Schwarzstorch Ciconia nigra
Hiddensee B 5637
Herkunft, Zugweg sowie Rast- und Überwinterungsgebiet dieses Schwarzstorches aus Sachsen-Anhalt sind durch ein schönes Zusammenspiel von konventioneller Beringung, Farbmarkierung und Satellitentelemetrie aufgedeckt worden. Es handelt sich um den ersten Nachweis eines in Ostdeutschland geborenen Schwarzstorches aus den Überwinterungsgebieten südlich der Sahara. Angesichts der sehr instabilen Situation der Art in den östlichen Bundesländern (vgl. Ryslavy & Putze 2000) sind nähere Informationen über die Winterquartiere, die Zugwege, insbesondere aber zu Sterberaten und Todesursachen dringend vonnöten. Leider werden bei uns seit Jahren kaum mehr Schwarzstörche markiert, so dass es dazu aus neuerer Zeit kaum Informationen gibt. Die wenigen Funde bei uns markierter Schwarzstörche belegen sowohl Wegzug nach Südwest als auch nach Südost. Die Beteiligung an einem seit 1994 existierenden europaweit organisierten Farbmarkierungsprogramm wäre auch bei hierzulande geringen Anzahlen jährlich markierter Jungvögel und selbst ohne den Einsatz teurer Satellitensender sehr erfolgversprechend. In mehreren europäischen Ländern (Benelux, Frankreich, Tschechien, Spanien, Ungarn) laufen spezielle Untersuchungen an der Art, um die Wissensgrundlagen für den Schutz der jeweiligen Brutbestände zu erweitern. Näheres u.a. unter http://www.cr-birding.be/, http://capi.internet.cz/.
Singschwan Cygnus cygnus
Hiddensee AA 004835 + Halsring gelb 2R89
Die in Brandenburg seit den frühen 1990er Jahren brütenden Singschwäne stammen nicht etwa von entwichenen Gefangenschaftsvögeln ab, sondern sind als Vorposten der seit langem beobachteten Arealausweitung der Art nach Süden bzw. Südwesten anzusehen (Deutschmann1997). Fast im gesamten ursprünglichen Verbreitungsgebiet der Art herrschen eher rauhe Klimate, an welche bestimmte physiologische Abläufe, z.B. Brutdauer und Jugendentwicklung, aber auch Verhaltensmerkmale (z.B. Zugzeiten, -wege und -ziele) der Art offenbar angepasst sind. Auch vor diesem Hintergrund ist die Frage hochinteressant, welches Zugverhalten die bis nach Brandenburg, also am weitesten nach Südwesten vorgestoßenen Kolonisten unter den hier herrschenden Bedingungen zeigen, inwieweit also das Zugverhalten von äußeren Umständen oder eher endogen bestimmt wird.
Durch die Halsbandmarkierung, die unter hiesigen Umständen erfolgversprechendste und zudem billigste Markierungsmethode, ließ sich das Raum-Zeit-Verhalten des oben angeführten Jungschwans und seiner ebenfalls markierten sechs Geschwister fast lückenlos über bisher fast zwei Jahre verfolgen. Für theoretische Überlegungen im o.g. Sinne ist damit zumindest ein Baustein geliefert, während für den Schutz des noch kleinen Brutvorkommens die gewonnenen Erkenntnisse über Zugwege, Rast- und Überwinterungsgebiete wichtig sind. Die zeitliche Lücke der Nachweise im Sommer des zweiten Kalenderjahres zeigt allerdings, dass die Methode versagt, wenn die Tiere sich in Gegenden mit geringer Ablesewahrscheinlichkeit begeben, was die brandenburger Singschwäne zur Mauser offensichtlich getan haben.
