomische Verluste ahnen. Das Seuchengeschehen in Südostasien, den USA und Kanada ist immer wieder auch mit Wildvögeln in Verbindung gebracht worden. Welche Rolle Wildvögel als Reservoir und als Überträger tatsächlich spielen, wollen wir mit unseren Untersuchungen, die im Jahr 2004 fortgesetzt werden sollen, herausfinden.

 

Für die gezielte Probenahme in diesem Jahr sind die bisherigen Untersuchungsergebnisse von großer Bedeutung, denn sie zeigen, dass aviäre Influenzaviren hauptsächlich in Entenvögeln, jedoch auch in Limikolen (Ergebnisse aus vorigen Untersuchungen) und Möwen vorkommen. Entsprechend wollen wir die Untersuchungen und die Probenahme möglichst auf diese Gruppen mit einem möglichst großen Anteil an Enten- und Gänsearten konzentrieren. 

 

Im Jahr 2004 sind folgende geografische Gebiete für die Beprobung von Wildvögeln besonders interessant:

 

1.      Rast – und Durchzugsgebiete mit deutschlandweiter bzw. internationaler Bedeutung vor allem für Wasservögel, aber auch Limikolen (Gülper See, Rieselfelder Braunschweig und Münster, Helmestausee ...)

 

2.      Sonstige Gebiete / Flächen, in denen wildlebende Wasservögel / Limikolen in größerer Zahl zusammentreffen.

 

3.       Mülldeponien sowie Teichanlagen von Städten, die von wildlebenden Möwen und Wasservögeln (Enten und Gänsen) besucht werden.

 

4.       Gebiete, in denen häufig Totfunde gemacht werden (frischtote Vögel können beprobt werden).

 

 

Beachten Sie bitte auch folgende Anmerkungen:

 

·  Rachen- bzw. Kloakenabstriche können von allen Wildvogelindividuen genommen werden, die auf gesetzlich legitimierter Grundlage in Menschenhand gelangen, ohne dass weitere Genehmigungen für diese nicht - invasive Probenahme erforderlich wären. In ausreichenden Mengen können Proben gewonnen werden von Vögeln, die a) zwecks wissenschaftlicher Markierung gefangen wurden oder b) in Ausübung der Jagd erlegt wurden.

·  Die Probennahme soll in der kühleren Jahreszeit von September bis Mai erfolgen.

·  Die Probanden sollen möglichst  keine Nestlinge mehr sein, weil bei diesen noch keine Infektion zu erwarten ist. Sie infizieren sich wahrscheinlich erst, wenn sich die Jungvögel im Herbst sammeln.

·  Die Proben müssen möglichst frisch und kühl in unserem Institut ankommen, d.h. Postversand muss täglich erfolgen! Ist der Fang größerer Individuenzahlen absehbar bzw. möglich, sollte die Probennahme und ein spezieller Kühltransport mit PKW der BfAV vereinbart werden.

·  Vorschläge/ Ideen für gemeinsame Aktionen zur gezielten Beprobung von Enten an bestimmten Fanganlagen (z.B. Entenkojen) sind sehr willkommen!!

 

Bitte unterstützen Sie im Zusammenhang mit Ihren Vorhaben bei der wissenschaftlichen Vogelberingung und/oder der Jagd auch weiterhin unsere wichtigen Forschungsanliegen! Und gewinnen Sie weitere Helfer und Helferinnen hinzu. Wenn Sie zur hier nur kurz dargestellten Bilanz bzw. zu den Untersuchungsergebnissen des Jahres 2003 noch Fragen haben bzw. darüber hinaus Information wünschen, melden Sie sich bitte. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie die Probenahme an den Ihnen zugänglichen Wildvögeln in diesem Jahr fortführen bzw. neu aufnehmen würden. Tupfer zur Probenahme nebst ausführlicher Gebrauchsanleitung sowie Verpackungsmaterial und Porto werden von uns auf Anforderung kurzfristig versandt.  

 

Kontaktaufnahme ist jederzeit erwünscht!

 

 

Wir danken Ihnen nochmals für Ihre Mitarbeit, hoffen auf eine erfolgreiche Saison 2004 und verbleiben

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihre

 

Anja Globig                                                                                     

 

     

      Dr. Ortrud Werner

 

 

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