Wasseramsel Cinclus cinclus
Hiddensee NA 52948,
Wasseramseln der bei uns heimischen Unterart C. c. aquaticus sind, im Gegensatz zur skandinavischen Nominatform, Stand- oder Strichvögel (u.a. Bezzel 1993). Gelegentliche Fernfunde wie dieser können sicher nichts an dieser Charakterisierung ändern, doch zeigen sie immerhin, zu welchen Wanderleistungen die Art prinzipiell in der Lage ist, und, dass da vielleicht doch noch Wissenslücken existieren bei einer vermeintlich gut untersuchten Vogelart. Gezielte Fangaktivitäten in den Revieren von Überwinterern in Nordbrandenburg (Ryslavy & Sömmer 1999) erbrachten mit o.g. Wiederfang zumindest einen Hinweis darauf, dass Wasseramseln aus dem Mittelgebirgsraum im Winter auch weit ins nördliche Tiefland abwandern können.
Weißkopfmöwe Larus cachinnans / L. michahellis
Hiddensee EA 071950 + grün XEAG
Bei der Beringung von nichtflüggen Großmöwen in gemischten Brutkolonien ist die Artzugehörigkeit der einzelnen Jungvögel schwer zu bestimmen. In der Kleinkoschener Kolonie brüteten im Jahre 1999 in der Mehrzahl Silbermöwen, in geringerer Zahl aber auch Weißkopfmöwen, d.h. Steppen- bzw. Mittelmeermöwen (u.a. Klein & Gruber 1997). So wurde der hier angeführte Vogel zunächst als Silbermöwe angesprochen und der Beringungszentrale als solche gemeldet. Nachdem sich XEAG recht schnell gen Westen aufgemacht hatte, führte ein Zufall, wie er sich unwahrscheinlicher kaum denken lässt, zur Revision des Arteintrages im Hiddensee-Datensatz zu diesem Vogel: Just an dem Tag, an dem sich in Etaples-sur-Mer am Ärmelkanal Spezialisten aus ganz Europa zur Diskussion von Fragen der Bestimmung, Systematik und Taxonomie dieser Großmöwengruppe getroffen hatten (vgl. z.B. Klein & Hoogendoorn 1997), war auch XEAG vor Ort. Dass Forscher und Forschungsobjekt dort nun tatsächlich einander ansichtig werden würden, war natürlich immer noch eine Frage des Zufalls, doch der trat während einer Tagungspause unvermeidlich ein. Der komplett versammelte europäische Sachverstand versuchte nun, die Möwe XEAG mit dem in vieler Hinsicht untypischen Habitus zu bestimmen - nach längerer Diskussion einigte man sich darauf, einen Hybriden aus Mittelmeermöwe L.michahellis x Steppenmöwe L.cachinnans vor sich zu haben. Über das weitere Schicksal dieser Möwe aus der Lausitz ist bisher nichts bekannt geworden.
Steppenmöwe Larus cachinnans
Kiew L 2781
Nachdem die recht diffizilen Unterscheidungsmerkmale von immaturen Silber-, Mittelmeer- und Steppenmöwen mehr und mehr Allgemeingut werden, setzten gezielte Beobachtungen zum Auftreten dieser Arten in unserem Bereich ein. Es erwies sich dabei unter anderem recht schnell, dass der Einflug von jungen Steppenmöwen nach Mitteleuropa eine alljährliche Erscheinung ist (Klein 2001). Der hier angeführte Ringvogel zeichnet sich dadurch aus, dass er unser Gebiet schon Mitte Juli erreicht hatte und damit zum frühesten Zeitpunkt, zu dem diesjährige Steppenmöwen hier bisher beobachtet wurden. Die Ringablesung belegt, dass solche sehr frühzeitig hier auftauchenden Jungvögel nicht etwa von der recht nahen westlichen Arealgrenze, z.B. aus Brutkolonien am Mittellauf der Weichsel, stammen müssen, sondern durchaus auch von einem fast dreimal so weit entfernten Binnenlandbrutplatz am Dnepr südöstlich von Kiew. Der Vogel muss seine schnelle und zielstrebige Wanderung Richtung Nordwesten bereits kurz nach dem Flüggewerden angetreten haben.
Waldlaubsänger Phylloscopus sibilatrix
Hiddensee XM 5436,
Dies ist der erste Fernfund eines Hiddensee-Waldlaubsängers während des Zuges ins Winterquartier. Er passt gut in das generelle, bisher aber noch immer lückenhafte Bild vom Wegzug mitteleuropäischer Populationen, der in relativ schmaler Front südwärts verläuft, so dass die Vögel „zwischen Sardinien und Albanien“ das Mittelmeer überqueren (Bezzel 1993). Zudem liefert der Kontrollfang erstmals eine Vorstellung von den Zuggeschwindigkeiten, die Waldlaubsänger entwickeln können.
Rauchschwalbe Hirundo rustica
Hiddensee ZA 25098,
Trotz insgesamt zahlreicher Beringungen und in jüngerer Zeit im Rahmen des EURING-Projekts Rauchschwalbe wieder intensivierter Beringungsarbeit ist dies erst der zweite Nachweis einer Hiddensee-Rauchschwalbe südlich des Äquators.
Skua Hybrid Catharacta maccormicki x (C. maccormicki x
C.chilensis)
Hiddensee EA 66588,
Dies ist mit Abstand die größte Fundentfernung, die jemals für einen Hiddensee-Ringvogel bekannt wurde. Es handelte sich bei dieser „Skua“ um ein Kreuzungsprodukt aus drei verschiedenen Skuaformen der südlichen Hemisphäre: das männliche Elterntier war eine Südpolarskua Catharacta maccormicki, die Mutter ihrerseits ein Hybride aus Südpolarskua und Chile-Skua Catharacta chilensis (Reinhardt et al. 1997) Jüngere nichtbrütende C. maccormicki werden zwar regelmäßig auf der nördlichen Halbkugel angetroffen, jedoch meist im pazifischen Raum, weit seltener im Atlantik, zumal im Nordatlantik (Furness 1987). Noch die meisten Beobachtungen stammen hier aus dem engeren geografischen Raum, in dem auch der Fundort unseres Ringvogels liegt, ein „Flämische Kappe“ genannter unterseeischer Berg im Atlantik vor Neufundland, dessen Fischreichtum Fischfresser verschiedenster Gruppen, darunter Skuas und Menschen, anlockt. Die zweifelsfreie Bestimmung immaturer Skuas, zumal von Hybriden, ist allerdings gerade dort recht problematisch, weil im selben Gebiet auch mehrere andere Skuaformen vorkommen. Eindeutige Identitäts- und Herkunftsnachweise anhand individueller Markierungen sind deshalb von großem Wert für das Verständnis der saisonalen Wanderungen auch und gerade der antarktischen Skuas. Bisher liegen bereits „mehrere“ Ringfunde aus dem Nordatlantik vor, darunter der Juli-Fund eines im September des Vorjahres als Nestling in der Antarktis beringten Vogels auf Grönland. Mit mehr als 15.000 km war dies seinerzeit die weltweit größte jemals nachgewiesene Wanderung eines Ringvogels (Furness l.c.).
Wiedehopf Upupa epops
Hiddensee NA 58615,
Hiddensee NA 59164,
Der erste und bis 1998 einzige Fernfund eines Hiddensee-Wiedehopfes wurde 1972 von der Insel Malta gemeldet. Ältere Funde von Ringvögeln unserer geografischen Population belegen Wegzug sowohl in Richtung SW und S als auch SE (Glutz v. Blotzheim & Bauer 1980). Die zwei nun innerhalb kurzer Zeit hinzugekommenen Funde lassen vermuten, dass die im Osten des Beringungsgebietes heimischen Wiedehopfe hauptsächlich nach SE abziehen. Noch immer sind keine Wiederfunde bekannt geworden, die auf die eigentlichen Winterquartiere unserer Wiedehopfe schließen lassen würden.
Stieglitz Carduelis carduelis
Moskwa XC 874177
Dieser Stieglitz mit Moskau-Ring sollte zusammen mit Hunderten von Artgenossen und anderen Körnerfressern mittels eines illegalen Transportes auf den westeuropäischen Wildvogelmarkt gebracht werden. Wachsame Zollbeamte beendeten die Qualen jener Tiere, die die weite Reise bis zum Grenzübergang Görlitz unter schlimmen Bedingungen überlebt hatten. Dass sich darunter ein beringter Stieglitz befand, hatten die Täter offenbar übersehen oder einfach ignoriert. So liefert dieser Vogel nun ein Indiz, das vielleicht zur Bekämpfung der Tierhandels-Mafia beitragen kann, zumindest aber Auskunft darüber gibt, wie weit deren Arm reicht, nämlich bis tausende Kilometer hinter den Ural.
Sprosser Luscinia luscinia
Stockholm 2KH73088,
Diese Kontrolle eines brütenden Sprossers mit schwedischem Ring gab zunächst Rätsel auf. Sollte sich ein in Schweden geborenes Sprosserweibchen im Odertal angesiedelt haben? Ein Beringungsort im Winterquartier war die andere Erklärungsmöglichkeit. Bei Graeme Backhurst, dem Organisator der jährlichen Beringungscamps in Ngulia/Kenia, löste diese Ringkontrolle am Brutplatz große Begeisterung aus, denn Rückmeldungen aus den Brutgebieten der 20.000 bis 30.000 dort alljährlich beringten Wintergäste fallen sehr selten an. In dem seit 32 Jahren in Ngulia laufenden Projekt wurden bisher über 290.000 Kleinvögel beringt. Darunter 61.209 Sprosser, für die bislang 25 Wiederfunde bzw. Ringkontrollen aus 12 europäischen Ländern vorliegen (Staav 2001; Backhurst, pers. comm., vgl. auch Bernitz& Bernitz 1997). Eine weitere Rückmeldung eines in Ngulia beringten Vogels aus unserem Arbeitsgebiet betraf übrigens einen Sumpfrohrsänger, der 1975 bei Schwedt/Oder kontrolliert worden war.
Weißstorch Ciconia ciconia
Hiddensee E 068
Noch nicht ganz dreijährig hat sich dieser Weißstorch sehr viel weiter westlich angesiedelt als das jemals für einen Hiddensee-Ringstorch bekannt wurde. Die am weitesten (nord-) westlich des regelmäßig genutzten Zuggebietes gelegenen Brutnachweise von Weißstörchen aus unserem Arbeitsgebiet wurden bisher aus dem Weser-Ems-Gebiet gemeldet, einige wenige Ringablesungen zur Brutzeit auch aus den Niederlanden. Die hier zitierte Ansiedlung in Belgien hatte jedoch keinen Bestand. Mitten in der Jungenaufzuchtphase, ein Jungvogel war nach einem Abwurf noch im Horst, verließ unser Ringvogel seine Familie und tauchte Ende Juni wieder in Ostdeutschland auf, zunächst im bekannten Storchendorf Linum nordwestlich Berlins, später an seinem noch bekannteren Geburtsort in der Prignitz. Auch bei den Rühstädter Weißstörchen sind Fernansiedlungen, Umsiedlungen und Umverpaarungen durchaus üblich (Schulz 1996), doch ist ein solcher Fall bisher noch nicht bekannt geworden.
Rauhfußkauz Aegolius funereus
Hiddensee RA 00797
Neben zahlreichen Belegen für Brut- und Geburtsortstreue bzw. Dismigration
im Nahbereich bis 50 km (s.u.) konnten beim Rauhfußkauz bis 1998 acht Mal
Ansiedlungs- bzw. Umsiedlungsdistanzen von über 100 km (104 bis 266 km)
nachgewiesen werden. Mit der Kontrolle von
Reiherente Aythya fuligula
Hiddensee 458640
Bei der nachträglichen Klärung von Hiddensee-Wiederfunden durch die Beringungszentrale Moskau kam dieses schöne Beispiel für Dismigration über riesige Entfernungen bei der Reiherente zutage. Wie auch bei anderen Entenarten liegt die Ursache dafür darin, dass die Paarbildung an Überwinterungsplätzen erfolgt, an denen sich Individuen sehr unterschiedlicher geografischer Populationen treffen. Die maximalen Ansiedlungsentfernungen hier geborener Reiherenten liegen sogar bei über 3.000 km in Richtung NE, also weit hinter dem Ural. Nachgewiesen sind sie allerdings, wie auch im obigen Beispiel, nur durch die Bejagung zur Brutzeit.
Hybrid Sprosser x Nachtigall Luscinia luscinia x Luscinia
megarhynchos
Hiddensee PA 68841
Dieser ganz einzigartige Einblick in den Lebensweg eines männlichen Nachtigall x Sprosser-Hybriden wurde durch Untersuchungen von J. Becker, Frankfurt/Oder, möglich. Wie für beide Elternarten verschiedentlich nachgewiesen, ist auch dieses offensichtlich sehr lebenstüchtige Männchen ausgesprochen brutortstreu. Letzteres trifft ebenso für seine jährlich wechselnden Partnerinnen zu, wenn das aus dem hier widergegebenen Blickwinkel des Männchens auch anders erscheinen mag. Auch bei den jeweiligen Weibchen wurden nur minimale Umsiedlungsdistanzen im Zusammenhang mit erfolgten Neuverpaarungen festgestellt. Trotz zahlreicher seit 1992 beringter Mischbruten (vgl. Anhang A) und intensiver Kontrollaktivitäten gelang es bisher jedoch nicht, im Untersuchungsgebiet jemals ein brütendes Hybrid-Weibchen nachzuweisen. Geht das auf eine wie auch immer begründete niedrigere Überlebensrate der Hybrid-Weibchen zurück oder ist das Geschlechterverhältnis der F1-Nestlinge vielleicht schon von vornherein zugunsten der Männchen verschoben? Äußerst spannende Fragen, denen in dieser sehr aufwendigen Langzeitstudie in beispielhafter Weise nachgegangen wird (s.a. Becker 1995).
Schwarzkopfmöwe Larus melanocephalus
Hiddensee IA 23571
Anhand von Ringfunden ließ sich gut verfolgen, dass sich während des vergangenen Jahrzehnts die Beziehungen unserer Schwarzkopfmöwen zum Gebiet beiderseits des Ärmelkanales immer stärker aufbauten (vgl. Ber.Vogelwarte Hiddensee 11: 21; 14: 14; 15: 15). Nachdem in den letzten Jahren auch Brutzeitfunde bei uns geborener bzw. als Brutvogel beringter Individuen aus England und Belgien und sogar Farbringablesungen aus einer niederländischen Lachmöwenkolonie gemeldet wurden, überrascht die jetzt dokumentierte Umsiedlung nicht. Anhand von Markierungen nachgewiesen wurde derartiges für die Art aber bisher wohl noch nicht. Bereits Ende der 1960er Jahre hatte sich ein auf dem Großen Reffbrink/Riems bei Greifswald geborener Jungvogel sehr wahrscheinlich in England angesiedelt.
Soweit nicht anders vermerkt, sind Angaben zu den in Europa nachgewiesenen Höchstaltern von Ringvögeln einer entsprechenden Übersicht von Staav (1998) entnommen.
Gebirgsstelze Motacilla cinerea
Hiddensee PA14007
Mit 7 Jahren und gut 8 Monaten hatte diese thüringer Gebirgsstelze das mit Abstand höchste nachgewiesene Alter für die Art im Hiddensee-Bereich erreicht. Nur vier Monate älter war Radolfzell BO 87112 bei der letzten Ringkontrolle.
Teichrohrsänger Acrocepalus scirpaceus
Hiddensee 91452417
Dies ist mit gut 9 Jahren der bisher älteste bekannt gewordene Hiddensee-Teichrohrsänger. Angesichts des vergleichsweise sehr umfangreichen Datenbestandes (s.Anhang A), läßt sich ein solches Alter in unserem Raum schon als extrem selten für die Art einstufen. Insgesamt wurden im Hiddensee-Bereich bisher nur 33 Individuen registriert, die älter als 7 Jahre wurden. Staav (1998) führt einen britischen Teichrohrsänger an, der 12 Jahre und 10 Monate alt wurde.
Rauhfußkauz Aegolius funereus
Hiddensee 430648
Abgesehen davon, dass diese Ringkontrolle die „Eigenreproduktion“ der Tieflandpopulation des Rauhfußkauzes im südlichen Brandenburg belegt (vgl. u.a. Möckel 1996), dürfte der Ringvogel der bei weitem älteste seiner Art in Europa sein. Mit 10 Jahren und 10 Monaten übertrifft er Helgoland 4009133 um knapp zwei Jahre.
Saatgans Anser fabalis
Hiddensee 210151
Zwar sind die Fundumstände und der Zeitpunkt des Todes in diesem Fall nicht ganz eindeutig, doch da der Vogel vom Finder, einem Jäger, als „Gans“ identifiziert wurde, lag er sicher nicht allzu lange zurück. Im Frühjahr 2000 dürfte das Tier also mindestens vor Vollendung seines 26. Lebensjahres gestanden haben und damit etwa dreieinhalb Jahre älter geworden sein als die bisherige rekordhaltende Saatgans mit dem Ring Arnhem 85021690 (22 Jahre und 4 Monate).
Mäusebussard Buteo buteo
Hiddensee 330152
Ein neuer Altersrekord für einen in unserem Arbeitsgebiet beringten Mäusebussard, der den zuletzt publizierten (Ber.Vogelwarte Hiddensee 15: 16) um drei Monate übertrifft. Interessanterweise wurde gerade dieser Vogel schon 9 Tage nach der Beringung 17 km nördlich vom BO geschwächt gegriffen und nach zwei Wochen Pflege am 7.7.1975 wieder frei gelassen.
Aufgrund der seit Jahrzehnten kontinuierlich hohen jährlichen Beringungszahlen beim Mäusebussard erlaubt der aktuelle Datenfundus (vgl. Anhang A) bereits einen recht guten Einblick in die tatsächliche Altersstruktur der beringten Population. Insgesamt wurden bisher 9 Individuen nachgewiesen, die über 20 Jahre alt wurden (vgl. auch Köppen 2000b).
Waldbaumläufer Certhia familiaris
Hiddensee XA 5981
Dieses Waldbaumläufer-Weibchen war beim letzten Wiederfang 1999 mindestens 7 Jahre alt und ist damit der bisher älteste Hiddensee-Ringvogel der Art. Sofern der Vogel noch lebt, sind die Chancen auf einen erneuten Wiederfang sehr gut, denn der Beringer H.Zähr (s. auch Abschnitt 2) bearbeitet von Beginn (1997) an eine Untersuchungsfläche innerhalb des bundesweiten „Integrierten Monitoring Singvogelpopulationen“. Ein britischer Waldbaumläufer mit dem Ring London 3B6601 erreichte ein Alter von 8 Jahren und einem Monat.
Höckerschwan Cygnus olor
Hiddensee 119181
Von den 25.589 Höckerschwänen, die in den Jahren 1964 bis 2000 in unserem Bereich beringt wurden, sind im selben Zeitraum 14.661 zurückgemeldet worden. Trotz hoher Rückmelderaten, im Mittel etwa 4 Meldungen je Ringvogel, maximal 101, konnte ein Lebensalter von zwanzig Jahren und älter nur für drei Individuen nachgewiesen werden. Hiddensee 119181 ist mit 24 Jahren und etwa 7 Monaten zwar unser ältester Höckerschwan, doch noch 4 Jahre jünger als Helgoland 111617, der europäische Rekordhalter (Staav 1998).
Sturmmöwe Larus canus
Hiddensee 5043285
Mit gut 25 Jahren hatte dieser Vogel im Jahre 2000 das mit Abstand höchste Lebensalter erreicht, das von unseren Sturmmöwen bisher bekannt wurde. Das potentielle Höchstalter dieser Art ist allerdings weit höher, so dass langlebiges Ringmaterial eingesetzt bzw. konsequent umberingt werden muss, wie das in Estland in einer berühmten Langzeituntersuchung getan wurde. Ein Ringvogel aus dieser Untersuchung konnte denn auch im Alter von 31 Jahren und 8 Monaten anhand seiner individuellen Farbmarkierung nachgewiesen werden.